Standort Rostock soll massiv ausgebaut werden
Nordex AG stellt sich rauem Wind am Neuen Markt

Die Rostocker Nordex AG, führender Hersteller von Windkraftanlagen, will an den Neuen Markt. Das Unternehmen verzeichnet überdurchschnittliche Wachstumsraten im stark expandierenden Markt für Windkraftanlagen.

dpa-afx ROSTOCK. Dietmar Kestner mag es, wenn ihm eine steife Brise um die Ohren pfeift. "Je mehr Wind, desto besser", ist sein Motto. Denn davon lebt die Nordex AG, deren Geschäfte der 44-jährige Essener seit Anfang des Jahres als Vorstandschef leitet. Die Rostocker Nordex gehört mit einem Weltmarktanteil von 9 % zu den führenden Herstellern von Windkraftanlagen. Im April, spätestens im Mai, wird das Unternehmen die zweite börsennotierte Gesellschaft Mecklenburg-Vorpommerns sein.

Die Fundamentaldaten sind günstig. Der Markt für Windkraftanlagen wuchs in den vergangenen Jahren durchschnittlich um 40 %. In diesem Jahr werden es wohl 20 bis 30 % werden. Der Zuwachs der Nordex-Erlöse lag stets darüber. Im Geschäftsjahr 1999/2000 lag der Umsatz bei 272 Mill. Euro (532 Mill. DM), der Vorsteuergewinn bei 13,2 Mill. Euro. In diesem Jahr ist wohl mit einem Umsatz von etwa 350 Mill. Euro zu rechnen.

Nordex konzentriert sich mehr und mehr auf die Megawatt-Klasse, also Windkraftanlagen, die in der Spitze eine Nennleistung von mehr als 1000 Kilowatt oder einer Million Watt pro Stunde erbringen können. Der Weltmarktanteil liegt in diesem Segment bei 13 %. Das Flaggschiff heißt derzeit "N 80" mit einer Leistung von 2,5 Megawatt. Kaufpreis inklusive Planung, Bau, Errichtung und Netzanschluss: etwa 4 Mill. DM.

Das seit 1. April 2000 geltende Erneuerbare-Energien-Gesetz garantiert einen Abnahmepreis für Windenergie von 17,8 Pfennig pro Kilowattstunde. Legt man bei einer "N80"-Anlage 5 Mill. kwh pro Jahr zu Grunde ergeben sich jährliche Einnahmen von rund 900 000 DM. Bei einer angenommenen Produktlebensdauer von 20 Jahren ein rentables Geschäft.

Deutschland gilt mit rund 9 300 installierten Windkraftanlagen als "Windraft-Weltmeister". Die rasante Entwicklung verliert aber an Fahrt. Der Grund: "Die Flächen an Land werden knapp", sagt Kestner. Die Hoffnung ruht nun auf Offshore-Standorten wie dem vor Rügen oder vor Helgoland. Die international operierende Nordex richtet ihr Geschäft immer stärker auf den Exportmarkt aus. Bereits heute geht jede zweite Anlage ins Ausland. "Langfristig rechnen wir mit einem Exportanteil von 75 %", sagt Kestner. Nordex-Flügel drehen sich in fast allen Teilen der Welt, von China über Europa bis nach Russland und Kanada.

Die Kunden verlangen immer größere Anlagen. Und deshalb arbeitet Nordex derzeit mit großem Kostenaufwand an einer 5-MW-Anlage. Die Entwicklungskosten inklusive Prototyp liegen bei 30 Mill. DM. Bis 2002 soll das neue Prunkstück fertig sein. Danach folgen zwei Jahre Erprobungszeit.

Der Standort Rostock soll nach Worten Kestners sogar "massiv ausgebaut" werden. Die Fertigung der gigantischen Rotorblätter, die bei der "N80" die Flügelspannweite einer Boing 747 erreichen, wird im Herbst in die Nähe des Rostocker Hafens verlagert. Insgesamt arbeiten bei Nordex 620 Beschäftigte.

Mit dem Gang an den Neuen Markt wird das zur Babcock-Borsig-Gruppe gehörende Unternehmen mit frischem Kapital versorgt, das möglicherweise auch für Akquisitionen in Europa verwendet wird. Zugleich wird die Börsennotierung auch für verstärkten Gewinndruck sorgen. Denn am Neuen Markt weht ein rauer Wind. Aber mit Wind kennt sich Nordex ja bestens aus´.



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