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Stars sollen auch Stargehälter bekommen

Was macht eigentlich ein Unternehmensvorstand den ganzen Tag? Zusammen mit seinen Kollegen sorgt er dafür, dass die Geschäfte laufen, das Unternehmen zukunftsfähig bleibt und, wenn er gut ist, dass dessen Marktwert steigt.

HB. In den USA wissen die Eigentümer der Unternehmen solche Dienste zu schätzen: Häufig sind es Pensionsfonds, die eine Wertsteigerung ihres Portefeuilles dankbar vermerken. Sie sind gerne bereit, die Verantwortlichen entsprechend zu belohnen. Wenn Manager dann noch in der Lage sind, die Finanzmärkte zu begeistern, neue Anleger anzulocken und so den Kurs zu steigern, dann können Stars auch Stargehälter bekommen.

Das sollte ebenso in Deutschland gelten. Hinzu kommt, dass sich Vorstände auch hier zu Lande zunehmend international zusammensetzen. Wenn aber Leute am selben Tisch sitzen und dieselbe Verantwortung tragen, darf das Gehaltsgefälle zwischen ihnen nicht zu groß sein. Sonst wandern sie dahin aus, wo besser gezahlt wird.

Zusätzlich zur Leistung werden aber mit den Vorstandseinkommen die hohen Karriererisiken mit entgolten: Die Arbeitsverträge sind in der Regel auf fünf, zunehmend aber auch auf drei Jahre befristet; einen Kündigungsschutz gibt es nicht. Zwar werden bei vorzeitiger Ablösung hohe Abfindungen fällig - aber was nützt dies, wenn man danach den Stempel "schwer zu vermitteln" trägt und eigentlich noch ein, zwei Jahrzehnte arbeiten müsste?

Prinzipiell gilt zudem: Es sind die Eigentümer der Unternehmen, die die Einkommen ihrer Spitzenangestellten genehmigen. Und die Besitzer sollten wissen, was sie mit ihrem Geld tun.

Etwas anderes ist es, wenn sich bei der Zumessung von Vorstandsgehältern Aufsichtsräte großzügig zeigen, die sich weniger als Vertreter der Eigentümer, denn als Mitglieder einer solidarischen Klasse verstehen: Womöglich sitzt oder saß man selber ja auch irgendwo im Vorstand, außerdem kennt man sich gut ... Dieser Eindruck könnte aufkommen, wenn man die letzten Einkommenssteigerungen in den Chefetagen von Deutscher Bank, bei Daimler-Chrysler oder der Commerzbank ansieht, die so gar nicht zur Unternehmensentwicklung passen wollen. Gelingt es hier nicht, glaubwürdig gegenzusteuern, dann hätten die betreffenden Entscheider der eng verflochtenen "Deutschland AG" mehr geschadet, als sich die Betreffenden eingestehen mögen. Stärker als in den USA werden solche Entwicklungen von der Gesellschaft in Deutschland registriert. Und der Eindruck einer Fehlentwicklung kann relativ schnell in politisches Handeln umschlagen.

Die Diskussion um die Vorstandsgehälter hat begonnen und sie wird lauter werden, wenn diese Einkommen künftig individuell veröffentlicht werden sollten, wie es in der aktuellen Diskussion um die Unternehmensaufsicht (Corporate Governance) von der Regierungskommission angestrebt wird. Fallen dann Einkommens- und Unternehmensentwicklung allzu weit auseinander, werden sich die Betreffenden einer breit angelegten Debatte ausgesetzt sehen.

Wer nordamerikanische Einkommensverhältnisse anstrebt, muss konsequent sein und kann sich nicht hinter dem durchsichtigen Scheinargument verstecken, die deutsche Gesellschaft sei neidischer als die nordamerikanische. Wer Arbeitsplätze geschaffen und gesichert hat, dem sei ein hohes Einkommen gegönnt - auch in Deutschland

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