Stars unter den Investmentbankern bleiben auch in der Krise gefragt
Regenmacher dringend gesucht

Man nennt sie Regenmacher: Erfahrene Investmentbanker, die millionenschwere Mandate an Land ziehen. Zwar fordert die Krise an den Märkten immer mehr Opfer in den Banken. Doch die Stars sind unangreifbar. Stars unter den Investmentbankern bleiben auch in der Krise gefragt.

HB FRANKFURT/M. An Entlassungen im großen Stil haben sich die Investmentbanker in New York und London mittlerweile gewöhnt. Doch die jüngste Welle von Stellenstreichungen löst ganz neue Ängste in den internationalen Finanzmetropolen aus. Als UBS Warburg Anfang Juni den Wegfall weiterer 100 Arbeitsplätze im Investmentbanking bekannt gab, sorgte diese Meldung für Aufsehen. Denn die geplanten Entlassungen treffen nicht mehr nur junge, unerfahrene Kräfte sondern in der Mehrheit die Direktoren der Schweizer Bank. Die Streichungen reichen hinauf bis zum Executive Director, dem zweithöchsten Rang, den ein Investmentbanker erreichen kann.

"Im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A), der Königsdisziplin des Investmentbanking, haben sich nach drei Jahren Abschwung auch auf dem Senior-Level Überkapazitäten aufgestaut", erläutert ein Analyst einer amerikanischen Bank. Viele Institute hätten mittlerweile die Phase erreicht, in der sie sich auch von erfahrenen Beratern trennen müssten.

"Die echten Regenmacher rifft das aber nicht", betont Charlie Welsh vom britischen Informationsdienst Mergermarket. "Erfahrene Banker mit langjährigen Beziehungen zu wichtigen Klienten verlieren nie ihren Wert, egal wie die Märkte gerade aussehen". Trotz Börsen- und Konjunkturkrise würden die führenden Berater ständig Ideen für neue Transaktionen entwickeln, auch wenn die meisten Pläne erst einmal nur Sandkastenspiele blieben. "Keine Bank will riskieren, dass die Berater mit dem direkten Draht zum Kunden plötzlich weg sind, wenn der Markt dreht, die Deals wieder kommen, und die dicken Provisionen winken", erläutert Welsh. "Die Regenmacher müssen als allerletzte um ihren Job fürchten, weil sie auch in der Krise noch Geschäft bringen", bestätigt Mark Unger von der Personalberatung Russell Reynolds Associates und ergänzt: "Wenn die Investmentbanken im Moment überhaupt noch Personal suchen, dann Regenmacher."

Aber auch für die Stars unter den Investmentbankern verlief das erste Halbjahr 2002 alles andere als ideal. In Europa brach das M&A-Geschäft noch einmal um 20 % ein - schwere Zeiten auch für die Regenmacher. Gute Karten hatte vor allem, wer bei den großen Transaktionen der Versorger dabei war.

Nicholas Wrigley von der britischen Investmentbank Rothschild reichte die Beiteiligung an nur zwei großen Übernahmen, um sich den Spitzenplatz in der Rangliste der europäischen M&A-Berater zu sichern. Nach vorne brachte Wrigley vor allem die Übernahme des britischen Energiekonzerns Lattice Group durch National Grid. Mit einem Volumen von rund 18 Mrd. Euro war dies mit Abstand größte europäische Transaktion im ersten Halbjahr.

In Deutschland belegt Nigel Meek von der Deutschen Bank den ersten Rang unter den Regenmachern, in Europa rangiert er auf Platz sieben. Meek war gleich an drei Transaktionen mit einem Volumen von mehr als zwei Milliarden Euro beteiligt und trug damit einen wichtigen Teil zum guten Abschneiden seines Arbeitgebers im ersten Halbjahr bei. Auf den Ranglisten, die die Leistungskraft der Banken messen, arbeitete sich die Deutsche Bank in den ersten sechs Monaten sowohl in Europa als auch auf dem heimischen Markt auf die Top-Position vor. Unter anderem waren die Deutsch-Banker bei der Übernahme der britischen Railtrack durch Network Rail (11 Mrd. Euro) und der Fusion des Telekomkonzerns Sonera mit dem Wettbewerber Telia (10 Mrd. Euro) dabei. An diesen beiden Transaktionen war Meek zwar nicht beteiligt, dafür aber an der Übernahme von Innogy durch den deutschen Energiekonzern RWE mit einem Wert von knapp 9 Mrd. Euro. Darüber hinaus hat Meek die britische Imperial Tobacco beim rund 5 Mrd. Euro teuren Kauf des deutschen Konkurrenten Reemtsma beraten. Der dritte Deal, bei dem der Banker eine maßgebliche Rolle spielte, war die Übernahme der Seeboard plc durch die London Electricity Group.

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