Start in die Champions League
Einmal noch fließt das große Geld

Die TV-Sender haben mit Verspätung erkannt, dass sich die Ausgaben für Fußball-Übertragungsrechte nicht refinanzieren lassen. Auch und gerade in der Champions League.

HB DÜSSELDORF. Michael Meier möchte noch einmal richtig absahnen. "Es wird in dieser Saison zum letzten Mal in diesem alten Format gespielt, in dem 1,2 Milliarden Schweizer Franken verteilt werden", sagt Borussia Dortmunds Manager vor der heute beginnenden neuen Spielzeit der Champions League. "Da muss man tunlichst jetzt das Geld verdienen." 13,03 Millionen Euro haben die Borussen in der vergangenen Saison in der europäischen Königsklasse kassiert - und waren damit nur das Schlusslicht unter den vier teilnehmenden deutschen Klubs.

Finalist Bayer Leverkusen strich 33,79 Millionen Euro ein, der FC Bayern München kam auf 31,91 Millionen und Schalke 04 auf 17,13 Millionen Euro. "Wenn man mal die Kosten, die mit der Champions League zusammenhängen, mit den direkt erzielten Einnahmen verrechnet, dann bleiben netto zwischen 30 bis 35 Prozent hängen", rechnet Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser vor. Immerhin hat der Werksklub dank der Champions League in der abgelaufenen Saison erstmals mehr als 100 Millionen Euro Umsatz gemacht. Bayern München verdiente in den vergangenen zwei Jahren 78,1 Millionen Euro allein in der Königsklasse.

Doch in dieser Spielzeit streiten die europäischen Spitzenmannschaften zum letzten Mal um den ganz großen Kuchen, denn ab der kommenden Saison wird der Modus der Champions League geändert. Die Zwischenrunde fällt künftig weg, nach der Vorrunde wird im K.o.-Verfahren weitergespielt. Die beiden Finalisten bestreiten dann nur noch 13 statt bisher 17 Partien.

Wenn weniger Spiele im Fernsehen gezeigt werden, wollen die Sender natürlich ab der Saison 2003/04 auch weniger für die Rechte zahlen. Die Verhandlungen laufen schon: "Selbst wenn der Preis für Übertragungsrechte halbiert würde, würde ich fünfmal nachdenken, bevor ich mit der Champions League weitermache", betont etwa RTL-Geschäftsführer Gerhard Zeiler. Die Kölner und der Bezahlsender Premiere haben bisher zusammen mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr für die Champions-League-Rechte gezahlt - etwa ein Fünftel der europäischen TV-Gesamteinnahmen.

Verluste mit der Königsklasse

Doch RTL hat mit der Königsklasse bislang nur Verluste eingefahren. Auch im Pay-TV ist Ernüchterung eingekehrt: Wenn die Europäische Fußball-Union (Uefa) weniger Spiele vermarkte und damit den Produktwert um 20 Prozent reduziere, könne sie keine großen Ansprüche stellen, erklärt Premiere-Sportchef Carsten Schmidt: "Die Formel ,Weniger ist mehr? wird sich nicht dadurch ausdrücken lassen, dass man das gleiche Geld für weniger Inhalt bezahlt." Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Skandinavien, Spanien und Italien hätten Bezahlsender große Probleme im Abonnentenbereich, weiß Schmidt. Dies werde naturgemäß in den Preisverhandlungen zum Ausdruck kommen: "Ich bin ziemlich sicher, dass wir alleine im Pay-TV-Bereich in Europa 30 bis 40 Prozent weniger in den Töpfen haben werden."

"Der Abschluss in England wird zeigen, wie die Abschlüsse in Deutschland und in den anderen Ländern sein werden", ist auch Wolfgang Holzhäuser überzeugt. Erschwert wird die TV-Vermarktung in Zukunft noch durch einen neuen Modus, den die EU-Kommisson aus wettbewerbsrechtlichen Gründen durchsetzte. Demnach dürfen die Rechte künftig nicht mehr exklusiv vergeben werden (bisher laufen die Dienstagsspiele bei Premiere, die Mittwochspartien bei RTL), sondern sie werden breit gestreut. Jeder Interessent kann aus insgesamt 13 verschiedenen Rechte-Paketen auswählen.

Zukunftspläne

Die Klub-Verantwortlichen machen sich bereits Gedanken, wie sie künftig die voraussichtlich geringeren TV-Einnahmen kompensieren können. Weil sich Kostensenkungen nicht von heute auf morgen realisieren lassen, geht es dabei auch um die Frage, wie höhere Erträge aus dem Sponsoring zu erzielen sind. "Bei Bayer Leverkusen ist es in diesem Jahr zum ersten Mal so, dass die Sponsoreneinnahmen höher sind als die Fernseheinnahmen", erklärt Geschäftsführer Holzhäuser.

Allerdings bahnt sich hier angesichts der Konjunkturkrise und der damit verbundenen Zurückhaltung der Sponsoren eine Kontroverse zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und den Bundesligavereinen an. "Die Lizenzvereine, und damit meine ich die Deutsche Fußball-Liga, müssen mit dem DFB mal ein sehr ernstes Wort sprechen, ob es richtig ist, dass man sich teilweise bei der Suche nach Sponsoren in die Quere kommt", erklärt Holzhäuser.

Spiele der deutschen Klubs: Arsenal London - Borussia Dortmund (Dienstag)
Olympiakos Piräus - Bayer Leverkusen (Mittwoch)
Bayern München - Deportivo La Coruna (Mittwoch)

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