Star-Alliance-Mitgliedschaft bringt Vorteile
Lufthansa-Analysten vor Aktionärstreffen optimistisch

Es dürfte ein entspannter Termin für Lufthansa-Chef Jürgen Weber werden, wenn er am Mittwoch erstmals seit dem 11. September vor seine Aktionäre tritt.

Reuters FRANKFURT. Unisono loben die Analysten sein Krisenmanagement nach den Anschlägen in den USA, die die Luftfahrtbranche weltweit in eine schwere Krise gestürzt hatten. Für 2002 erwarten die Anteilseigner von Weber nun eine Ergebnis-Prognose, die nach Einschätzung der Experten zwischen 335 und 435 Millionen Euro beim operativen Gewinn liegen dürfte. Das Krisenjahr 2001 hatte die Lufthansa mit einer schwarzen Null abgeschlossen.

"Die Lufthansa steht sehr gut da. Das Schlüsselthema der Hauptversammlung wird der ausstehende Ausblick sein", sagt der Analyst Nils Machemehl von MM Warburg. Er rechne mit einer Prognose von 371 Millionen Euro beim operativen Gewinn. Gert Zonneveld von der WestLB spricht von einem schwierigen Markt, geht aber dennoch von einer Prognose von 435 Millionen Euro aus. Ein Wachstum bei Passagier- und Frachtzahlen erwartet Robert Czerwensky von der Vereins und Westbank, - der mit einer Prognose von 335 Millionen Euro rechnet.

Bei der Bilanzpressekonferenz Ende April hatte die Lufthansa lediglich erklärt, das Ergebnis 2002 werde deutlich besser als das von 2001 (28 Millionen Euro), aber schlechter als der Rekordgewinn von 2000 (rund eine Milliarde Euro) sein. Verlässliche Prognosen seien jedoch wegen der unsicheren Lage noch nicht möglich, hatte es geheißen.

Grundsätzlich seien die Aussichten für die Luftfahrt-Branche mittlerweile wieder sehr Erfolg versprechend, sagen die Analysten einhellig. "Die Fracht zeigt deutliche Zeichen der Erholung, und sie ist ein klassischer Frühindikator für die Entwicklung der Passagierzahlen", hieß es. Außerdem dürfte die Lufthansa von dem für das dritte Quartal erwarteten Konjunkturaufschwung profitieren.

Gut angekommen ist bei vielen Analysten auch die flexible Antwort der Lufthansa auf die Krise nach den Anschlägen in den USA. "Die Lufthansa hat sehr geschickt agiert", sagt Machemehl. Im Gegensatz zu anderen Fluggesellschaften habe die Kranichlinie nur einige ältere Flugzeuge verkauft, weitere Maschinen dagegen lediglich vorübergehend stillgelegt und auch das Personal nicht entlassen, sondern nur Kurzarbeit angeordnet. British Airways dagegen habe etliche Flugzeuge verkauft, Mitarbeiter entlassen und könne daher von einem Aufschwung nicht so schnell profitieren.

Ähnlich oder besser als die Lufthansa steht in Europa nach Einschätzung von Machemehl die dritte große Fluggesellschaft Air France da. Die Fluglinie habe nicht so viele Amerika-Flüge im Angebot und sei daher von den Anschlagsfolgen nach dem 11. September weniger hart getroffen worden, erklärt der Analyst. Allerdings sei die Lufthansa als Mitglied der Star Alliance im Wachstumsmarkt Asien sehr gut positioniert und der Air France dort deutlich überlegen.

Weitgehend gelassen beurteilen Analysten die Tatsache, dass immer mehr Billig-Fluglinien auf den deutschen Markt drängen. "Die Auswirkungen sollten mittelfristig für eine Lufthansa überschaubar sein", sagt ein Branchenkenner. Die Geschäftsmodelle seien sehr unterschiedlich und auf ihren Langstrecken könne die Lufthansa ohnehin nicht angegriffen werden.

Die Lufthansa reagiere richtig, indem sie sich auf die profitablen Langstrecken und die Star Alliance konzentriere, sagt Machemehl. Außerdem ist es nach Einschätzung von Experten fraglich, ob Easyjet die seit zehn Jahren mit Verlust fliegende Deutsche BA nach der Übernahme rentabel machen kann. Auswirkungen könnte die neue Vielfalt bei den Preisen allerdings auf die Kunden haben. "Der verstärkte Konkurrenzdruck durch die Billiganbieter wird das Preisbewusstsein der Kunden erhöhen", prognostiziert Czerwensky.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%