Starkes Motto für einen amateurhaften Internetauftritt: „Wir beginnen, wo Medien aufhören“.
debka.com: Eine Web-Seite für Spione

Das israelische Online-Angebot Debka liegt im Trend: Mit exklusiven - und zuweilen falschen - Infos über den Terror gewinnt es mehr und mehr Nutzer.

Wollten Sie schon immer mehr wissen als die klassischen Medien? Schnuppern am Geheimnis der wahren Geschichten hinter den täglichen Schnipseln der Tagesschau? Eine Internet-Seite aus Israel macht?s möglich, oder behauptet das zumindest. Fakt ist: Das Web-Angebot mit Namen Debka hat sich in jüngster Zeit einen Ruf als Nachrichtenseite der besonderen Art verschafft. Regelrechte Berühmtheit erreichte die Seite nach den Angriffen vom September in New York und Washington. Wegen ihrer Berichte zu Terror, Geheimdiensten und Militär kürte sie das renommierte US-Magazin "Forbes" im Dezember zur "besten Seite des Internets". Aktuell heimste das Angebot eine Nominierung für einen der Web-Oscars "Webby" ein, die im Juni in den USA vergeben werden.

"Der größte Teil der Informationen geht auf anonyme Hinweise zurück", meint Chefredakteur Giora Shamis. Gemeinsam mit seiner Frau Diane Sahlem betreibt er die Seite. Ihr Anspruch: Nachrichten für Leute zu liefern, die mehr als die offiziellen Versionen über Dinge wissen wollen, die in Krisenregionen geschehen.

Wer nach der Seriösität fragt, erhält den Hinweis auf Erfolge der Vergangenheit. Shamis: "Wir haben schon lange vor dem 11. September vor der Gefahr durch Osama Bin Laden gewarnt." Auch exklusive Meldungen führt er ins Feld: So habe das Debka-Team weltweit als erstes berichtet, dass Bush und Putin gegen den Terror zusammenarbeiten wollen. Bin Ladens geheime Verstecke in den Bergen seien ebenso exklusiv beschrieben worden wie eine geheime Vereinbarung von Militärs aus Syrien und Irak über den Bau einer Ölpipeline. Debka habe auch die Story gebracht, dass Militärs Verstecke der Terroristen aufgespürt hatten - einige Tage, bevor US-Medien dies berichteten.

Der große Haken bleibt freilich, dass die Quellen in der Regel nicht genannt sind. Und selbst wenn, bleibt eine Verifizierung quasi ausgeschlossen. "Debka ist ein extremes Propagandainstrument", schimpfen denn auch Experten wie Georg Schöfbänker, Leiter der österreichischen Informationsstelle für Sicherheitspolitik. Nicht selten seien die Grundlagen der Analysen erfunden und viele Nachrichten reiner Unsinn. Etwa freut sich Shamis, dass die Nachricht, Moslems aus China würden Seite an Seite mit Bin Laden kämpfen und 15 seien im Oktober gestorben, zuerst bei Debka publiziert worden war. Das stimmt offenbar - aber Shamis sagt nicht, dass Debka auch berichtet hatte, staatsnahe chinesische Truppen würden mitkämpfen - "und das war mit Sicherheit nicht so", erläutert Schöfbänker. "Es widerspricht aller Realpolitik."

Bei Debka gehört demnach auch das Spekulieren zum Konzept. "Wir beginnen, wo Medien aufhören", steht als Motto auf der äußerlich eher amateurhaft gestalteten Seite. Offenbar gilt das nicht zuletzt für fragwürdige Quellen und fehlende Verifizierbarkeit, bei denen andere Medien die Informationen lieber im Papierkorb entsorgen.

4 Millionen Besucher pro Monat, aber in Deutschland noch unbekannt

Viele Surfer hindert der Gerüchtecharakter aber nicht, die Seite zu nutzen. "Gerade in Zeiten von Krieg und Unsicherheiten, wie wir sie heute haben, hilft Debka, Licht in manche Situationen zu bringen", lobt etwa David Evgey, Präsident von Adrenanail, einem US-Dienstleister für Firmenkommunikation. "Manche mysteriöse Entscheidung, die die Wirtschaft global beeinflussen könnte, wird durch Informationen von Debka einleuchtender."

In Deutschland ist die Seite derweil nahezu unbekannt. Die Besucher kommen zu 62 % aus den USA und zu 30 % aus Israel. Gerne betont Shamis jedoch, dass auch Angehörige von Botschaften in Europa sich über Debka informieren - Diplomaten bestätigen dies. Und sie sind nicht alleine: Debka kommt inzwischen nach eigenen Angaben auf 4 Millionen Besucher im Monat, ein Plus von 60 % binnen sechs Monaten.

Das freut Shamis als Journalisten und Geschäftsmann: Denn seine Erlöse basieren auf Abo-E-Mails mit seinen Berichten. Ein weiterer Teil der Einnahmen kommt aus Analysen und Prognosen für Banken und Versicherungskonzerne, Öl- und Sicherheitsfirmen. "Wir haben 16 Industrie- und Öl- Unternehmen als Kunden. Drei davon gehören zu den größten in den USA".

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