Stars auf Expansionskurs: Günther Jauch will mehr

Stars auf Expansionskurs
Günther Jauch will mehr

Promi-Produzenten wie Günther Jauch und Bärbel Schäfer geben sich nicht nur mit einer Show zufrieden: Trotz Sparkurs und Kostendruck der TV-Sender auf die Produktionsfirmen sind die Stars in der Unterhaltungsbranche auf Expansionskurs. Noch geht die Fusionswelle der Branche an ihnen vorüber.

DÜSSELDORF/KÖLN. Günther Jauch dürstet es nach mehr. Nicht, dass er noch nicht genug Arbeit hätte. Immerhin ist er beim Bertelsmann-Sender RTL bereits in sechs Shows als Moderator vor der Kamera. Aber mit seiner Kölner Produktionsfirma I + U Information und Unterhaltung TV Produktion hat er Erfolgsaussichten auf dem Fernsehmarkt - obwohl zur Zeit die Kassen der Sender knapp bemessen sind und der Druck auf die Produktionsbranche wächst. "Ich könnte gut und gerne Quizshows produzieren", räumt Jauch ein. Er sei immer offen für Geschäfte mit anderen Sendern.

Seine Firma produziert "Stern TV" sowie den Jahresrückblick für RTL und hat die Sendung "100 Jahre FC Bayern" für das ZDF auf der Referenz-Liste. Die Stern-TV-Reportage auf Vox sei zwar im Moment ein "Nullsummen-Spiel", "aber ich wollte in den Markt für TV-Reportagen hinein", so Produzent Jauch. Seinen Megaerfolg "Wer wird Millionär?" produziert allerdings Endemol.

Kostendruck verspürt RTL?s Ausnahmemoderator kaum. "Bei den Sendern gibt es Kostendiskussionen mit Produzenten, die sich um den letzten Meter beim Kabelverlegen drehen - davon halte ich nichts", erklärt Jauch selbstbewußt. Schließlich habe er noch im vergangenen Jahr 66 der 100 zuschauerstärksten Unterhaltungssendungen im deutschen Fernsehen moderiert. Seine Show gehörte neben Sport-Ereignissen wie Formel 1 und Champions League mit durchschnittlich 9,9 Mill. Zuschauern in 2001 zu den werbeumsatzstärksten Produkten des Kölner Kanals. "Das Verhältnis von Einsatz und Ertrag ist bei mir absolut in Ordnung", ist sich Jauch bewusst. "Meine Sendungen bewegen ein sehr großes Werbevolumen."

Nicht zuletzt, um von diesem Werbekuchen ein Stück abzubekommen, machte sich Jauch vor einem Jahr mit seiner Firma selbstständig und kaufte vom Bertelsmann-Zeitungsverlag Gruner & Jahr 74,1 % der Anteile, um unabhängig zu sein. "Ich habe mich nie danach gedrängt, Produzent zu sein - ich bin auch kein typischer", erklärt Jauch, und beweist doch ausreichenden Geschäftssinn. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machte seine Firma einen Umsatz im "unteren zweistelligen Millionenbereich".

Jauch und andere prominente Produzenten wie Alfred Biolek, Bettina Böttinger, Reinhold Beckmann und Thomas Gottschalk behaupten sich ganz offensichtlich entgegen der Fusionswelle im Produktionsmarkt, die zur Zeit das Branchenmittelfeld wie Brainpool heimsucht. Medienanalysten gehen davon aus, dass viele unabhängige Produzenten mittelfristig vom Markt verschwinden werden.

Eine Entwicklung, die besonders die öffentlich-rechtlichen Sender verhindern wollen. Die ARD bestreitet nach eigenen Angaben einen Großteil ihres Programms dem dem Angebot mittelständischer Produzenten. "Ich kann mir eine Welt ohne dem gar nicht vorstellen", meint ARD-Programmchef Günter Struve.

Auch die Privaten finden wenig Gefallen an der Idee, dass ihre Galionsfiguren samt Produktionsfirmen vielleicht von Konzernen aufgekauft würden. Bewährtes ist den TV-Sendern im Augenblick viel zu kostbar. So auch Harald Schmidt, der mit seiner Kölner Firma Bonito seine Show für den Kirch-Sender Sat 1 produziert. Sein Gesicht mache den Sender "unverwechselbar", weiß eine Sat 1-Sprecherin um die Anziehungskraft des Entertainers.

Gute Zeiten also auch für die Kölner Firma Couch Potatoes der Talkmasterin Bärbel Schäfer und ihres Bruders Martin Schäfer. Bärbel Schäfer, die mit ihrer Talk-Show nachmittags auf RTL immer noch rund 20 % der 14- bis 49-jährigen Zuschauer erreicht, will in Zukunft auch andere Genres entwickeln. Bei Pro 7 haben sie den Einstieg mit einer Personality-Talk-Show am Nachmittag ("Absolut Schlegl") schon geschafft, "jetzt wollen wir auch öffentlich-rechtlichen Sendern Angebote machen", so Geschäftsführer Schäfer. In diesem Jahr streben die Schäfers einen Umsatz von 12,5 Mill. Euro an. Werbeagenturen hätten ihnen bereits lukrative Beteiligungsangebote gemacht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%