Starker Euro im Interesse der Euro-Zone
Euro-Kurs gibt nach US-Handelsschluss wieder nach

Der Euro, der sich am Freitagabend zunächst erholt hatte, hat nach dem Handelsschluss in den USA wieder nachgegeben. Die Währung notierte bei 0,8656/63 Dollar.

Reuters FRANKFURT. Der Euro, der sich nach massiver verbaler Unterstützung von Europäischer Zentralbank (EZB) und Politik am Freitagabend leicht erholt hatte, hat nach dem Handelsschluss in den USA wieder nachgegeben. Gegen 23.35 Uhr MESZ notierte die europäische Gemeinschaftswährung bei 0,8656/63 $. Zuvor war er auf Kurse knapp unter der Marke von 87 Cent gestiegen. Die Euro-Finanzminister hatten bei ihrem Treffen in Versailles bei Paris eine gemeinsame Erklärung abgegeben, in der sie sich besorgt darüber zeigten, dass der Eurokurs nicht die starken Fundamentaldaten der Euro-Zone widerspiegele.

EZB-Vizepräsident Christian Noyer schloss auch Interventionen am Devisenmarkt nicht aus. EZB-Präsident Wim Duisenberg sagte in Calgary, ein anhaltend schwacher Euro sei ein Grund zur Sorge, da er Inflationsgefahren berge.

In der Erklärung der Euro-Gruppe hieß es, der Eurokurs reflektiere nicht die guten wirtschaftlichen Fundamentaldaten in der Euro-Zone. Die Euro-Gruppe stimme mit der EZB darin überein, dass man die Situation genau verfolgen müsse. Ein starker Euro liege im Interesse der Euro-Zone. EZB, EU-Kommission und Euro-Gruppe teilten die Auffassung, dass das Wachstum in der Euro-Zone sehr robust sei. Haushaltskonsolidierungen und Reformen seien auf den Weg gebracht worden. Die Euro-Minister unterstrichen ihre Entschlossenheit, diesen Prozess zu verstärken und weitere Strukturreformen voran zu treiben, um das Wachstumspotenzial zu erhöhen.

EZB-Vize Noyer sprach am Abend vor Journalisten davon, dass Interventionen am Devisenmarkt ein Mittel seien, dass der EZB jederzeit zur Verfügung stehe um den Eurokurs zu unterstützen. Ähnlich hatten sich bei ihrem Eintreffen in Versailles auch der österreichische Finanzminister Karl-Heinz Grasser und sein Luxemburger Amtskollege Jean-Claude Juncker geäußert. Sie betonten jedoch, das der Zeitpunkt für eine Intervention richtig gewählt werden sowie bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein müssten.

In Calgary äußerte sich EZB-Präsident Duisenberg ebenfalls besorgt über den Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung. Der Euro-Kurs sei ein Grund zur Sorge, da er Inflationsrisiken berge und das Vertrauen in die Devise untergraben werde, sagte er vor Wirtschaftsführern. Der sinkende Euro-Kurs sei durch die wirtschaftlichen Fundamentaldaten nicht gerechtfertigt sagte Duisenberg anschließend am Rande der Veranstaltung. Das Gerede, bei den Kursverlusten der europäischen Gemeinschaftswährung sei kein Ende in Sicht, bezeichnete er als "klaren Unsinn". Es gebe keinen Grund, sich über Berichte herumzustreiten, die besagen, dass der Euro 20 bis 25 % unterbewertet sei, sagte der EZB-Chef außerdem. Der Zeitpunkt, zu dem sich der Euro-Kurs den Fundamentaldaten wieder stärker anpassen werde, müsse und werde kommen, kündigte Duisenberg an. Wann dies der Fall sei, ob in "ein oder in zwei Jahren", wisse er allerdings nicht.

Nachdem sich der Euro im europäischen Handel nach unterstützenden Äußerungen des finnischen Direktoriumsmitgliedes der EZB Sirkka Hämäläinen in der Spitze bis auf 0,8745 $ erholt hatte, war der Kurs im frühen New Yorker handel wieder abgesackt. Händler hatten dies mit der Nervosität des Marktes vor dem Treffen der Finanzminister begründet. Den erneuten Sprung über die Marke von 0,87 $ schaffte der Euro am Freitagabend jedoch nicht. Gegen 21.40 Uhr MESZ notierte die Gemeinschaftswährung mit 0,8690/95 $.

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