Starkes Engagement der Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung
Wagniskapitalgeber lieben Eiskrem

Eiskrem und Wagniskapital - passt das zusammen? In Litauen schon! So jedenfalls dachten 1998 die Verantwortlichen der Scandinavian Baltic Development Ltd. (SBD), als sie ihr Engagement als Finanzinvestor auf dem litauischen Markt aufstockten um eine Beteiligung an dem Spezialisten für Speiseeis, Kauno Pieno Centras (KPC).

VILNIUS. Inzwischen scheint sich der Einsatz des Wagniskapitals auszuzahlen: Mittlerweile hält die in Kaunas ansässige KPC mit einem Anteil von 30 Prozent an sämtlichen Eisverkäufen im Land die litauische Marktführerschaft.

Doch nicht nur in Litauen stehen die die Eissorten der KPC-Marke Premia hoch oben in den Verkaufsstatistiken. Über KPC sind die Wagnis-Kapitalgeber auch in andere baltische Länder expandiert: Unter dem Dach der KPC-Holding stockte die SBD inzwischen ihr Eis-Portfolio um Beteiligungen in Estland (Tallinna Külmhoone) und Lettland (Livonia) auf. 2002 erzielte die unter dem Dach der KPC-Holding konsolidierte Unternehmensgruppe mit 12,9 Mill. Litern Eis und dem Vertrieb von 12 000 Tonnen sonstiger Tiefkühlprodukte einen Umsatz von 33 Mill. Euro.

Als eigentlicher Eis-König des Baltikums gilt jedoch die EBRD, die Mitte der 90-er Jahre dem schwedisch dominierten SBD-Management die Verantwortung über den Baltic Post-Privatization Fund übertragen hatte. Vom Projektvolumen des Fonds, der in Bezug auf Litauen von EBRD-Seite ursprünglich mit knapp 22 Mill. Euro Wagniskapital ausgestattet wurde, sind bis Ende 2002 gut 18 Mill. Euro in Unternehmen vor Ort geflossen. Neben der Eiskremsparte bilden aktuell noch der aufstrebende IT-Sektor sowie die Bekleidungsbranche Schwerpunkte des Engagements für Mittel aus diesem Fonds. Mit insgesamt 407 Mill. Euro, die sich Ende 2002 auf nahezu 50 Projekte verteilten, betätigt sich die EBRD aber auch in zahlreichen anderen Wirtschaftszweigen als Geldgeber und gilt gegenwärtig als einer der größten Investoren in Litauen.

Aber auch andere ausländische Kapitalanleger haben längst ihre anfängliche Scheu vor dem Wirtschaftsstandort Litauen abgelegt. Allein 2002 weiteten sie ihr Direktengagement vor Ort um knapp ein Viertel auf einen historischen Höchststand von 13,2 Mrd. Litas (3,8 Mrd. Euro) aus. Pro Kopf der Bevölkerung legte das Anlagevolumen des Auslands somit seit 1995 um das Zehnfache auf 3 808 Litas (1 103 Euro) zu. Dabei liegen bisher die größeren Direktengagements ausländischer Kapitalanleger in der Privatisierung litauischer Unternehmen.

Da sich zurzeit die Veräußerung von Staatsbeteiligungen langsam aber sicher dem Ende nähert, erwarten Beobachter vorübergehend ein Abflauen der ausländischen Zuflüsse. Genau hier aber sehen führende Manager der ein halbes Dutzend starken Armada der Vermittler von Wagniskapital (venture capital) zusätzliche Aufgaben auf sich zukommen. Denn vor dem Hintergrund der derzeit außerordentlich rasanten Entwicklung in nahezu allen Wirtschaftszweigen des Landes stoßen immer mehr litauische Firmen an die Grenzen der Finanzierbarkeit mit eigenen Mitteln. Häufig reichen überschaubare Summen aus, um dem Unternehmen die für Expansionsprojekte benötigte Liquidität zu sichern.

Und so bewegen sich die Beteiligungsangebote der in Litauen aktiven Wagniskapital-Gesellschaften meistens zwischen einer und neun Millionen Euro. Der finanzielle Spielraum liegt bei SBD zwischen 2,0 Mill. und 5,5 Mill. Euro je Engagement. Bei Baltcap Management Ltd., gilt eine Untergrenze von 300 000 Euro; nach oben kann das Anlagevermögen im Einzelfall bis zu 7,5 Mill. Euro erreichen.

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