Start am Montag
Siemens krönt Konzernumbau mit US-Börsengang

Mit dem Gang an die Wall Street krönt Siemens an diesem Montag (12. März) seinen radikalen Konzernumbau. Zur Feier des Tages werden Vorstandschef Heinrich von Pierer, der Aufsichtsratsvorsitzende Karl-Hermann Baumann und Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger zur Börseneröffnung an der New York Stock Exchange (NYSE) die Glocke läuten.

dpa MÜNCHEN. Als die Siemens-Tochter Infineon vor genau einem Jahr an die US- Börse ging, fuhr der Vorstandsvorsitzende Ulrich Schumacher im Rennanzug im Sportwagen an der Wall Street vor. Siemens dagegen werde auf allzu großes Tamtam verzichten, hieß es am Freitag in der Zentrale in München. Auf einer großen Leinwand vor der Börse werden Filme über Siemens gezeigt, am Abend ist eine Party geplant.

Mit der Notierung in den USA verfolgt der Konzern mehrere Ziele. Zum einen sei es für einen Weltkonzern wie Siemens fast schon Pflicht, am weltweit größten und wichtigsten Börsenplatz vertreten zu sein, sagte eine Sprecherin. Allerdings sind schon heute 12 bis 13 % der Siemens-Aktien in den Händen von US-Investoren. Größere Veränderungen im Aktionärskreis seien eher nicht zu erwarten.

Zudem will Siemens auch den Bekanntheitsgrad in den USA steigern und das US-Geschäft anschieben. In diesem Jahr will der Konzern erstmals auch Handys in Nordamerika verkaufen. In den nächsten Monaten ist dafür eine größere Werbekampagne geplant, um Siemens dort als Handy-Marke bekannt zu machen.

Mit dem US-Listing gewinnt Siemens zudem eine Akquisitionswährung, mit der Übernahmen finanziert werden können. Gehandelt werden an der US-Börse so genannte ADR-Zertifikate (American Depository Receipts). Die Abwicklung über diese Hinterlegungsscheine gilt als einfacher als mit Globalen Aktien, auf die Daimler-Chrysler und Celanese setzen. Ein ADR entspricht einer Siemens-Aktie.

Der US-Börsengang ist Teil von Pierers ehrgeizigen Zehn-Punkte- Programm. Vor gut zwei Jahren verkündete er einen radikalen Konzernumbau. Siemens trennte sich von einem beträchtlichen Teil seines Geschäfts, die verbliebenen Bereiche wurden auf Rendite getrimmt. Im Geschäftsjahr 1999/2000 (30. September) steigerte die Siemens AG (Berlin/München) den Gewinn nach Steuern im Konzern ohne außerordentliche Erträge um 81 % auf rund 3,4 Mrd. Euro.

Der Umsatz legte um 14 % auf 83,4 Mrd. Euro zu. Im laufenden Jahr rechnet Pierer allerdings mit einem gebremsten Wachstum. So leidet auch Siemens unter dem derzeit schwachen Handymarkt, auch in der wichtigen Automatisierungstechnik sieht Pierer erste Anzeichen für eine konjunkturelle Abkühlung.

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