Star-Investmentbanker will die Privatbank in Europa besser positionierten
Wasserstein hängt Wall Street ab

Seit dem Wechsel an die Spitze der Privatbank Lazard ist es Bruce Wasserstein gelungen, die Bank wieder auf Kurs zu bringen. Sein Erfolgsrezept: Hochkarätige Banker und eine bessere Organisation.

bba/wsj NEW YORK. Lang gestreckt in einem Clubsessel aus schwarzem Samt residiert Bruce Wasserstein in seinem Büro im 62. Stock des New Yorker Rockefeller Centers. Stolz präsentiert der Chef des französischen Bankinstitutes Lazard LLC eine gerade abgeschlossene "Fusion": Einen Konferenzraum hat er mit einem Büro zusammengelegt, die Wände herausgerissen. "Vorher war das hier viel zu klein. Die Lösung jetzt ist vernünftiger." Und sie ist ganz nach dem Geschmack von Bruce Wasserstein (54). Der in den USA berühmte Deal-Maker und Ex-Unternehmensberater hat vor zwei Jahren die von ihm mitgegründete Investmentbank Wasserstein Perella für 1,4 Mrd. $ an Dresdner Kleinwort Wasserstein verkauft und wechselte Anfang diesen Jahres zu Lazard, um das Haus zu sanieren.

Dort führt er derzeit eine der spektakulärsten Expansionen an der Wall Street an. In den vergangenen Monaten hat Wasserstein mehr als 20 hochrangige Investmentbanker als Partner ins Boot geholt. Er hat schicke Büros im Londoner Westend angemietet und das Pariser Büro erweitert. Sein Ziel: das Europa-Geschäft von Lazard soll ausgebaut werden. Derzeit ist er gerade dabei, Beteiligungspakete an Lazard zu verkaufen. Die könnten in einigen Jahren, wenn das Bankhaus selbst einmal verkauft werden sollte, mehrere Millionen Dollar wert sein. Mit all diesen Maßnahmen will Wasserstein, dessen hohes Tempo in der Branche bekannt ist, einer der renommiertesten Adressen an der Wall Street zu neuem Glanz verhelfen. Gleichzeitig zieht er aus den Skandalen der Konkurrenz einen Nutzen. Während Citigroup, J.P. Morgan Chase, Merrill Lynch & Co., Goldman Sachs Group Inc., und Credit Suisse First Boston sich mit der Finanzaufsicht herumschlagen und tausende von Stellen abbauen, steigt Lazard auf wie Phönix aus der Asche.

Das Erfolgsrezept: Statt alle Bankdienstleistungen aus einer Hand zu bieten, konzentriert sich Lazard auf seine Kernkompetenz: Unabhängige Beratung. Daneben will er Asset Management und Kapitalmarktgeschäft stärken. Das schwache Marktumfeld macht die Expansion nicht einfach. Dagegen hält Wasserstein, dass Lazard über genug Bargeld verfüge, um die Expansion zu finanzieren. Doch das kann bei einer der letzten Privatbanken an der Wall Street keiner nachprüfen, die Zahlen sind unter Verschluss. Wasserstein gibt indes zu, dass man in diesem Jahr zum ersten Mal keine Extradividende zahlen werde.

Auf der anderen Seite kann Lazard auch von der Konjunktur- und Kapitalmarktschwäche profitieren: Die wichtigste "Cash Cow" ist die Sanierungsabteilung, die von der wachsenden Zahl an Firmeninsolvenzen profitiert. Doch auch beim M&A-Geschäft steht Lazard gut da: Genau genommen auf Platz 3 mit bislang 44 abgeschlossenen M&A- Deals im laufenden Jahr. Das liegt vor allem an einer Großfusion - Pfizer Inc. und Pharmacia Corp. -, die Lazard eingefädelt hat.

Bislang ist es Wasserstein gelungen, eine Bank auf Kurs zu bringen, die vor einem Jahr kurz vor dem Zusammenbruch stand. Als er zu Lazard stieß, suchten Banker und Kunden das Weite und die Partner prügelten sich um sinkende Einnahmen. Lazard bekam massiv Konkurrenz durch Großbanken. Die dezentrale Firmenstruktur in Paris, London und New York führte permanent zu internen Kämpfen. Deshalb legte Wasserstein als erstes die Rechnungslegung der drei Standorte zusammen. Dann brachte er alle Partner an einen Tisch, ein Novum bei Lazard. Der Schlachtruf hieß von nun an: keine internen Hahnenkämpfe mehr, in Zukunft konzentrieren wir uns auf die Kunden. Als nächstes begann er mit der Talentsuche. Ihnen versprach er Topgehälter, manchen bis zu 3 Mill. $ pro Jahr. Und er hat die Eigentumsverhältnisse neu geordnet, um 20 Prozent neues Eigenkapital an neue und alte Partner zu verteilen. Hochkarätigen Banker warb er von der Konkurrenz ab, zum Beispiel seinen Ex-Mitstreiter Jeffrey Rosen von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Die Frage, ob er Lazard gerade fit für einen Verkauf mache, verneint Wasserstein kategorisch: "Ich will hier meine Pläne umsetzen und zusehen, wie wir uns entwickeln."

Doch die Expansion hat auch ihre Grenzen. Roy Smith, Wirtschaftsprofessor an der New York State University, hält es für problematisch, kleine hochspezialisierte "Boutiquen" zu sehr zu vergrößern. "Es ist schwierig, Lazard um das Dreifache zu vergrößern, und gleichzeitig die Loyalität von Mitarbeitern und Kunden zu erhalten."

Quelle: Handelsblatt

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