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Starke Zahlen und eine optimistische Fed-Studie stärken die Wall Street

Nach dramatischen Kursverlusten zur Wochenmitte machen die US-Märkte am Donnerstag Boden gut. Der Dow Jones schloss mit einem Plus von 137 Punkten oder 1,4 Prozent auf 9850 Punkten. Die technologie-orientierte Nasdaq verbessert sich um 41 Punkte oder 2,1 Prozent auf 1986 Punkte.

Gute Nachrichten von Unternehmensseite, positive Analystenkommentare und eine optimistische Studie der Philadelphia Fed gaben den US-Märkten Kraft. Letztere sagt, der Index der aktuellen gesamtwirtschaftlichen Aktivität habe sich von minus 12,6 auf plus 14,7 dramatisch verbessert. Damit ist der Index zum ersten Mal in 12 Monaten gestiegen. Ein Drittel der befragten Unternehmen melden Wachstum, die Zahl der Bestellungen und der Auslieferungen ist gestiegen und auch die geplanten Investitionen der Unternehmen sind erstmals seit 16 Monaten wieder höher.

Allein der Arbeitsmarkt wird wohl weiter schwach bleiben. Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung sind am Mittag erneut niedriger und damit besser ausgefallen als erwartet, und auch laut Phili-Studie planen nur noch 13,3 Prozent der Unternehmen weitere Entlassungen in 2002. 14,5 Prozent planen hingegen Einstellungen in den nächsten drei Monaten. Viel wichtiger ist noch die langfristige Planung der Arbeitgeber: 35 Prozent der Unternehmen rechnen damit, im zweiten oder dritten Quartal Leute einzustellen.

Des weiteren sorgten tagsüber positive Quartalszahlen für Kaufstimmung. Die Aktie der Citigroup stützte den Handel. Die größte US-Bank weist für die letzten drei Monate trotz der katastrophalen Enron-Pleite und der Wirtschaftskrise in Argentinien einen Gewinn von 74 Cent aus, einen Cent mehr als die Wall Street erwartet hatte. Um 20 Prozent sei allein das Geschäft mit Privatkunden gestiegen, gibt das Haus bekannt. Die Aktie legt 1,2 Prozent zu. Auch JP Morgan gewinnt am Donnerstag 2,1 Prozent und macht einen Teil der Verluste vom Vortag wieder wett.

Mit General Electric und United Technologies hatten am Morgen auch zwei der größten Industrie-Multis gemeldet. General Electric steht im ersten Quartal ohne CEO Jack Welch bei einem Gewinn von 3,9 Milliarden Dollar ein Anteilsplus von 39 Cent zu Buche, was punktgenau den Erwartungen der Analysten entspricht. General Electric verbesserte sich um 2,8 Prozent.

United Technologies konnte die Erwartungen sogar übertreffen. Das Unternehmen spricht von einem Gewinn von 69 Cent pro Aktie im abgelaufenen Viertel, zwei Cent über der Konsensschätzung. "Nach den Verlusten im Zusammenhang mit dem 11. September, hat United Technologies die Wende geschafft und ein stabiles Quartal hinter sich", urteilt CEO George Davis, der auch die Gewinnschätzungen für das Jahr 2002 von 4,32 Dollar pro Papier bestätigte. Die Aktie gewann 7,3 Prozent.

Erwartungsgemäß schwach fiel das Ergebnis bei Ford aus. Das Unternehmen musste im vierten Quartal einen Verlust von 5,07 Milliarden Dollar oder 2,81 Dollar pro Aktie einstecken. Einmalige Ausgaben herausgerechnet - etwa die 4,1 Milliarden Dollar, die Ford für Restrukturierung und die Entlassung von 35.000 Mitarbeitern zahlt - kommt das Unternehmen immer noch auf ein Anteilsminus von 48 Cent. Das "katastrophale Ergebnis", so ein Kommentar auf dem Parkett, ist jedoch keine Überraschung, weshalb Ford mit einem Minus von zwei Prozent davon kam.

Auch Tech-Aktien machten am Donnerstag von sich reden: Der Computerbauer Compaq weist ein "sehr starkes Quartal" und einen Gewinn von sechs Cent pro Aktie aus, während Analysten ein Anteilsplus von nur einem Penny prognostiziert hatten. Dank starker Nachfrage gibt man sich für 2002 weiter optimistisch. Compaq setzt die Ertragserwartung für das volle Jahr von 20 auf 25 bis 26 Cent pro Aktie herauf. Die Credit Suisse First Boston hält die Compaq-Aktie für die "single best idea" im Computersektor und rät zu "kaufen", Anleger zogen mit und Compaq kletterte um sechs Prozent.

Während die CSFB den Computerriesen Apple nur noch auf "halten" setzen, gab es von Salomon Smith Barney ("kaufen") und AG Edwards ("aggressiv kaufen") jeweils Upgrades. Der Computerhersteller hat im abgelaufenen Quartal einen Gewinn von 38 Millionen Dollar erwirtschaftet. Im Vergleichszeitraum vor einem Jahr häufte Apple noch Verluste auf. Die Aktie legt mehr als acht Prozent zu, der Hardware-Sektor steht mit fast vier Prozent im Plus.

Dem Internetsektor half das Portal Yahoo . Das Unternehmen hat die Schätzungen übertroffen und einen Ertrag von 17 Millionen Dollar oder drei Cents je Aktie eingefahren. Zwar ergibt sich mit Sonderbelastungen wie Akquisitionskosten der fünfte Quartalsverlust in Folge. Doch blickt man optimistisch nach vorne. Yahoo hebt die Umsatzschätzungen für 2002 an und geht auch von Gewinnen aus, die über den Prognosen liegen. CEO Semel spricht von einem "sich stabilisierenden Werbeumfeld" und ist damit auch anderen Internet-Service-Providern eine Stütze. Yahoo verbessert sich um zwölf Prozent, Ebay gewinnt 2,6 Prozent, Buchhändler Amazon steht mit sechs Prozent im Plus. Sogar die Online-Reiseveranstalter nehmen Gewinne mit: Travelocity legt 3,4 Prozent zu, obwohl man am Vorabend einen Quartalsverlust von 50 Cents bekannt gegeben hatte. Konkurrent Priceline legte 0,7 Prozent zu.

Optimistisch gaben sich Analysten und Händler in bezug auf Microsoft . Der Softwareriese kletterte vor der Quartalskonferenz um 2,9 Prozent. Später gab das Unternehmen einen Anteilsgewinn von 41 Cent bekannt. Sonderbelastungen in Höhe von acht Cent pro Aktie für Gerichtskosten herausgerechnet, würde sich der Gewinn pro Papier auf 49 Cent belaufen, sechs Cent mehr als Analysten erwartet hatten. Positiv sei das Geschäft mit der X-Box verlaufen: Wenige Monate nach dem Launching habe man 1,5 Millionen Exemplare verkauft, so Microsoft. Das liegt auf Höhe der optimistischsten Schätzungen.

Auch IBM schlug am Abend die Analystenerwartungen um einen Penny. Ein Quartalsplus von 1,33 Dollar pro Aktie steht zu Buche, allerdings sagt CEO Louis Gerstner, das Umfeld bleibe auch in den nächsten Quartalen schwierig. Am Donnerstagmittag hatten die Analysten von Lehman Brothers der IBM-Aktie noch ein Upgrade auf "kaufen" gegeben und ein Kursziel von 140 Dollar genannt. IBM beendete den regulären Handel mit einem Plus von 2,4 Prozent auf 120 Dollar.

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