Starkes Wachstum in ersten neun Monaten
Chemieindustrie weiter im Aufschwung

Trotz der hohen Ölpreise sieht sich die deutsche Chemieindustrie weiter im Aufwind. Für das Gesamtjahr erwartet die Branche einen Umsatzzuwachs von zwölf Prozent und eine Produktionssteigerung von vier Prozent, wie der Verband der Chemischen Industrie (VCI) am Donnerstag in München erklärte.

ap MÜNCHEN. Der Umsatz solle 2001 um sieben Prozent zulegen. "Die wirtschaftliche Entwicklung läuft weiter auf hohem Niveau", sagte Verbandspräsident Manfred Schneider. In den ersten neun Monaten erlebte die Branche dank des boomenden Exports einen Umsatzzuwachs von 13,5 Prozent. In den ersten neun Monaten stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf knapp 160 Milliarden Mark (81,81 Milliarden Euro). Der Produktionsindex kletterte um 3,5 Prozent und der Erzeugerpreisindex um 4,9 Prozent.

Begünstigt vom schwachen Euro wuchs das Auslandsgeschäft besonders stark. Der Auslandsumsatz kletterte um 15,1 Prozent auf 80,8 Milliarden Mark. Erstmals werde der Exportüberschuss in der Branche über 50 Milliarden Mark liegen, sagte Schneider. Die Importe stiegen um 14,8 Prozent auf 66,4 Milliarden Mark und der Inlandsumsatz um 11,9 Prozent auf 78,8 Milliarden Mark.

Der hohe Rohölpreis belaste die einzelnen Sektoren unterschiedlich stark, sagte Schneider. Die Preise für organische Grundstoffe, die direkt vom Rohöl abhingen, seien mit 20 Prozent im Vergleich zu Preisexplosion beim Rohöl unterproportional gestiegen. Für das kommende Jahr erwarte der Verband leicht sinkende Ölpreise.

Warnung vor Arbeitsplatzverlusten

Schneider warnte zugleich vor einer restriktiven Chemikalienpolitik in der Europäischen Union. Derzeit werde eine Neuordnung der Chemikalienpolitik vorbereitet, wobei es sehr unterschiedliche Konzepte gebe. Nach Vorstellung der skandinavischen Länder, die nicht einmal fünf Prozent der Chemieproduktion in der EU ausmachten, sollten zahlreiche Stoffe verboten und beschränkt werden. Dabei befänden sich auf der dänischen "schwarzen Liste" viele ungefährliche Stoffe wie etwa das Naturprodukt Collophonium, mit dem Geiger ihren Bogen behandelten. Die Stoffe würden offenbar nach einem rigiden Rastersystem beurteilt, ohne dass die tatsächlichen Risiken wissenschaftlich beurteilt würden. "Sollten sich die skandinavischen Vorstellungen zur Chemikalienpolitik und damit die Diskriminierung zahlreicher Stoffe durchsetzen, würde dies der gesamten chemischen Industrie der EU, aber auch vielen Abnehmerbranchen, schweren Schaden zufügen", sagte Schneider.

Die verbotenen Stoffe würden außerhalb Europas hergestellt werden, und bei der deutschen Chemieindustrie und ihren Zulieferern würden rund 100.000 Arbeitsplätze vernichtet werden. Der Verband versuche jetzt, die Bundesregierung für dieses Thema zu sensibilisieren. Ein Gespräch mit Umweltminister Jürgen Trittin sei sehr konstruktiv verlaufen, sagte Schneider.

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