Starke Kursrückgänge
SAP schockt den Dax

Die deutschen Aktienmärkte sind am Donnerstag von der Reduzierung der Umsatzprognose durch Europas größten Softwarekonzern SAP stark unter Druck gesetzt worden. Die SAP-Aktie fiel nach Wiedereinsetzung in den Handel um zeitweise mehr als 20 Prozent. Dies war der massivste Einbruch gegenüber einem Vortagesschlusskurs seit Oktober 1998.

Reuters FRANKFURT. In der Folge geriet auch der Dax verstärkt unter Druck. Im frühen Handel hatten bereits starke Kursrückgänge bei den Versicherern und erneute Sorgen um die Bilanzierungspraktiken der US-Konzerne zeitweise für massive Einbußen im Dax gesorgt. Am Nachmittag wurden dann auch die Aktien von Schering stark belastet, nachdem der US-Mitbewerber Bristol-Myers Squibb Untersuchungen der US-Börsenaufsicht zu den Umsatzbuchungen des Pharmakonzerns bestätigt hatte.

Alle Indizes im Minus

Der Deutsche Aktienindex schloss am Donnerstag 1,7 Prozent schwächer bei 4118,50 Zählern, während der Auswahlindex des Neuen Marktes Nemax-50 um 2,6 Prozent auf 532,52 Punkte fiel. Der Nebenwerte-Index MDax lag unterdessen 2,2 Prozent im Minus bei 3735,77 Stellen. Der Dow Jones EuroStoxx50 der größten europäischen Aktien gab um 3,7 Prozent auf 2817,55 Zähler nach.

20-Jahres-Trend hat vorerst gehalten

Da der seit 1982 anhaltende langfristige Aufwärtstrend gehalten habe, könnte der Dax in den kommenden Wochen auf bis zu 4490 Punkte steigen, sagte der Derivatehändler Frank Immel vom Wertpapierhaus Hornblower Fischer. Er sei durchaus optimistisch. Sollte die Marke von 4100 Punkten jedoch nachhaltig unterschritten werden, sei ein Rückfall auf die die Tiefs von 1997 und 1998 bei etwa 3800 Punkten nicht ausgeschlossen.

Herabsetzung der SAP-Umsatzprognose

Die Herabsetzung der Umsatzprognose von SAP kam Börsianern zufolge angesichts der aktuellen Konjunkturflaute nicht überraschend. Wenn man sich die Nachrichten von den Mitbewerbern anschaue, werde deutlich, dass sich SAP der Schwerkraft nicht entziehen könne, sagte der Fondsmanager Trudbert Merkel der Deka Gruppe. Mehrere Analysten sagten, sie hätten ihre Prognosen bereits zuvor herabgesetzt gehabt.

SAP erwartet für das laufende Jahr nur noch ein Umsatzplus von fünf bis zehn Prozent statt bisher 15 Prozent. Die Erwartung für die operative Gewinnmarge bleibe jedoch unverändert. Die SAP-Aktie schloss 14 Prozent tiefer bei 74,80 Euro, während der Branchenindex für diesen Sektor im Dax um knapp drei Prozent fiel.

Versicherer wieder unter Druck

Die Aktien der Münchener Rück verloren nach einer Herabstufung 4,4 Prozent auf 219,80 Euro. Zudem denkt die Ratingagentur Standard & Poor's nach Angaben vom Mittwochabend über eine Herunterstufung der Bonität des weltgrößten Rückversicherers nach. "Das ist schon ein schlechtes Zeichen", sagte ein Händler. Unter dem Druck der Bristol-Nachricht verloren die Papiere von Schering derweil 7,3 Prozent auf 53,45 Euro. Der Subindex der Pharmawerte im Dax fiel um 2,8 Prozent.

Karstadt auf Zehn-Jahres-Tief

Nachdem sich Karstadt-Quelle bei der Hauptversammlung erneut mit präzisen Prognosen zur weiteren Geschäftsentwicklung zurückhielt, fielen die Aktien der Einzelhandelskonzerns zeitweise auf ein Zehn-Jahres-Tief und schlossen 3,4 Prozent im Minus bei 22,22 Euro. Am Markt werde spekuliert, wie schlecht das Ergebnis denn nun ausfallen werde, sagte ein Analyst.

Unterdessen verloren die im Dax gelisteten Titel von Metro 5,1 Prozent auf 26,70 Euro. Der Branchenindex für diesen Sektor im Dax fiel um 1,9 und der Subindex im Dow Jones EuroStoxx sogar um 4,5 Prozent.

T-Aktie profitiert erneut von anhaltenden Spekulationen

Zu den wenigen Gewinnern gehörten die Aktien der Deutschen Telekom, die sich um 4,1 Prozent auf 11,61 Euro verbesserten. Der Konzern hatte am Abend überraschend vorläufige Geschäftszahlen präsentiert. Danach stieg das operative Ergebnis (Ebitda) im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreshalbjahr. Genau Zahlen wurden aber nicht genannt. Zuvor hatte die T-Aktie Händlern zufolge bereits von den anhaltenden Spekulationen um eine bevorstehende Ablösung des Konzernchefs Ron Sommer profitiert.

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