Starkes Wachstum im dritten Quartal
US-Biotechfirmen übertrumpfen Pharmakonzerne

Die US-Biotechindustrie floriert. Davon profitieren derzeit die Hersteller von Medikamenten, die Biotech-Zulieferer spüren dagegen die Folgen einer Wachstumsdelle. Für Furore sorgen Hersteller aus der zweiten Reihe. Dass die Ergebnisse nicht noch besser ausfallen, liegt vor allem an hohen Forschungausgaben.

HB FRANKFURT/M. Mit kräftigem Umsatzwachstum haben die US-Biotech-Unternehmen ihre gute Verfassung unterstrichen. Die führenden 20 Unternehmen der Branche steigerten ihre Erlöse in den ersten neun Monaten um durchschnittlich rund 18 % und um 14 % im dritten Quartal. Auch im Gesamtjahr dürfte die Branche stärker wachsen als die etablierten Pharmakonzerne.

Allerdings fällt die Entwicklung sehr unterschiedlich aus. Während Branchenführer Amgen zuletzt nahezu stagnierte und Zulieferunternehmen wie Applied Biosystems und der Biochip-Hersteller Affymetrix mit einer Wachstumsdelle kämpfen, profitierten einige Unternehmen aus der zweiten Reihe vom Erfolg ihrer bereits vermarkteten Pharmaprodukte. Vor allem die von Biotechfirmen in den späten 90er Jahren eingeführten Medikamente entfalten damit ihre Wirkung in den Bilanzen.

Einen besonders positiven Akzent setzte Cephalon. Das 1987 gegründete US-Unternehmen hat den Umsatz verdreifacht und sich mit dem ersten Quartalsgewinn seiner Geschichte direkt unter die zehn ertragsstärksten Biotechfirmen gereiht. Der Nettogewinn von 21 Mill. $ im dritten Quartal übertraf Analysten-Schätzungen um nahezu das Zehnfache. Hauptanteil am Erfolg hatte das Medikament Provogil gegen krankhafte Müdigkeit. Cephalon vermarktet zudem Schmerzmittel sowie Medikamente gegen Störungen des Nervensystems.

Bei Idec und Genentech brachte das starke Wachstum beim Krebsmedikament Rituxan ein deutliches Plus beim Umsatz und Ertrag. Genzyme wurde vom Umsatz mit dem Nierenmedikament Renagel beflügelt, Chiron vom starken Impfstoffgeschäft.

Im Durchschnitt haben sich die operativen Erträge der US-Biotechfirmen aber kaum verbessert. Grund dafür ist zum einen das starke Gewicht des Branchenführers Amgen, der im dritten Quartal sogar leichte Einbußen verbuchte. Zum anderen haben etliche Unternehmen ihre Forschungs- und Vertriebsaktivitäten überproportional ausgebaut.

Nicht zuletzt die starken Kapitalzuflüsse des vergangenen Jahres ermutigten viele US-Biotechfirmen dazu, ihre Forschung auszubauen und die klinische Entwicklung von Produkten stärker in eigener Regie voranzutreiben. Im Erfolgsfall verspricht diese Strategie höhere Lizenzeinnahmen von den künftigen Partnern aus der Pharmabranche oder eigene Arzneimittelerlöse.

Ebenso wie die großen Pharmahersteller hatten dabei auch US-Biotechfirmen zahlreiche Rückschläge zu verkraften, weil die Arzneimittelbehörde FDA Zulassungsanträge abgewiesen hat oder zusätzliche Daten anforderte. Die im ersten Halbjahr geradezu deprimierende Situation hat sich in den vergangenen Monaten allerdings wieder etwas entspannt. So haben unter anderem die Firmen Amgen, Gilead und Scios Zulassungen für neue Medikamente gegen Blutarmut, Aids und Herzschwäche erhalten. Ein Berater- Gremium der FDA gab vor kurzem die Zulassung für ein neuartiges Krebsmedikament von Idec sowie für ein neues Herzpräparat, das von Genentech und Actelion entwickelt wurde. Experten der amerikanischen Berater-Gruppe Ernst & Young verweisen in ihrer jüngsten Branchen-Studie auf rund 300 potenzielle Medikamente in fortgeschrittener klinischer Prüfung. Legt man die bisherigen Erfolgsquoten zu Grunde, könnten damit in den kommenden fünf Jahren mehr als 200 neue Biotech-Produkte auf den Markt kommen.

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