Starke Schwankungen innerhalb der einzelnen Zweige der Investitionsgüterbranche
Maschinenbau spürt Konjunkturschwäche

Die bisherige optimistische Wachstumsprognose für den deutschen Maschinenbau gilt nicht mehr. Statt 5 % wird die Produktion der klassischen Investitionsgüterbranche voraussichtlich nur um 3 % zulegen - damit aber immer noch stärker als in den meisten anderen Industriezweigen.

kv DÜSSELDORF. Die Maschinenbau-Konjunktur hat sich im zweiten Quartal deutlicher verschlechtert als erwartet. Die Auftragseingänge sanken nach Angaben des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) um 4 %, darunter im Inland um 6 % und im Ausland um 2 %. Besonders kräftig fielen die Bestellungen mit-9 % im Juni zurück, und zwar im Inland um 10 % und im Ausland um 9 %.

Das war der Auslöser für den VDMA, die seit langem geltende Wachstumsprognose zu korrigieren. VDMA-Präsident Eberhard Reuther, der sich bisher seinen Optimismus nicht ausreden ließ, muss einen Rückzieher machen: "Die jüngsten Auftragseingangszahlen haben eine Revision der Produktionsprognose von +5 auf +3 % erforderlich gemacht", sagte Reuther gestern in Frankfurt. Trotz "bester Positionierung" der deutschen Maschinenbauer habe sich die langsamere Gangart der Weltkonjunktur auf die Bestellungen ausgewirkt. Außerdem sei auch die von der Wirtschaft heftig kritisierte Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung nicht wirkungslos geblieben.

Wachstumstempo gedrosselt

In den ersten fünf Monaten sei die Produktion der Branche noch um 5 % gestiegen. Angesichts der sinkenden Aufträge werde das Wachstumstempo allerdings im Lauf der nächsten Monate gedrosselt. Ausgelastet seien die Maschinenbauer im Durchschnitt mit über 89 % "immer noch überoptimal". Es gebe nach wie vor Produktionsengpässe. Reuther rechnet nach eigenem Bekunden damit, dass die Kapazitäten im zweiten Halbjahr wieder "optimal" zwischen 86 und 88 % ausgelastet sein werden.

Naturgemäß findet sich in der Branche mit mehr als 30 einzelnen Industriezweigen von Armaturen über Lokomotiven bis zu Werkzeugmaschinen eine breite Spreizung in der konjunkturellen Entwicklung. In der von starken Zyklen geprägten Branche reichten bereits die bisher prognostizierten Spannen von etwa minus 10 bis plus 15 %.

Schlechte Baukonjunktur

Auf der Negativseite steht 2001 die Landtechnik. Nachdem sie in den 90er-Jahren im Trend fast kontinuierlich gewachsen ist, machen sich im laufenden Jahr die Auswirkungen von BSE und Maul- und Klauenseuche bemerkbar. In diesem Umfeld wird sich der europäische Marktführer von Mähdreschern, die westfälische Claas KGaA, nach eigenen Angaben mit einem voraussichtlich unveränderten Umsatz- und Ergebniszahlen recht gut schlagen.

Auch die Bau- und Baustoffmaschinen leiden nach wie vor unter der schlechten Baukonjunktur, nachdem sie sich im vergangenen Jahr von dieser Flaute erfolgreich abkoppeln konnten. Ein hoher Ersatzbedarf an Maschinen, die zu Zeiten der Wiedervereinigung angeschafft wurden, hatte im Jahr 2000 die Umsätze nach oben geschraubt. Dieser Zwischenboom ist nun vorbei. Durch die flaue Baukonjunktur ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen sehen sich die Aufzugsbauer.

Neue Aufträge aus Ostasien

Spitzenreiter beim Wachstum werden die Robotik und Automation sein. Textilmaschinen profitieren nach einer längeren Schwächeperiode von neuen Aufträge aus Ostasien. Die Hersteller von Druck- und Papiertechnik setzen für 2001 ebenfalls auf Expansion. So rechnet der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer mit einem Umsatzzuwachs von 15 %. Auch die Werkzeugmaschinenbauer erwarten noch ein deutliches Wachstum. Der Kölner Mittelständler Schütte ist bis Mitte 2002 ausgelastet. Auch die Gildemeister AG geht von einem deutlichen Zuwachs des Umsatzes und des Ergebnisses aus.

Bei den großen deutschen Börsengesellschaften hält man sich dagegen eher bedeckt. Sowohl ThyssenKrupp als auch Babcock Borsig verweisen darauf, dass im August ein Zwischenbericht veröffentlicht werde. Bei der MAN AG hatte der Vorstandsvorsitzende Rudolf Rupprecht kürzlich angekündigt, dass der Nutzfahrzeug- und Maschinenbauer mit einem deutlicheren Gewinnrückgang rechnen müsse als die ursprünglich erwarteten 10 %. Dazu trügen allerdings im Maschinenbau bei der Beteiligungsgesellschaft SMS AG (Hüttentechnik) auch einmalige Belastungen bei. Für den gesamten Maschinenbau-Zweig Hütten- und Walzwerktechnik erwartet der VDMA dagegen noch immer ein nicht unerhebliches Wachstum.

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