Starke Schwankungen und politischer Einfluss an Schwarzafrikas Aktienmärkten
Top-Rendite im Krisenland Simbabwe

Die höchsten Zuwächse aller Börsenplätzen weltweit erzielte seit Jahresbeginn - Harare. In der Hauptstadt Simbabwes profitierten die Kurse von der politisch dominierten Geldpolitik. Und das, obwohl Simbabwe wirtschaftlich am Boden liegt. Andere Börsen Schwarzafrikas unterliegen ähnlich wilden Schwankungen.

HB DÜSSELDORF. Trotz einiger Hoffnungsschimmer fassen internationale Anleger Aktien aus Schwarzafrika weiter nur mit spitzen Fingern an. Geplagt von hohen Schulden und politischer Instabilität haben zuletzt nur wenige Länder, darunter der Steppenstaat Botswana und die Inselrepublik Mauritius, nennenswerte Investitionen aus dem Ausland angezogen. Die große Ausnahme bildet Südafrika, das über 80 % des gesamten afrikanischen Börsenwertes bündelt.

In Kenia ist der Anteil ausländischer am Gesamtmarkt sogar auf knapp 5 % gefallen - und trotz einzelner Reformen bei Abwicklung und Handel gibt es kaum Anreize, die eine rasche Rückkehr erwarten lassen. Auch aus Simbabwe haben sich viele ausländische Anleger inzwischen verabschiedet. Zur Begründung verweisen sie auf die Unberechenbarkeit der Regierung, die tiefe politische und wirtschaftliche Krise des Landes, den akuten Devisenmangel sowie den unrealistischen Wechselkurs, der seit Monaten von der Regierung künstlich festgeschrieben wird und nun vor einer massiven Abwertung steht.

Boom an Simbabwes Börse

Dennoch boomt die Börse in Simbabwe wie nie zuvor. Doch liegt dies allein daran, dass die von der Regierung kontrollierte Zentralbank die Zinsen zuletzt drastisch gesenkt hat, um der quasi zahlungsunfähigen Regierung eine billigere Kapitalaufnahme zu ermöglichen. Seit November vergangenen Jahres sind die Geldmarktsätze für Schatzbriefe mit dreimonatiger Laufzeit von 60 % auf rund 12 % gefallen. Dies hat wiederum die von Devisenkontrollen gegängelten Lokalanleger bewogen, ihre Mittel vom Geld- in den Aktienmarkt umzuschichten.

Trotz schwacher Firmenergebnisse und des anhaltenden Wertverlustes der Lokalwährung sind die Industriewerte von Simbabwe seit Jahresbeginn um mehr als 120% gestiegen. Damit wurde ausgerechnet das direkt vor einem Wirtschaftskollaps stehende Land zum bislang weltweit erfolgreichsten Aktienmarkt dieses Jahres.

Lichtblick in Nigeria

Absolut betrachtet ist der Industrieindex in nur fünf Monaten um fast 25 000 Punkte gestiegen - weit mehr als in seiner gesamten 36-jährigen Geschichte. "Investoren flüchten von der Wall Street in den sicheren Hafen von Simbabwe", scherzt sarkastisch ein Analyst in Harare. Bei dem jüngsten Boom handelt es sich nach allgemeiner Einschätzung jedoch um eine totale Verzerrung der Realität. Wenn Investoren nicht aufpassen, dürften sie all ihre Papiergewinne verlieren, sobald die Spekulationsblase platzt.

Gleichwohl gibt es trotz der insgesamt trüben Wirtschaftslage auf dem Kontinent einzelne Lichtblicke. Niedrigere Inflationsraten und ein leicht steigendes Wirtschaftswachstum haben einigen unverzagten Investoren zum Teil hübsche Profite beschert: In Nigeria zum Beispiel ist der Gesamtindex vergangenen Monat erstmals durch die Schwelle von 10 000 Punkten gebrochen. Damit haben sich die Aktienpreise seit der Rückkehr des Landes zur Demokratie vor zwei Jahren mehr als verdoppelt. Neben der Demokratiedividende trieben die höheren Ölpreise und die Unterbewertung des Marktes die Kurse.

Große Hindernisse

Allerdings bleiben die schlechte Handelbarkeit vieler Aktien und die hohen Aus- und Einstiegskosten in Afrika ein großes Hindernis. Das Problem der Aktienwahl und Liquidität lässt sich über Fonds umgehen, wobei sich vorsichtige Investor auf breit diversifizierte Produkte beschränken sollten. Nur sehr risikobereite Anleger sollten Einzelländerfonds in Betracht ziehen.

Ein weiteres Problem bleibt der Informationsmangel. Hier plant die Universität Stellenbosch bei Kapstadt den Aufbau einer Datenbank über Börsen und Unternehmen in Afrika. Mit ihrer Hilfe sollen die Schlusspreise der Börsen künftig binnen eines Tages abrufbar sein. Inzwischen hat das Uni-Zentrum für Investmentanalyse damit begonnen, Unternehmensberichte aller an afrikanischen Börsen notierten 2 000 Unternehmen sowie Handelsstatistiken und andere Wirtschaftsdaten zu sammeln.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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