Star Alliance sorgt sich um ihre größte Fluglinie
Lufthansa lässt den Partner nicht fallen

Die Lufthansa gilt als einer der letzten Stars einer chronisch ungesunden Branche. 15 Monate nach den Terrorattacken in den USA wirft vor allem die Lufthansa-Langstrecke wieder gutes Geld ab, die Gewinnprognosen für 2002 hat der Konzern mehrfach angehoben.

HB FRANKFURT/M. Die Aussichten, das erfolgreiche Ergebnis auch im kommenden Jahr ausbauen zu können, trüben sich jedoch zusehends ein. Neben der anhaltend schwachen Weltkonjunktur macht dem Konzern vor allem sein Bündnis Star Alliance große Sorgen: Die Pleite von United Airlines, dem engsten Lufthansa-Verbündeten, rückt jeden Tag näher.

Wie stark das Star-Netzwerk unter einem Konkurs leiden wird, ist noch kaum absehbar. Die Stimmung im Lufthansa-Konzern indes ist merklich gedrückt: "Wir müssen akzeptieren, dass United keine staatlichen Kredite erhalten hat", heißt es zerknirscht aus Frankfurt. Es sei aber zu früh, über Auswirkungen einer möglichen Pleite zu spekulieren. "Viele Dinge sind ja noch im Fluss. Für unsere Kunden wird sich jedenfalls nichts ändern", sagte ein Lufthansa-Sprecher dem Handelsblatt.

Auch Branchenexperten halten die negativen Effekte für überschaubar, weil United seinen Flugbetrieb selbst nach einem Insolvenzantrag nicht einstellen mus. Lufthansa setzt zudem auf den wichtigsten Verbindungen in die USA-Washington, Los Angeles, Chicago, San Francisco - eigene Maschinen ein. Zahlreiche Verbindungsflüge in andere US-Städte werden allerdings von United unter Lufthansa-Flugnummer übernommen. Einige dieser unrentablen Strecken könnten künftig wegfallen, was die Attraktivität der Star Alliance belaste, glauben Analysten. Die lukrativen Transatlantikflüge der Star Alliance wären von einer Pleite jedoch kaum betroffen. Deshalb bliebe der wirtschaftliche Effekt einer United- Pleite "für Lufthansa überschaubar", sagte Uwe Weinreich, Luftfahrtexperte der Hypo-Vereinsbank. Ein Insolvenzverfahren der US-Fluglinie könnte nach seiner Ansicht das operative Lufthansa-Ergebnis im nächsten Jahr mit rund 20 Mill. Euro belasten. Die Lufthansa erneuerte gestern ihr Angebot, dass sie notfalls gegen Garantien zu einer Finanzhilfe für den US-Partner bereit sei.

United gehört gemeinsam mit Lufthansa zu den Gründungsmitgliedern der Star Alliance. Der Vorteil der Kooperation besteht für Lufthansa darin, dass Passagiere, die man zu den großen Drehkreuzen nach Chicago, Los Angeles und Washington transportiert, dort auf United-Maschinen umsteigen und damit möglichst schnell andere US-Ziele erreichen können. United übernimmt für Lufthansa bislang insgesamt 2 700 Flüge pro Woche in 55 Zielorte. Branchenexperten gehen davon aus, dass Lufthansa den drohenden Imageschaden für die Star Alliance weit stärker fürchtet als so manch eingestellte Verbindung. "Ein Insolvenzverfahren verschreckt Kunden und Zulieferer von United", sagte Luftfahrt-Experte Klaus Linde von SES Research. Die Börse reagierte zurückhaltend - aber mit negativer Tendenz: Die Lufthansa-Aktie zählte gestern zu den größten Verlierern im Dax.

Spekulationen, im Falle einer Pleite könnten sich die Deutschen mit der weltgrößten Fluglinie American Airlines zusammentun, halten Marktbeobachter für abwegig. "Lufthansa hat sich strategisch fest an United geklammert", sagte Jürgen Ringbeck, Luftfahrtstratege der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton. Wahre Freunde erkennt man bekanntlich erst in der Not: In der Lufthansa-Zentrale heißt es, man werde "gute Freunde nicht im Stich lassen".

Quelle: Handelsblatt

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