Standort ist entscheidend für den Erfolg
Multiplex-Kinos leiden unter Besucherschwund

Geringes Interesse zeigen derzeit Immobilieninvestoren für den Bau neuer Multiplex-Kinos. "In Deutschland ist die Errichtung von Kinos nur noch an handverlesenen Standorten sinnvoll", erklärt ein Sprecher der börsennotierten Cinemaxx AG, der mit 34 Multiplex-Kinos zu den Marktführern der Branche zählt.

lip HAMBURG. Grund für die Zurückhaltung sind erhebliche Überkapazitäten am Markt, die die Rentabilität der bestehenden Kinos deutlich verringern. So kletterte in den vergangenen Jahren die Zahl der Multiplex-Kinos bundesweit bis auf 132 Einheiten, während hingegen im gleichen Zeitraum die Zahl der Kinobesucher stagnierte oder rückläufig war.

Derzeit erholt sich zwar der jahrelang schwächelnde Kino-Markt wieder leicht. So hat sich im ersten Halbjahr 2001 die Zahl der Kinogänger um acht Prozent auf 80,3 Mill. DM gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum erhöht. Ob Investoren diese Trendwende als Signal für den Bau neuer Multiplex-Projekte sehen, wird in der Branche hingegen bezweifelt.

Denn für die Kinobetreiber wird es immer schwieriger, Umsatzentwicklung ihrer Kinos vorauszusehen, die als Kalkulationsbasis für Mietverhandlungen dienen. So wurden viele Leinwand-Betreiber in diesem Jahr überrascht, als sich der deutsche Außenseiter-Film "Der Schuh des Manitu" zum Kassenknüller entpuppte. Denn viele Betreiber hatten dagegen auf Hollywood-Streifen wie das Cyber-Epos "Lara Croft" oder die Love-Story " Pearl Harbour" gesetzt und hierfür hohe Leihgebühren in Kauf genommen, die neben den Mieten die Ertragsmarge erheblich belasteten.

Dass die Kinobetreiber angesichts dieser Unsicherheit kaum neue Multiplex-Kinos anmieten, ist verständlich. "Die Verträge sind meist auf mehr als 20 Jahre ausgehandelt", erklärt ein Cinemaxx-Sprecher. Dies ist vor allem ein Hemmnis für kapitalschwache Leinwand-Betreiber. Denn sollten die Umsätze über einen längeren Zeitraum deutlich zurückgehen, geraten vor allem mittelständisch-orientierte Kino-Unternehmer in die Finanzklemme, können die Miete nicht mehr zahlen und müssen im schlimmsten Fall Insolvenz anmelden.

Für Kinobetreiber und Investoren ist der Standort entscheidend für die Rentabilität des Multiplex-Kinos. Dabei sollten Kino-Betreiber und Immobilieninvestoren darauf achten, dass auch in unmittelbarer Nähe nicht zu viele traditionell betreibene Kinos existieren. Zudem sollte in der Schublade bereits ein Konzept liegen, dass eine alternative Nutzung des Objektes vorsieht, wenn sich der Kinobetrieb nicht mehr finanziell lohnt. Dazu gehört beispielsweise der Umbau in Bürokomplex oder in ein Einkaufszentrum.

Eher eine Ausnahme bleibt hingegen das von der Düsseldorfer Ufa-Gruppe geschlossene Multiplex-Kino in Freiburg. Es wurde zu einer Sternwarte umgewandelt. Sie lockt bereits mehr Besucher an als das alte Multiplex-Kino.

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