Star Alliance sorgt sich um ihren taumelnden US-Riesen
Lufthansa erwägt Hilfen für United Airlines

Die drohende Pleite des US-Riesen United Airlines macht dem führenden Luftfahrtverbund Star Alliance Sorgen. Insbesondere der Bündnispartner Lufthansa muss abwägen, was für ihn teurer wird: Die Löcher im US-Netzwerk, falls United abstürzen sollte, oder das Risiko einer Finanzspritze in ein fast hoffnungsloses Unternehmen.

ebe DÜSSELDORF. Die Deutsche Lufthansa hat am Wochenende erneut Unterstützung für ihren dicht vor der Pleite stehenden Bündnispartner United Airlines in Aussicht gestellt. "Es ist klar, dass man hilft, wenn ein Freund in der Klemme steckt", sagte Lufthansa-Chef Jürgen Weber bei einem Treffen der Star-Alliance-Chefs in Rio de Janeiro. Spekulationen, wonach die Lufthansa nicht nur moralische, sondern auch finanzielle Hilfe leisten und im Gegenzug Anteilseigner bei United werden könnte, schloss der deutsche Konzern am Sonntag nicht kategorisch aus. "Alles ist möglich, aber entschieden ist nichts", sagte ein Lufthansa-Sprecher.

Branchenbeobachter gehen davon aus, dass die Kranich-Linie eine solche Beteiligung allerdings nur als "ultima ratio" im Auge hat. Vor allem die mächtigen Gewerkschaften der US-Fluglinie, deren Belegschaft zu 55 % am Unternehmen beteiligt ist, sind der Lufthansa-Führung ein Dorn im Auge. Der hohe Personalkostenanteil bei United, der annähernd 50 % der Gesamtkosten ausmacht, gilt als Hauptursache für den bevorstehenden Kollaps des US-Riesen.

Auf der anderen Seite muss der weltweit führende Luftfahrtverbund Star Alliance daran interessiert sein, die Pleite seines größten Mitglieds irgendwie zu verhindern. "Im Konkursfall verliert das United-Management die Führung. Die Allianzpartner müssen dann fürchten, dass unrentable United-Strecken ohne Rücksicht auf ihr Netzwerk gestrichen werden", sagte Jürgen Ringbeck, Luftfahrtexperte beim Unternehmensberater Booz Allen Hamilton. Dies gelte vor allem für die verlustreichen inneramerikanischen Routen. United ist insbesondere für die Lufthansa von strategisch wichtiger Bedeutung. Im Konkursfalle droht sie auf Nordatlantikstrecken wichtige Kunden zu verlieren, die vorher vom US-Partner zugefüttert wurden. Luftfahrtexperten halten Einbußen im mittleren zweistelligen Millionenbereich aus diesem Netzwerk-Effekt für möglich. Branchenexperten gehen davon aus, dass Lufthansa den drohenden Imageschaden für die weltweit führende Star Alliance allerdings weit stärker fürchtet. "Kunden sind nicht begeistert, wenn sie mit einer Pleite-Airline fliegen müssen", sagt Ringbeck. Es sei schwer abzuschätzen, wie viele Passagiere dann künftig lieber auf andere Fluglinien umsteigen und im Netzwerk der Konkurrenz landen.

United Airlines dürfte in diesem Jahr einen Verlust von mehr als 2,5 Mrd. $ einfliegen und benötigt dringend eine Zustimmung der US-Regierung über Kreditgarantien in Höhe von 1,8 Mrd. $. In einer Woche ist der nächste Kredit in Höhe von 375 Mill. $ fällig. Sollte das staatliche Air Transport Stabilisation Board Hilfen ablehnen, wird mit einem Konkursantrag der United-Mutter UAL Corp. gerechnet. Es bleibe "nur eine kleine Chance", glaubt Philip Baggaley, Luftfahrt-Analyst bei Standard & Poor?s.

Die Rettungsbemühungen um die weltweit zweitgrößte Fluglinie laufen seit Wochen auf vielen Ebenen. Verhandelt wird vor allem mit den Gewerkschaften: Mit einem radikalen Sparprogramm will United-Chef Glenn Tilton den Staat davon überzeugen, dass die Milliardenhilfe Sinn macht: Die Kosten der Fluggesellschaft sollen um 2,5 Mrd. $ pro Jahr gedrückt werden, ein Großteil davon soll durch Entlassungen und Gehaltskürzungen realisiert werden. Die Belegschaft soll auf 74 000 Mitarbeiter schrumpfen, vor dem 11. September 2001 arbeiteten noch mehr als 100 000 Menschen für United. Nach Tiltons Businessplan soll das Unternehmen in 2004 bereits wieder operative Gewinne einfliegen.

Die Allianzpartner könnten dabei mithelfen, dem Unternehmen kurzfristig neue Liquidität zu verschaffen. Während des Treffens in Rio wurde über einen Beitrag von 200 Mill. Euro verhandelt, für den Star-Alliance-Mitglieder möglicherweise aufkommen könnten. Eine derartige Bündnishilfe wäre nicht die erste in der Geschichte der Star Alliance: Schon vor drei Jahren hatten Lufthansa und die skandinavische SAS mit finanziellen Zusagen die drohende feindliche Übernahme des kanadischen Allianzmitglieds Air Canada verhindert. Das 1997 gegründete Luftfahrtbündnis umfasst derzeit 14 Mitglieder. Drei weitere, die polnische Lot, die spanische Spanair sowie die koreanische Asiana, werden schon im nächsten Jahr hinzukommen.

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