Starker Automobilsektor bremst Rückgang der Industrieproduktion
Neue Hoffnungsschimmer für US-Konjunktur

Die Vereinigten Staaten erleben offenbar eine weniger harte Landung als befürchtet: Neue Daten zur Industrieproduktion und zum Abbau der Lagerbestände nähren Hoffnungen, dass das Tal der Rezession bald durchschritten sein könnte. Die Zinssenkungen beginnen zu wirken, wie eine steigende Kernrate der Verbraucherpreise belegt.

HB WASHINGTON. Mit kerniger Stimme und in breitem Amerikanisch dröhnen seit drei Monaten die Autowerbespots aus den Radio- und Fernsehengeräten. Der Schlusssatz ist bei allen Botschaften der gleiche: null Prozent Zinsen.

Die Reklamestrategie der Automobilhersteller kommt bei den Verbrauchen an: Die Auto-Produktion stieg im November um 6,4 % gegenüber Oktober und erreichte damit das Niveau von Juli. Gleichzeitig gingen die Lagerbestände überraschend deutlich zurück. Hinzu kommt ein mit 0,4 % relativ deutlicher Anstieg der Kernrate des Verbraucherpreisindexes, der ebenfalls vermuten lässt, dass die kräftigen Zinssenkungen der US-Notenbank Fed beim Konsum zu wirken beginnen. Ökonomen zeigten sich jetzt insgesamt hoffnungsvoller.

Trotz des Booms der Automobilwirtschaft hat zwar die US-Industrie insgesamt im November 0,3 % weniger produziert als im Vormonat. Die Produktion sank damit den vierten Monat in Folge. Doch war sie im Oktober noch um 0,9 % zurückgegangen. Viele Analysten waren daher auch in ihren Prognosen für November noch von einem höheren Rückgang ausgegangen.

Die US-Notenbank Fed revidierte die Kapazitätsauslastungen der Vormonate nach oben, was die wirtschaftlichen Folgen der Anschläge vom 11. September relativiert. Im November ging die Kapazitätsauslastung allerdings gegenüber dem Vormonat erneut um 0,3 % zurück und lag bei 74,7 %, dem niedrigsten Niveau seit 1983.

Dennoch wurden die Zahlen insgesamt als hoffnungsvolles Signal gewertet: "Die Rezession ist vielleicht doch nicht so tief, wie wir bisher glaubten", sagte Chefökonom David Wyss von Standard & Poor?s. Und der Wirtschaftsexperte von der Northern Trust Bank, Robert Dederick, sprach von einem "

zaghaften Zeichen, dass die Rezession sich verlangsamt".

Beim Verbraucherpreisindex sorgten die Energiepreise für Verwirrung: Nur ein erneuter Rückgang der Energiepreise um 4,4 % gegenüber Oktober ließ die Gesamtrate auf Vormonatsniveau verharren. In der Kernrate ohne die volatilen Energie- und Nahrungsmittelpreise sorgten höhere Mieten, steigende Gesundheitskosten sowie höhere Preise für Autos und Tabakwaren zu einem Anstieg um 0,4 %. Analysten hatten für die Kernrate nur ein Plus von 0,2 % erwartet. Der Anstieg wird als Zeichen einer langsam anziehenden Konsumnachfrage gewertet.

"Wir haben in den USA einen Trend zu niedriger Inflation, so dass auch ein etwas höher als erwartet ausgefallener Preisindex keine große Sache ist", sagte Tony Dwyer von Kirlin Securities. Daher stehe der Preisindex einer weiteren Leitzinssenkung durch die US-Notenbank Fed nicht im Wege. Die Inflation zeigt sich am Jahresdurchschnitt des Verbraucherpreisindexes. Sein Anstieg liegt bisher mit 1,9 % weit unter dem Vorjahresniveau von 3,4 %.

Überraschend kräftig fielen die Lagerbestände im Oktober - der Rückgang von 1,4 % ist der größte seit 1992, als das Handelsministerium die Daten erstmals ermittelte. "Die Lager leeren sich, das ist eine gute Nachricht für die Produktion", urteilt Standard & Poor?s Ökonom Wyss. In den vergangenen Monaten hatten die Unternehmen die Produktion zurückgefahren und zugleich die Lager immer weiter aufgestockt. Es fehlte die Nachfrage. Analysten hatten daher im Vorfeld mit einem allenfalls halb so starken Rückgang gerechnet. Wie das Handelsministerium weiter mitteilte, stiegen im Oktober die Geschäftsumsätze um den Rekordwert von 2,7 %. Im September waren die Umsätze noch um revidiert 2,9 % zurückgegangen.

Robert Dederick von der Northern Trust Bank erwartet, dass "sich die Zinssenkungspolitik nun ihrem Ende nähert". Viele Ökonomen rechnen indes mit einer weiteren Zinssenkung der Notenbank Fed im Januar. Die Wirtschaft sei weiter schwach, begründete Gary Thayer, Chefvolkswirt von A.G. Edwards & Sons die Erwartung. Der nächste Zinsschritt könnte aber, da sind sich die Konjunkturexperten einig, der vorerst letzte sein. Die Fed hat die Leitzinsen in diesem Jahr bereits elf mal gesenkt. Mit 1,75 % liegt der Leitzins bereits auf einem 40-Jahres-Tief.

Die Ökonomen bleiben trotz der neuen Hoffnungszeichen noch vorsichtig. Die meisten US-Bürger messen derweil die Konjunktur an einem anderen "Index". Für sie geht es wieder aufwärts, wenn nicht nur neue Pick-Up-Trucks übers Land fahren, sondern auf den Ladeflächen auch wieder viele Einkaufstüten und Waren stehen.

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