Starke Renditeschwankungen können die Wertentwicklung von Renten- und Mischfonds zerstören
Rentenfonds achten stärker auf kurzfristige Risiken

Es ist immer noch viel Geld da, das angelegt sein will. Weil aber viele Anleger an Kursgewinne bei Aktien nicht mehr glauben, kaufen sie verstärkt Renten. Aber nach den Berichten über Kursverluste, Zahlungsausfälle und "gefallene Engel" fordern sie von den Fondsgesellschaften auch bei den Rentenportfolios die Kontrolle kurzfristiger Risiken, ähnlich wie bei Aktien.

FRANKFURT/M. Die meisten Fondsanbieter orientieren sich dabei traditionell an der Bewertung der Anleihemärkte. Da die Kursschwankungen dort immer größer werden, setzen viele von ihnen neuerdings immer stärker auf die technische Analyse von kurzfristigen Risiken.

"Die Kursvolatilität von Staatsanleihen ist nur ein Fünftel so groß wie die von Aktien. Dennoch kann das Renditeänderungsrisiko merkliche Spuren in den Portfolios hinterlassen", sagt Ulrich Leuchtmann, Fondsmanager bei Invesco. Wie turbulent die Zeiten an den Rentenmärkten sind, zeigt sich besonders bei Unternehmensanleihen. Deren Risikobewertung orientiert sich momentan stark an den Aktienkursen. So kletterte Anfang Oktober bei der im Februar 2005 fälligen Anleihe des hoch verschuldeten US-Autokonzerns Ford der Renditeaufschlag ("Spread") gegenüber Bundesanleihen innerhalb weniger Stunden um 110 auf 500 Basispunkte. Im Schnitt trieb das die "Spreads" von Auto-Anleihen um 70 Basispunkte nach oben, denn bei den Investoren ging die Angst vor Bond-Ausfällen um.

"Dennoch wählen viele Anleger in ihren gemischten Portfolios einen höheren Anteil an Renten als früher, da sie nicht auf Aktien setzen wollen. Deshalb wird Risikokontrolle bei Anleihen ein immer wichtigeres Thema", sagt Leuchtmann. "Früher beruhte unser Investmentansatz hauptsächlich auf der fundamentalen Analyse der Märkte. Nun versuchen wir außerdem, durch technische Analyse zusätzliche Informationen zu gewinnen, um schneller auf aktuelle Trends zu reagieren." Bei der Riskokontrolle identifizieren Leuchtmann und seine Kollegen zunächst technische Trends in den Märkten. "Da die Rentenmärkte vor allem durch makroökonomische Daten wie Wirtschaftswachstum und Inflation bestimmt werden, halten viele Trends recht lange an", sagt er. Wenn die Spezialisten eine bestimmte Renditebewegung herausgefiltert haben, vergleichen sie diese mit dem gleitenden Durchschnitten. "Manchmal neigt der Markt jedoch zu Übertreibungen. Die gleitenden Durchschnitte zeigen dies oft erst zu spät an", sagt der Fondsmanager. Diese Lücke soll die Berechnung einer fairen, fundamental angemessenen Rendite schließen. In diesem Modell werden zum Vergleich Trends mit fundamentaler Bewertung kombiniert.

Auch bei der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, Union Investment, rückt die Risikokontrolle bei Festverzinslichen immer mehr in den Vordergrund. "Von vielen Kunden bekommen wir nur Mandate, wenn wir das Risiko limitieren und eine Mindestrendite garantieren", sagt Michael Krautzberger von Union Investment. "Die Investoren übertragen ihre Erfahrungen mit Aktien immer stärker auf die Bondseite." Bei institutionellen Mandaten, die eine Mindestrendite garantieren, lande der Rentenfonds im Notfall ab einem gewissen Punkt im Geldmarkt, um die Ziele zu erreichen. Da sich Publikums-Rentenfonds an einem Vergleichsindex orientieren, bleiben sie stets in Anleihen investiert.

"Der Ansatz unseres Hauses ist fundamental geprägt", sagt Krautzberger. Er ist optimistisch, dass sein System bei einem Kursverfall automatisch reagieren würde. "Sobald bestimmte Levels gebrochen werden, nimmt das System das Risiko raus." Das heißt, die Papiere werden verkauft.

Die Fondsgesellschaft Deka Investment kombiniert hingegen wie Invesco technische und fundamentale Analyse. Laut Peter Flöck, Leiter der Abteilung Renten Euro bei Deka Investment, konzentriert sie sich auf den Zeitraum der kommenden drei Monate. "Wir sehen uns nicht als Daytrader und reagieren nicht auf eine Veränderung von zehn Basispunkte im Bund-Future." Allerdings sei es in turbulenten Zeiten an den Kapitalmärkten notwendig, auch kurzfristige Trends im Blick zu behalten. Momentan orientieren sich die Deka-Fondsmanager für Euro-Renten stark an ihrem jeweiligen Vergleichsindex: "Bei der hohen Volatilität ist nicht die Zeit für große Wetten gegen die Benchmark", sagt Flöck.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%