Start des Handels am kommenden Montag
Nasdaq Japan setzt auf liquide Wachstumswerte

Am Montag wird in Osaka an der Börse Nasdaq Japan der Handel aufgenommen. In den kommenden zwölf Monaten sollen rund die Hälfte der erwarteten 240 Börsenneulinge in Japan für den neuen Marktplatz gewonnen werden. Im Verbund mit den Nasdaq-Börsen in den USA und Europa soll rund um die Uhr gehandelt werden.

ga TOKIO. Der Handel an der Nasdaq Japan startet mit acht Titeln. Am 23. Juni folgt der Finanz-Informationsdienst Morningstar Japan als neunter Wert. Daneben kündigte der Präsident der Nasdaq Japan Inc., Tatsuyuki Saeki, die Notierung von bereits an der Nasdaq in den USA gehandelten Tochtergesellschaften japanischer Unternehmen an. Damit solle der Markt "internationalisiert" werden, um der letztlich der Tokioter oder New Yorker Börse ebenbürtig zu werden. Hierzu ist bis Ende dieses Jahres die Schaffung einer internationalen Sektion vorgesehen.

Zentrale Herausforderung für den neuen Markt ist gegenwärtig aber nicht die Akquisition weiterer Handelswerte. Vielmehr müsste die Vertrauenswürdigkeit erhöht werden, indem die Einflussmöglichkeiten der Softbank-Gruppe und ihres Präsidenten Masayoshi Son verringert werden. Son ist zugleich der stellvertretende Vorsitzender des japanischen Nasdaq-Verbandes. Der Verband hat 26 Mitglieder, darunter führende japanische Wirtschaftsvertreter sowie in- und ausländische Maklerhäuser, und ist vorrangig mit der Förderung des Nasdaq-Konzepts befasst.

Die Nasdaq Japan Inc. ist dagegen ein Gemeinschaftsunternehmen des US National Association-Händlerverbandes of Securities Dealers mit dem japanischen Internet-Konzern Softbank. Das Unternehmen sieht sich nun einer potenziellen Vermischung seiner Interessen als Aktionär und Investor ausgesetzt.

Börsenpräsident Saeki kündigte daher jetzt einerseits für den Herbst eine Kapitalerhöhung und als nächsten Schritt ein Börsenlisting an, um so den Kapitalanteil von Softbank oder anderen Einzelaktionären zu reduzieren. Andererseits sei es erforderlich, neu über die Mitarbeit Sons im Nasdaq-Verband nachzudenken: "Son sollte sich voll bewusst sein, dass die Nutzung des Marktes als Privateigentum die Glaubwürdigkeit untergraben würde." Saeki bestätigte zudem, dass es bereits Informationsersuchen der Softbank Finance gegeben haben, die jedoch abgelehnt worden seien.

Eigenes Handelssystem kommt nächsten Sommer

Bis zum Einsatz eines eigenen Handelssystems im Sommer nächsten Jahres wird der neue Aktienmarkt als spezielle Sektion in die Börse Osaka integriert sein. Die Zulassungskriterien entsprächen aber zu 90 Prozent den amerikanischen Anforderungen, erklärte Saeki.

Bei den neun Pionieren des Nasdaq - Japan-Marktes handelt es sich allerdings nur bei fünf Werten um echte Börsenneulinge. Die Aktien von Digicube und Masternet wurden bislang am Freiverkehrsmarkt gehandelt. Der Discounter Don Quijote und der Internet-Dienstleister Masternet lassen ihre Aktien daneben weiter an den Börsen von Tokio und Nagoya handeln, entschlossen sich für ein Listing vor allem aus Imagegründen oder um sich so innerhalb ihrer Branche von etablierten Konkurrenten zu differenzieren.

Als Informationstechnik-Werte im engeren Sinne können lediglich die vier Titel Morningstar, Masternet, XNET und Digital Design bezeichnet werden. Die übrigen Werte gehören der Kategorie "Standard" an, deren Listingkriterien etwa auf dem Niveau der 2. Sektion der Tokioter Börse liegen. Anders als an diesem Markt ist auch eine Notierung als Standardwert bei einem Unternehmen ohne Gewinnausweis möglich, wenn bestimmte Anforderungen an das Nettovermögen (über 1,8 Mrd. Yen) oder die Kapitalisierung (über 7,5 Mrd. Yen) erfüllt werden.

Die Zahl der IT-Titel dürfte aber künftig deutlich zunehmen: Nach einer Untersuchung der Kreditauskunftei Teikoku Databank kommen unter den 74 Anwärtern für eine künftige Notierung an der Nasdaq Japan 25 Unternehmen aus dem IT-Bereich.

Der neue Markt will nach eigenem Anspruch Investoren insbesondere eine höhere Transparenz und Liquidität bieten, als dies am Tokioter Freiverkehrsmarkt der Securities Dealers Association of Japan und dem neu an der Tokioter Börse geschaffenen Wachstumssegment Mothers (Market of High-Growth Emerging Stocks) der Fall ist, an dem gegenwärtig zehn Werte gehandelt werden.

Die Unternehmen müssen neben kontinuierlichen Bilanzdaten auch Auskunft etwa zur finanziellen Lage oder eine Risikoeinschätzung abgeben. Die Nasdaq prüft, ob die notierten Firmen die Investoren auf dem Laufenden halten und kann auch Informationen bei deren Wirtschaftsprüfern einholen.

Damit die Werte liquide sind, damit Käufe und Verkäufe jederzeit möglich sind, werden die Papiere nach einer Phase von sechs bis zwölf Monaten automatisch vom Handel ausgeschlossen, wenn die Marktkapitalisierung oder die Zahl der umlaufenden Aktien bestimmte Werte unterschreiten. Als Grenze für den Börsenwert gelten 500 Mill. Yen (rund 5 Mill. Euro).

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