Starke Lira bremst Exporte
Türkei erwartet höheres Leistungsbilanzdefizit

Die türkische Regierung rechnet für das laufende Jahr mit einem erheblich größeren Fehlbetrag in der Leistungsbilanz. Statt ursprünglich veranschlagter 3,5 Milliarden Dollar erwarte man nun zum Jahresende ein Defizit von 6,1 Milliarden Dollar, sagte Wirtschaftsminister Ali Babacan am Montag in Ankara.

ghö ISTANBUL. Bereits im 1. Quartal ergab sich in der Leistungsbilanz ein Minus von 2,368 Mrd. $, gegenüber 479 Mill. $ im gleichen Vorjahreszeitraum.

Der höhere Fehlbetrag ist vor allem eine Folge der starken Lira. Am vergangenen Freitag notierte die türkische Währung, die während der schweren Finanzkrise vom Februar 2001 zeitweilig mehr als 50 % ihres Außenwertes verloren hatte, auf einem neuen Jahreshoch gegenüber Dollar und Euro. Im Verhältnis zum US-Dollar hat die Lira allein seit Ende März um 16,5 % zugelegt, gegenüber dem Euro 7,2 %.

Die Lira-Aufwertung lässt die Importe anschwellen und mindert die Absatzchancen der türkischen Exporteure. Das Handelsbilanzdefizit erhöhte sich dadurch im ersten Quartal 2003 gegenüber dem Vorjahr um 237 % auf 2,699 Mrd. $.

Regierungspolitiker in Ankara rufen angesichts dieser Entwicklung seit Wochen nach einer Zinssenkung. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan appellierte am Wochenende erneut an die Zentralbank, mit einer Zinssenkung den Höhenflug der Lira zu bremsen. In einer Rede vor Mitgliedern des türkischen Unterneh-merverbandes warf er der Zentralbank vor, sie behindere mit ihrer Zinspolitik das Wirtschaftswachstum. Notenbankchef Süreyya Serdengecti widersetzte sich bisher dem politischen Druck. Analysten erwarten eine Zinsentscheidung der Notenbank möglicherweise nach der Veröffentlichung der Inflationsdaten für den Monat Mai am Dienstag.

Wie sich die türkische Leistungsbilanz im weiteren Jahresverlauf entwickelt, dürfte neben dem Lira-Kurs nicht zuletzt von der Tourismus-Konjunktur abhängen. Ursprünglich rechnete die Branche für dieses Jahr mit Deviseneinnahmen aus dem Fremdenverkehr in Höhe von rund 13 Mrd. $. Dann ließ der Irak-Krieg die Buchungen im Frühjahr stark einbrechen. Anfängliche Befürch-tungen, dadurch könnten sich die Einnahmen halbieren, scheinen sich jedoch nicht zu bestätigen. "Diese Sorge war übertrieben", sagt Tavit Köletavitoglu, der Vorsitzende des Verbandes der türkischen Tourismus-Unternehmer, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Er rechnet für dieses Jahr mit Deviseneinnahmen von 10 Mrd. $.

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