Starke Verluste nach den Terror-Anschlägen
Versicherer könnten mittelfristig von Anschlägen profitieren

In diesem Jahr dürften die Ergebnisse von den Schadenszahlungen gedrückt werden, sagte ein Versicherungsanalyst der Hamburgischen Landesbank.

dpa-afx FRANKFURT. Die starken Verluste von Versicherungstiteln nach den Terror-Anschlägen in den USA haben sich auch am Freitag fortgesetzt. Bis 14.20 Uhr gab die Münchener Rückversicherung um 3,83 Prozent auf 245,86 Euro nach. Allianz verloren 3,81 Prozent auf 226,05 Euro. Der Dax sackte gleichzeitig um 4,02 Prozent auf 4 215,77 Punkte in den Keller. Mittelfristig könnten die Versicherungsgesellschaften allerdings besser da stehen als vorher, meinen Experten.

In diesem Jahr dürften die Ergebnisse von den Schadenszahlungen aber gedrückt werden, sagte Stefan Goronczy, Versicherungsanalyst bei der Hamburgischen Landesbank. Die inzwischen veröffentlichte Schätzungen der Versicherer über die Schadensbelastung nach den Attentaten sei allerdings mit Vorsicht zu genießen, "solange die rechtliche Lage noch nicht geklärt ist".

Zum einen könnte die US-amerikanische Regierung nach Ausrufung des Notstands Kompensationszahlungen leisten, so dass die Versicherer nur in Vorleistung treten würden. Zum anderen könnten auch Flughafenbetreiber für einen Teil des Schadens aufkommen müssen, wenn sie wegen mangelnder Sicherheitsleistungen zu Regresszahlungen verurteilt würden.

Für "schwer einschätzbar" hält Goronczy die Auswirkungen der Kapitalmarktschwäche auf die Versicherer. Sie würden wohl weniger aus ihren Geldgeschäften erwirtschaften, was ihre Bilanzen zusätzlich belaste. Der Analyst sieht für kleinere Rückversicherer sogar die Gefahr, von einer größeren Gesellschaft geschluckt zu werden. Denn sie werden von den Abschlägen an den Kapitalmärkten getroffen, auch wenn sie selbst keine Zahlungen zu leisten haben.

Abschläge deutlich übertrieben

Die Abschläge der vergangenen Tage sind seiner Ansicht nach allerdings deutlich übertrieben. "Wir bewerten die Versicherer als 'market outperformer', und das wird auch so bleiben", sagt Goronczy. Über das Kursziel für die einzelnen Gesellschaften müsse aber nachgedacht werden, sobald jenseits der Schätzungen erste konkrete Zahlen für die zu leistenden Schadenszahlungen vorlägen.

Darin stimmt ihm ein Analysten-Kollege, der nicht genannt werden möchte, zu. Allerdings könnte seiner Ansicht nach vor allem die im MDax gelistete Hannover Rück im kommenden Jahr besser da stehen. Denn sie erlöse mehr als die Hälfte ihres Umsatzes in den USA, und dort würden die Prämien 2002 voraussichtlich besonders stark steigen.

Die Münchner Rück sei als Gegenbeispiel über ihren Erstversicherer Ergo stark auf dem deutschen Markt engagiert. Sie könne nicht im gleichen Maße von der Prämienerhöhung profitieren, die Abschläge auf den Kapitalmärkten belasteten ihre Bilanz aber kräftig, sagte der Analyst. Auch er sehe Insolvenz-Gefahren bei einigen kleineren Gesellschaften - allerdings keine europäischen. Diese hätten alle "exzellente Ratings", sagte der Experte.

Den Versicherungssektor belässt der Analyst in seiner Einschätzung bei Übergewichten. Als Grund führt er an, dass die Abschläge nach den Attentaten eine Übertreibung nach unten gewesen seien, und die Titel seien nun billig. Außerdem würden viele die für die Branche positiven Auswirkungen der erhöhten Rückversicherungsprämien ab 2002 nicht berücksichtigen. Schließlich seien Versicherer "ein defensiver Wert, und die sind bei schlechten Konjunkturaussichten gefragt", sagte er.

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