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Standortschließungen treffen das Heer

Die von Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) beschlossene Verkleinerung der Bundeswehr mit dem Aus für 105 Standorte trifft am stärksten das Heer. Dagegen bleiben Marine und Luftwaffe weitgehend verschont.

dpa BERLIN. Die von Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) beschlossene Verkleinerung der Bundeswehr mit dem Aus für 105 Standorte trifft am stärksten das Heer. Dagegen bleiben Marine und Luftwaffe weitgehend verschont.

Beim Heer werde fast die Hälfte der 22 Brigaden und gut ein Drittel der 123 Bataillonen aufgelöst, erfuhr die dpa am Montagabend aus Parlamentskreisen in Berlin. Besonders betroffen sind Hessen, Sachsen und Nordrhein-Westfalen.

Die Union sieht damit die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr in internationalen Missionen gefährdet. Sie forderte ein Programm der Bundesregierung zur Unterstützung der betroffenen Regionen. Struck will an diesem Dienstag in Berlin die Liste der betroffenen Kommunen bekannt geben. Nach dpa-Informationen sollen auch rund ein Drittel der 60 Kreiswehrersatzämter geschlossen werden.

Den Angaben zufolge werden neun Standorte mit mehr als 1 000 Soldaten geschlossen. Dazu gehört auch die 7. Panzerdivision in Düsseldorf mit 10 000 Soldaten und Zivilbeschäftigten an zwölf weiteren Standorten. Nach tagelangen widersprüchlichen Spekulationen bestätigte das Verteidigungsstaatssekretär Walter Kolbow, berichten die "Ruhr Nachrichten" (Dienstag). Auch die Gebirgsjägerkaserne im sächsischen Schneeberg mit 1 130 Soldaten wird geschlossen. Noch am Montagabend demonstrierten 2000 Einwohner für den Erhalt.

Ferner sollen 28 Kasernen mit mehr als 500 Soldaten geschlossen werden, hieß es in Berlin. An 30 Standorten würden mehr als 500 Dienstposten abgebaut. Zudem stünden die Bundeswehrkrankenhäuser in Amberg (Bayern), Hamm (Nordrhein-Westfalen) und Leipzig sowie fünf Truppenübungsplätze vor dem Aus. Außerdem würden und alle Verteidigungsbezirkskommandos geschlossen und dafür elf Landeskommandos errichtet.

Von jetzt 13 Panzerbataillonen blieben nur noch sechs übrig, von den 15 Panzergrenadierbataillonen nur noch acht und von neun Pionierbataillonen sechs. Von den vier ABC-Abwehrbataillonen würden zwei aufgelöst. Bei der Luftwaffe würden die sieben Ausbildungsregimenter auf vier reduziert. Die Marine müsse den Standort Olpenitz in Schleswig-Holstein aufgeben.

Der Verteidigungsexperte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Christian Schmidt (CSU), sagte, Struck streiche mit den ABC-Abwehr-Kräften gerade solche Einheiten, mit denen sich Deutschland international profilieren könne. Schmidt forderte auch Finanzhilfen für die betroffenen Kommunen. Er sagte der dpa: "Wer so viele Standorte schließt, kommt nicht um ein nationales Konversionsprogramm herum." Der CSU-Abgeordnete Gerd Müller nannte Struck einen "Sensenmann".

Hessen ist von den geplanten Einschnitten bei der Bundeswehr überdurchschnittlich stark betroffen. In Nordhessen sollen die Kasernen in Wolfhagen, Fuldatal-Rothwesten und Bad Arolsen geschlossen werden. Das teilte ein Bundestagsabgeordneter der dpa mit. An den Standorten sind insgesamt 1 768 Soldaten und 467 Zivilbeschäftigte eingesetzt. Nach Medienberichten sollen auch die Truppenstandorte Sontra und Hessisch-Lichtenau komplett aufgegeben werden. Auch Schwalmstadt, Treysa und Homberg seien betroffen.

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