Starker Anstieg der Swissair-Aktie unerklärbar
Erste Swissair-Maschinen wieder in der Luft

Nach einer zweitägigen Unterbrechung hat die angeschlagene Schweizer Fluggesellschaft Swissair dank einer Finanzspritze des Staates am Donnerstag wieder einen reduzierten Flugbetrieb aufgenommen.

Reuters ZÜRICH. Nach Angaben der Swissair startete die erste Maschine mit etwa 130 Passagieren am Vormittag nach Moskau und der erste Langstreckenflug mit gut 200 Passagieren an Bord verliess Zürich in Richtung Johannesburg. Weiter Ziele sind Los Angeles und Skopje. Die Swissair hatte am Dienstag wegen Geldmangel den Betrieb einstellen müssen. Der Flugbetrieb wurden wieder möglich, nachdem die Schweizer Regierung am Mittwochabend eine Finanzhilfe von 450 Mill. sfr zu Verfügung gestellt hatte.

Swisswair will nach eigenen Angaben selbst etwa 50 Flüge durchführen; 110 weitere werde die Regionalfluggesellschaft Crossair aus dem Swissair-Netz übernommen. Es würde damit etwa ein Drittel des Netzes wieder bedient, erklärte ein Swissair-Sprecher. Ob und in welchem Tempo die Zahl der Flüge in den kommenden Tagen erhöht werde, konnte der Swissair-Sprecher nicht sagen. Dies werde von Tag zu Tag entschieden.

Flüge der Crossair gut gebucht

Bei der Crossair hiess es, es werde normal geflogen. Die Flüge seien gut gebucht. Für bestimmte europäische Strecken halte die Crossair inzwischen die Verkehrsrechte.

Die Swissair-Aktie, die am Vortag zunächst in die Nähe von einem sfr eingebrochen war und sich dann wieder auf 6,50 sfr erholt hatte, stieg am Donnerstagmorgen zeitweise um 38 % bis auf neun sfr und notierte gegen 11.30 Uhr mit 8,22 sfr um gut ein Viertel fester.

Von den Passagieren, die wegen der Flugunterbrechungen die Reise nicht fortsetzen konnten, übernachteten 45 in den Notunterkünften. 50 andere hatten vom Angebot Zürcher Hotels Gebrauch gemacht, die gestrandeten Reisenden kostenlos eine Übernachtung angeboten hatten.

Crossair übernimmt zwei Drittel des Flugbetriebes der Swissair

Mit dem Geld des Bundes soll die Gesellschaft den Flugbetrieb bis zum Beginn des Winterflugplanes am 28. Oktober aufrecht erhalten können. Danach ist geplant, dass zwei Drittel des Flugbetriebes von der früheren Swissair-Tochter Crossair übernommen wird. Zu diesem Zweck übernahmen die beiden Schweizer Grossbanken für 260 Mill. sfr oder 280 sfr je Aktie von der Swissair die Mehrheit an Crossair. Die Swissair-Gruppe, die Gläubigerschutz (Nachlassstundung) beantragen wird, soll dann zerschlagen werden.

Flüge nach Brüssel wird die Swissair weiterhin nicht durchführen. Der Grund liege in der "Situation zwischen den beiden Firmen," sagte der Sprecher mit Blick auf die belgische Fluggesellschaft und Swissair-Tochter Sabena. Offenbar befürchtet die Swissair, erzürnte Sabena-Angestellte könnten wie schon einmal Swissair-Maschinen besetzen. Swissair konnte den Zahlungsverpflichtungen gegenüber Sabena nicht mehr nachkommen.

Die Aktien von Crossair notierten 28 % fester bei 435 sfr. Damit hat sich für die Grossbanken das Engagement in Crossair bereits gelohnt. Die Aktien des Flughafenbetreibers Unique stiegen um elf Prozent auf 100 sfr.

Der - wenn auch auf niedrigem Niveau - starke Anstieg der Swissair-Aktie war für Börsenhändler nicht nachvollziehbar. Die Swissair-Holding werde am Ende als leere Hülle mit nichts als Schulden da stehen, sagte ein Händler. Denkbar sei nur, dass risikobereite Anleger darauf spekulierten, dass ein weiterer, neuer Interessent für das Swissair-Fluggeschäft auftrete. Es sei aber schwer vorstellbar, wie ein Interessent eine Finanzierung ohne die Mitarbeit der Grossbanken zusammenstellen könnte, hiesse es weiter.

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