Starkes Konzernwachstum
Boehringer setzt auf Unabhängigkeit

Deutschlands größter Arzneimittelhersteller Boehringer Ingelheim wird nach den Worten von Firmenchef Rolf Krebs auch in Zukunft unabhängig bleiben. Seiner Einschätzung nach würde eine Fusion nur das starke Konzernwachstum bremsen. Vor allem von dem Start neuer Medikamente verspricht sich Krebs in Nordamerika eine Ausweitung der Marktstellung.

Reuters INGELHEIM AM RHEIN. In den nächsten fünf Jahren werde Boehringer Ingelheim jedes Jahr beim Umsatz zweistellig zulegen, unterstützt von kräftigem Wachstum auf dem US-Markt, sagte der 63-jährige Konzernlenker der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwochabend. Für das forschende Pharma-Unternehmen, dass Ende 2002 über Finanzmittel von etwa 2,6 Mrd. ? verfügte, sei ein Börsengang oder die Suche nach einem Anteilspartner nicht notwendig.

"Wir haben nach außen hin klar gemacht, dass wir unabhängig bleiben", betonte Krebs. Das Leitbild von Boehringer umreiße klar die Vorstellungen der Gesellschafter des 118 Jahre alten Familienunternehmens. "Es besagt, wir die Gesellschafter wollen bei einer unabhängigen Boehringer Ingelheim bleiben. Niemand kann dies anzweifeln," sagte Krebs.

Nach Einschätzung des obersten Managers bei Boehringer haben Fusion oder Übernahmen meist den Effekt, ein Unternehmen zu bremsen. "Die meisten Firmen, die Fusionen oder Akquisitionen getätigt haben, sind zwar größer aber weniger produktiv geworden," betonte Krebs. Boehringer habe dagegen das Potenzial, seine Produktivität selbstständig weiter zu steigern. Boehringer Ingelheim galt in jüngster Vergangenheit angesichts ihrer hohen Profitabilität häufig als Kandidat für etwaige Zusammenschlüsse.

"Bei einem unterstellten bereinigten Euro-Dollar-Wechselkurs sehen wir unseren Umsatz jedes Jahr in den nächsten fünf Jahren zweistellig wachsen", kündigte Krebs an. Boehringer Ingelheim, für das 1885 Albert Boehringer mit einer Chemiefabrik in Nieder-Ingelheim am Rhein den Grundstein legte, ist derzeit im Besitz von weniger als 20 Nachfahren der Gründerfamilie. Der Pharma-Konzern ist unter anderem in den Gebieten Atemwegsmedikamente, Urologie, Kardiologie, Aids und Zentrales Nervensystem tätig. Zu den bekanntesten Produkten gehört etwa das neue Atemwegsmedikament Spiriva gegen Raucherlunge (COPD), das gemeinsam mit dem US-Konzern Pfizer vermarktet wird oder das Aidsmedikament Viramune, das die Übertragung des Virus von der Mutter auf das Kind verhindern kann.

"In vier Jahren, das ist 2007, sollte Boehringer bei einem Umsatz von rund zehn Mrd. ? liegen", sagte Krebs. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Boehringer einen Umsatzplus von 13 % auf 7,6 Mrd. ? und einen zehnprozentigen Zuwachs beim Betriebsergebnis auf 1,1 Mrd. ?. Dabei bekräftigte der Konzernchef frühere Prognosen, die 2003 nur ein auf dem Niveau von 2001 (980 Mill. ?) liegendes Betriebsergebnis vorsehen. Dies liege unter anderem an hohen Investitionen für den Marktstart von Spiriva in weiteren Ländern, an der Vorbereitung zur Markteinführung weiterer Produkte und an der Schaffung neuer Arbeitsplätze vor allem in den USA, sagte der Manager.

Nach den Worten von Krebs investiert Boehringer derzeit stark in den wichtigen Markt Nordamerika, der 2002 rund 45 % zum Konzernumsatz beitrug. Bis 2005 solle der Anteil unter anderem durch Umsätze der Medikamente Spiriva und des Mittels gegen stressbedingte Inkontinenz und Depressionen Duloxetine bis auf mehr als die Hälfte zulegen. "Wir bereiten uns auf einige große Produktstarts vor. Wir möchten das gleiche Gewicht haben wie unsere Partner mit rund 3000 Außendienstlern in den USA bis 2004, verglichen mit 600 bis 700 noch vor zwei Jahren."

Boehringer investiert derzeit in den USA auch in Produktionsanlagen und verlagert seine Herzkreislaufforschung dorthin. "Wir bauen eine Anlage zur Produktion von Wirkstoffen, die Spiriva-Kapseln herstellt und auch das Herzkreislaufmittel Micardis", sagte er. Boehringer hatte angekündigt, bis 2011 in verschiedenen Phasen bis zu 250 Mill. ? in seinen Standort Petersburg in Virginia zu investieren.

2002 wurde Spiriva in 13 vor allem europäischen Ländern eingeführt. 2004 soll das Mittel, dem Blockbuster-Potenzial zugesprochen wird, dann voraussichtlich auf den US-Markt kommen. Nach früheren Schätzungen rechnet Boehringer nach bis zu vier Jahren nach dem US-Marktstart bei dem Medikament mit einem Spitzenumsatz von etwa zwei Mrd. Dollar.

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