Starkes Engagement von ausländischen Investoren
Defizite machen Tschechien zu schaffen

Die neue tschechische Regierung unter dem designierten sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Vladimir Spidla ist dringend auf Privatisierungserlöse angewiesen.

vwd FRANKFURT. Der künftige Finanzminister Bohuslav Sobotka wird eine Schieflage des Staatshaushaltes wohl nur durch Einnahmen aus der Privatisierung weiterer Staatsunternehmen abwenden können. Auf seiner Verkaufsliste stehen unter anderem noch die Telekomgesellschaft Cesky Telecom und der Versorger CEZ.

Sobotka braucht dieses Geld, denn im Regierungsprogramm ist eine Erhöhung der Staatsausgaben vorgesehen. So plant Prag Medienberichten zufolge für dieses Jahr ein Budgetdefizit von voraussichtlich 80 Mrd CZK. Für 2003 und 2004 sind Fehlbeträge von 150 Mrd CZK und 200 Mrd CZK veranschlagt. Erst in den nachfolgenden Jahren soll das Defizit auf Werte zwischen 4,9 und 5,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sinken. Das Haushaltsdefizit betrug nach Angaben der Dresdner Bank im vergangenen Jahr 7,8 BIP-Prozent, nach einem Budgetdefizit von 5,7 BIP-Prozent im Jahr 2000. In diesem Jahr sieht die Dresdner Bank das Defizit bei 6,5 Prozent des BIP.

Bislang zeigte sich die tschechische Wirtschaft relativ robust. Ungeachtet des weltweiten Konjunkturabschwungs wuchs sie im vergangenen Jahr um 3,3 (2000: 2,9) Prozent. Als Schmierstoff erwies sich der vom anhaltend starken Engagement ausländischer Investoren getragene Boom der Bruttoanlageinvestitionen. Unterstützung erhielt die Konjunktur aber auch durch eine expansive Fiskalpolitik der alten Regierung unter Ministerpräsident Milos Zeman. Erkauft wurde diese teilweise durch eine Ausweitung des Budgetdefizits. "Zweifelsohne, die Konsolidierung der Staatsfinanzen ist meiner Ansicht nach eine der wichtigsten Aufgaben der neuen Regierung", urteilt Axel Gerloff, Länderanalyst bei der Dresdner Bank.

Die tschechische Industrieproduktion nahm in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres um 5,2 Prozent gegenüber Vorjahr zu, wobei die Herstellung langlebiger Konsumgüter und die Fertigung von Investitionsgütern überdurchschnittlich expandierten. Die positive Investitionsdynamik scheint trotz außenwirtschaftlicher Abkühlung ungebrochen. Für das laufende Jahr erwarten Analysten ein BIP-Wachstum zwischen 2,7 Prozent und 3,3 Prozent.

Die Inflation in Tschechien ist seit Mitte 2001 rückläufig. Im Juni betrug die Teuerung nur noch 1,2 Prozent nach 2,5 Prozent im Mai. Die Krone, die durch den beständigen Zufluss an Fremdkapital in Form von Direktinvestitionen zuletzt stark aufwertete und sich in der vergangenen Woche zwischen 28,89 CZK/EUR und 28,49 CZK/EUR bewegte, dürfte sich nach Ansicht von Gerloff nach Abwicklung einiger größerer Privatisierungsprojekte in der zweiten Jahreshälfte gegenüber dem Euro leicht abschwächen (Jahresdurchschnittskurs 2001: 34,04 CZK/EUR; Schätzung Jahresdurchschnittskurs 2002: 31,50 CZK/EUR).

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