Standorte im Westen bedroht
Conti startet eigenen Aufbau Ost

Der Reifenkonzern Continental will seine Produktion in Osteuropa wegen der niedrigeren Kosten dort zügig ausbauen. Im Gegenzug seien weitere Werksschließungen in Westeuropa möglich, sagte Konzernchef Manfred Wennemer am Dienstagabend in Moskau.

Reuters MOSKAU/OTROKOVICE. Der Anteil der Pkw-Reifen aus Niedriglohnstandorten bei Conti werde in diesem Jahr die bisher angestrebte Zielmarke von knapp 50 Prozent erreichen. "Aber die 50 Prozent ist für Conti keine magische Grenze. Auch 60 Prozent oder 70 Prozent nicht", sagte Wennemer, der zuvor mit Journalisten das tschechische Reifenwerk Otrokovice besucht hatte, das mit fast 15 Millionen Reifen pro Jahr die größte Anlage dieser Art in Europa ist.

Neben dem Ausbau der bisherigen Niedrigkostenwerke in Otrokovice und im rumänischen Timisoara sowie im portugiesischen Lousado ist nach Conti-Angaben auch ein weiteres neues Werk an einem noch günstigeren Standort in Osteuropa in Planung. Hierfür gebe es aber noch keine Entscheidung. Im Gespräch sind intern unter anderem die baltischen Staaten.

Die Orientierung auf Niedrigkostenproduktion könne mittelfristig Konsequenzen für die vier deutlich teureren Standorte in Deutschland (Korbach und Aachen) und Frankreich (Sarreguemines und Chlairoix) haben, sagte Wennemer. Diese Standorte müssten sich um weitere Kostensenkungen bemühen. Im vorigen Jahr hatte Conti bereits fünf Werke in Deutschland, Schweden, Belgien, Österreich und Mexiko geschlossen.

Produktion in Moskau vorerst nur für russischen Markt

Eine besondere Rolle soll das bereits geplante Reifenwerk in Moskau spielen. Nach den Worten Wennemers werden von dort - anders als in den anderen osteuropäischen Standorten - vorerst keine Reifen exportiert, sondern für den wachsenden einheimischen Markt produziert. Nach dem Start im Herbst 2003 soll die Produktion bis 2006 auf jährlich 3,5 Millionen Stück wachsen. Partner in dem Joint-Venture ist der russische Reifenhersteller Moscow Tyre Plant. Für den Reifenmarkt in Russland mit einem Jahresvolumen von derzeit 25 Millionen Reifen erwartet Conti ein jährliches Wachstum von etwa 20 Prozent.

Conti will weiter über den Markt wachsen

Conti geht insgesamt davon aus, dass der Pkw-Reifenmarkt in Europa wie auch in den USA jährlich weiterhin um zwei bis drei Prozent wächst. Der weltweit viertgrößte Reifenkonzern selbst plant dabei wie schon bisher stärker als der Markt zuzulegen und damit Marktanteile zu gewinnen. In diesem Jahr will Conti in Europa seine Pkw-Reifenproduktion um rund vier Prozent auf 65,2 Millionen Stück steigern, 2003 ähnlich stark auf 68,0 Millionen. Für den nordamerikanischen Markt will Conti die Produktion im verbliebenen mexikanischen Werk in San Juan erhöhen.

Zusätzliche Kapazitäten in den traditionellen Werken in Westeuropa schloss Wennemer aus. Weltweit könne ein Reifenhersteller nur bestehen, wenn er so kostengünstig wie möglich herstelle. "Wir haben entschieden, dass wir nicht in voll automatisierte Reifenfabriken in Westeuropa investieren, sondern in neue Werke in Niedrigkostenländern." Dort entstünden auch neue Absatzmärkte für Reifen.

Im Werk Otrokovice, das Conti nach der Übernahme 1993 modernisiert und ausgebaut hat, koste ein Reifenbauer nur 25 Prozent des deutschen Lohnniveaus. Im rumänischen Timisoara seien dies nur noch gut zehn Prozent. Dort hab Conti ein hochmodernes Werk mit einer derzeit Jahreskapazität von sieben Millionen Pkw-Reifen errichtet, die noch verdoppelt werden könne, sagte der Leiter der Sparte Pkw-Reifen, Karlheinz Evertz.

Kostendruck wächst

Conti erhöht dabei den Druck nicht nur für die Pkw-Reifen- Standorte in Deutschland und Frankreich. Auch bei Lkw-Reifen, wo mit dem Werk in Hannover-Stöcken nur noch ein westeuropäischer Standort übrig geblieben ist, gelte im Prinzip die gleiche Strategie, sagte Wennemer. Stöcken habe als Werk am Konzernsitz Hannover keine Sonderrolle.

Generell gelte: Bei schwächerer Nachfrage und Kostendruck stelle sich die Frage nach weiteren Werksschließungen. "Wir gucken immer auf die Werke mit den höchsten Kosten", sagte Wennemer. Die Kosten der vier westeuropäischen Pkw-Reifenwerke seien derzeit ungefähr gleich hoch. "Wir hoffen da nochmals auf einen Wettbewerb, diese zu senken", sagte Wennemer.

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