Starker Anstieg der Patentanmeldungen
Deutsche Biotech-Firmen auf dem Sprung in die Spitze

Die deutschen Biotechnologie-Unternehmen sehen sich nach einer gewaltigen Aufholjagd in den vergangenen Jahren auf dem Sprung in die internationale Spitze.

ddp FRANKFURT. Nach schlechtem Start und trotz weiterhin bestehender Wettbewerbsnachteile hätten die Firmen mittlerweile Anschluss gefunden, berichtete der Vorsitzende der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB), Dieter Wißler, am Donnerstag in Frankfurt am Main. "Deutschland kommt dem Ziel, der führende Standort für Biotechnologie in Europa zu werden, immer näher", betonte er. Zugleich warnte er die Politik davor, den Aufholprozess durch falsche Weichenstellungen zu bremsen.

Erfreuliche Entwicklung bei kleinen Biotech-Unternehmen

Als "besonders erfreulich" bezeichnete Wißler die Entwicklung der kleinen Biotech-Unternehmen mit unter 500 Mitarbeitern. Diese hätten in den vergangenen beiden Jahren ihre Umsätze jeweils um rund 30 % und die Zahl der Beschäftigten um 40 % gesteigert. 1999 erhöhte sich nach DIB-Angaben die Zahl der mittelständischen Firmen in der Branche um gut ein Viertel auf fast 280. Sie beschäftigten zum Jahresende mehr als 8 000 Mitarbeiter. Zugleich gaben sie rund 640 Mill. Mark für Forschung aus und durchbrachen beim Gesamtumsatz die Mrd.-Grenze.

Zahl der Patentanmeldungen im Biotech-Bereich gestiegen

Als Beleg für die gestärkte Stellung der deutschen Biotechnologie verwies Wißler auf die Zahl der Patentanmeldungen für Medikamente, bei denen biotechnologische Verfahren eine wesentliche Rolle spielen. So wurden im vergangenen Jahr hierzulande 176 Patente registriert, 36 % mehr als 1998. Mit diesem Wert liege Deutschland in Europa an der Spitze. Weltweit dominierten allerdings klar die USA mit 660 Patentanmeldungen.

Nachholbedarf gegenüber den USA besteht weiterhin

Der DIB-Chef mahnte daher, die positiven Trends sollten "nicht den Blick darauf verstellen, dass Deutschland in der Biotechnologie immer noch einen erheblichen Nachholbedarf gegenüber den USA hat". Seiner Auffassung nach müssen weiterhin schwerwiegende Wettbewerbsnachteile aus dem Weg geräumt werden. Wißler forderte insbesondere bessere steuerliche Rahmenbedingungen für die Entlohnung von Führungspersonal mit Aktienoptionen. Dies mache der harte Wettbewerb um Spitzenkräfte erforderlich.



Auch in Landwirtschaft besteht Nachholbedarf

Deutlich nachziehen müsse Deutschland auch bei der Anwendung von Biotechnologie in der Landwirtschaft, verlangte Wißler. Hier laufe sogar ganz Europa Gefahr, den Anschluss an die internationale Entwicklung zu verlieren. Der kommerzielle Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen finde fast ausschließlich in Amerika und Asien statt. In Europa dagegen werde dies bis auf wenige Ausnahmen nur zu Versuchszwecken praktiziert. Der DIB hofft nun auf ein geplantes dreijähriges Forschungsprogramm gemeinsam mit der Bundesregierung. Entsprechende Verhandlungen sollen im kommenden Monat beginnen. "Wir sehen hierin eine Chance, Information und Transparenz zu verbessern und so Vertrauen in der Bevölkerung zurück zu gewinnen", versicherte Wißler.

Strukturprobleme der Finanzierung gelöst

Nach seinen Worten wurde demgegenüber binnen weniger Jahre das gravierende Strukturproblem der Finanzierung neu gegründeter Hightech-Gesellschaften praktisch gelöst. So gehöre der Mangel an Risikokapital hierzulande mittlerweile der Vergangenheit an. Wißler verwies in diesem Zusammenhang auch auf die steigende Bereitschaft von Biotech-Firmen, sich auf dem Kapitalmarkt mit frischen Mitteln zu versorgen. So seien 1999 sechs Unternehmen aus der Branche an die Börse gegangen. Im laufenden Jahr würden es voraussichtlich doppelt so viele sein. Für den Behauptungswillen der Mittelständler spreche Wißler zufolge auch, dass diese vermehrt selbst Produkte entwickelten. Früher habe der Schwerpunkt eindeutig auf der Verfahrensentwicklung und Auftragsforschung für große Pharmakonzerne gelegen.

Die DIB ist eine Fachvereinigung des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) und repräsentiert eigenen Angaben zufolge 150 Biotech-Firmen.

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