Standortgarantie für Van-Fabrik bei Lissabon
Volkswagen hält Portugal die Treue

Der größte europäische Automobilhersteller wird auch in Zukunft am südwestlichen Zipfel des Kontinents Autos bauen. Denn der VW-Aufsichtsrat hat sich für den Erhalt der Fabrik im portugiesischen Palmela ausgesprochen, sagt Werks-Chef Heuss. VW honoriere damit die Anstrengungen für höhere Effizienz und bessere Qualität.

PALMELA. Die portugiesische Volkswagen-Fabrik Autoeuropa in Palmela bei Lissabon hat auch nach dem Auslaufen der Großraumlimousine Sharan Platz im VW-Verbund. "Es ist eine positive Zukunftsentscheidung getroffen worden", sagte Fabrik-Chef Gerd Heuss im Gespräch mit dem Handelsblatt. Einzelheiten zum Modell wollte er nicht preisgeben. VW hatte in einer Aufsichtsratsitzung vergangenen Freitag in Wolfsburg beschlossen, seine Modellpalette in den nächsten fünf Jahren massiv auszubauen. Die Vermutung, dass in Palmela künftig eines der geplanten Großraumfahrzeuge auf Golf-Basis produziert werden könne, wollte Heuss nicht bestätigen. Die grundsätzliche Entscheidung des Konzerns für Palmela sei entscheidend: "Wir müssen nicht mehr bangen und sind ein solider VW-Standort geworden."

Das war nicht immer so. In den Jahren 1999 und 2000, erzählt Heuss, habe das portugiesische Werk "ein nicht ganz stabiles Image gehabt". Seitdem seien Qualität und Effizienz "bemerkenswert verbessert" worden. "Wir haben uns vom hinteren Drittel ins vordere Drittel vorarbeiten können und die Qualität auf ein VW-Standardmaß gebracht." Der 61-jährige Heuss kennt sein Unternehmen wie nur wenige andere, seit nunmehr 42 Jahren arbeitet er für die Wolfsburger, die letzten drei davon in Portugal. Die Konkurrenz für Autoeuropa sitzt vor allem in Osteuropa: "Allein von den Lohnkosten sind osteuropäische Fabriken sehr ernst zu nehmen." Doch obwohl Portugal längst nicht mehr als Billiglohnland gilt, rechne sich die Produktion auch hier: Die Löhne seien im Schnitt 30 % günstiger als im Mutterland von VW.

Die Produktivität, die als Schwachpunkt der VW-Betriebe sowohl in Portugal als auch in Spanien gilt, ist Heuss zufolge stetig gesteigert worden. So habe jeder Mitarbeiter vor zwei Jahren nur 33 Fahrzeuge im Jahr produziert, heute seien es 39. Das Ziel steht bei 45. Beharrlich sei auch daran gearbeitet worden, die Zuverlässigkeit der Zulieferer ständig zu verbessern. Der Sharan soll Heuss zufolge noch bis 2005 oder 2006 produziert werden: "Man wechselt nicht, wenn ein Produkt gut läuft. Der Wagen kann auch 2006 noch stabile Verkaufszahlen bringen."

Gegenwärtig werden in zwei Schichten 600 Fahrzeuge täglich gebaut - neben dem VW-Modell Sharan die nahezu baugleichen Ford Galaxy und Seat Alhambra. Von der Kapazitätsgrenze, 750 Fahrzeuge, ist Palmela damit noch weit entfernt. Heuss ist mit den Zahlen dennoch "hoch zufrieden": Im Krisenjahr 2002 sollen 130 000 Fahrzeuge vom Band rollen - etwa 6 500 weniger als 2001. Der Umsatz im Werk liegt bei 2 Mrd. Euro. Palmela war 1995 als Gemeinschaftsunternehmen von VW und Ford eröffnet worden. Seit Anfang 1999 ist VW Alleineigentümer, produziert aber den Galaxy im Auftrag von Ford weiter. Über die Zukunft des Modells werde nicht vor 2005 entschieden, sagt Heuss.

Der portugiesischen Regierung ist mit der positiven Standortentscheidung für Pamela eine ihrer größten Sorgen los, schließlich sind die Wolfsburger größter Auslandsinvestor. In den vergangenen Monaten hatten Beobachter wiederholt über die Zukunft Autoeuropas spekuliert. Die Fabrik ist mit Abstand der größte Arbeitgeber in der Region, die trotz aller EU-Hilfen noch immer ärmlich wirkt. Autoeuropa hat 3 400 direkt Beschäftigte - dazu kommen die Angestellten in den Zuliefererbetrieben. Nach Informationen der portugiesischen Ansiedlungsgesellschaft Icep sorgt die Fabrik für 2 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und trägt mit seinen Verkäufen 11 % zu den gesamten Exporteinnahmen des Landes bei. 98 % der Produktion geht ins Ausland. Insofern ist es kein Wunder, dass Heuss sich um die Konjunktur in Europa insgesamt sorgt. "Deutschland tut sich derzeit enorm schwer."

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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