Starke Kursschwankungen
Experten empfehlen Telekomanleihen

Dass der Schuldenabbau von Deutscher Telekom und France Télécom nicht wie geplant vorankommt, belastet deren Bonds und drückt auf die allgemeine Stimmung für Telekomanleihen. Analysten sehen die teils auf fast sieben Prozent gestiegenen Renditen aber als Chance zum Einstieg. Denn generell halten sie Telekombonds weiter für gut.

FRANKFURT. Das Jahr hat für Telekomanleihen - anders als Analysten erwartet hatten - gar nicht gut angefangen. Der am deutschen Kartellamt gescheiterte Kabelnetzverkauf der Deutschen Telekom an Liberty Media und der laut Telekom-Chef Ron Sommer in diesem Jahr nicht mehr sichere Börsengang von T-Mobile haben Investoren verunsichert. Auch der Streit zwischen France Télécom und Mobilcom, darüber, ob die Franzosen Mobilcom-Verbindlichkeiten von 4,7 Mrd. Euro übernehmen müssen, hat geschadet.

Die Risikoaufschläge (Spreads) von Telekomanleihen liegen nach Berechnungen des Goldman Sachs Credit Index Teams derzeit im Schnitt um 1,7 Prozentpunkte über Bundesanleihen. Vor einem Monat lagen sie bei 1,5 Prozentpunkten. Ein Großteil der Spreadausweitungen geht dabei aber auf Bonds von France Télécom und Deutscher Telekom zurück. Deren Renditen sind dementsprechend deutlich gestiegen. So ist die Rendite der im Juli 2006 fälligen Anleihe der Deutschen Telekom mit einem Zinsschein von 5,875 Prozent auf etwa 6,1 Prozent geklettert. Ein bis November 2005 laufender Bond von France Télécom mit einem Kupon von 6,125 Prozent rentiert derzeit sogar mit rund 6,7 Prozent. Vor einer Woche lagen die Renditen noch höher.

"Die Stimmung für Telekombonds hat sich nicht verbessert, aber generell sind die Aussichten für das Segment weiter positiv", sagt Brad Bugg, Telekomanalyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein. Die Voraussetzungen für die Branche seien nach wie vor gut. So erwartet Bugg, dass Telekomkonzerne in diesem Jahr in Euro Bonds über nur 25 Mill. bis 30 Mill. Euro begeben werden - das wären 45 Prozent weniger als im Rekordjahr 2001. "Wer Telekombonds haben will, muss sie folglich im Handel kaufen", erklärt Bugg. Dabei ist Markt für Anleihen in Euro verglichen mit dem in Dollar noch klein. Außerdem seien Risiken wie schuldenträchtige Übernahmen bei den Telekomkonzernen kein Thema. "Wer an den Erfolg von Telekombonds glaubt, für den könnte jetzt der richtige Zeitpunkt zum Einstieg sein", sagt Bugg. Am Jahresende sollten Telekombonds zu den Gewinnern bei den Unternehmensanleihen gehören.

Vertrauensverlust wäre falsch

Auch Felix Kaiser, Telekomanalyst bei Goldman Sachs, glaubt, dass es falsch sei, jetzt das Vertrauen in die ganze Branche oder gar Unternehmensanleihen allgemein zu verlieren. Kaiser hält wie Bugg für Telekomanleihen weiter an der generellen Einstufung "leicht übergewichten" fest. Der Zwang zur Schuldenreduzierung stehe nur bei Deutscher Telekom und France Télécom im Vordergrund. Erhöhten Beobachtungsbedarf mit Blick auf die Kreditqualität haben seiner Meinung nach weiterhin auch die niederländische KPN und die von British Telecom abgespaltene Mobilfunkgesellschaft MM02. Besonders positiv bewertet Kaiser die Strategie und Geschäftsaussichten der spanischen Telefónica, von Telecom Italia/Olivetti und Vodafone.

Banken wie BNP Paribas und JP Morgan haben zwar ihre Einstufung für Telekombonds kurzfristig auf neutral gesenkt, sind aber zumindest mittelfristig weiter optimistisch. Dabei geht Rick Deutsch, Telekomanalyst bei BNP Paribas, davon aus, dass es im Sommer zu einer Rally bei den Papieren kommen wird. Bis dahin werde der Markt aber sehr volatil bleiben. "Meine persönliche Meinung über Telekombonds hat sich nicht geändert, aber der Markt ist sehr nervös", sagt er.

Dabei erwartet Deutsch auf Sechsmonatssicht auch deutliche Gewinne bei France Télécom, unter anderem deshalb weil eine Ratingherabstufung um mehr als eine Stufe unwahrscheinlich sei. Immerhin hält Frankreich rund 54 Prozent an dem Telekomkonzern. Derzeit wird die Kreditwürdigkeit von France Télécom von Standard & Poor?s (S&P) und Moody?s mit BBB+ bzw. Baa1 und damit drei Stufen über der Spekulationsklasse bewertet. Deutsch setzt vor allem auf die für ihn noch unterbewerteten Bonds mit Step-up-Kupon. Bei ihnen steigen die Zinsscheine automatisch um 0,25 Prozentpunkte, wenn S&P oder Moody?s ihr Bonitätsurteil senken. Zunächst sollten Investoren aber gute Nerven haben, denn die Volatilität gerade der France-Télécom-Bonds werde hoch bleiben, meint Deutsch. Die Aussichten für eine Outperformance der Bonds der Deutschen Telekom seien etwas geringer, weil sie nicht so deutlich gelitten hätten wie die Anleihen von France Télécom.

Auch Kaiser hält France Télécom "auf dem jetzigen Niveau für nicht uninteressant", rechnet aber ebenfalls mit starken Kursschwankungen. Den richtigen Zeitpunkt zum Einstieg zu finden sei schwer. Potenzial sieht Kaiser bei der Deutschen Telekom, bei der die meisten Analysten ebenfalls eine Ratingherabstufung um nur eine Stufe von derzeit A- bzw. A3 erwarten. Laut Kaisers Bewertung sollten die Risikoaufschläge der Anleihen der Deutschen Telekom nicht wesentlich über denen der Bonds von British Telecom liegen. British Telecom wird zumindest von Moody?s derzeit mit Baa1 um eine Ratingstufe schlechter als die Deutsche Telekom eingestuft. Derzeit liegt der Spread für Anleihen der Deutschen Telekom mit Laufzeiten von drei und vier Jahren laut Goldman Sachs aber um fast 0,5 Prozentpunkte über dem vergleichbarer Anleihen von British Telecom.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%