Start in diesem Jahr
Bertelsmann, EMI, AOL und Realnetworks gründen Musikplattform

Die Medienkonzerne AOL Time Warner, Bertelsmann, die EMI Group sowie RealNetworks wollen eine Online-Plattform für den Musikverkauf im Internet gründen. Das Joint Venture "Music Net" werde als eigenes Unternehmen am Markt agieren.Die beteiligten Konzerne erhoffen sich laut Bertelsmann die schnellere Einführung von Musikdiensten über mehrere Vertriebsnetzwerke wie AOL und RealNetworks.

rtr/ddp-vwd/afp FRANKFURT/LONDON. In der Musikbranche werden sich künftig zwei große Lager beim Verkauf von Titeln per Internet gegenüberstehen. Nach Sony und Vivendi Universal kündigten am Montag die drei anderen großen Musikkonzerne Bertelsmann, AOL Time Warner und EMI ein gemeinsames kostenpflichtiges Angebot zum Herunterladen von Musik aus dem weltweiten Datennetz an. Wie Bertelsmann in Gütersloh bekannt gab, soll das Joint-Venture noch in diesem Jahr unter dem Namen "Music Net" an den Start gehen und Musiktitel per Abonnement über das Internet verkaufen.

Die Plattform MusicNet werde zunächst Lizenzen an AOL und RealNetworks erteilen, die damit ihren Kunden Musik über das Internet anbieten könnten, teilten die vier Firmen am Montag in London mit. Außerdem sollten Lizenzen an andere Unternehmen vergeben werden, die Musik online an Abonnenten vertreiben wollten.

MusicNet soll nach den Plänen der Plattenmultis als eine Art Über-Plattform für kostenpflichtige Musik-Angebote im Internet fungieren. Den Verbrauchern biete MusicNet "die bislang größte Menge populärer Medieninhalte unter einem Dach". Daneben können andere Online-Anbieter bei der Firma Musikrechte für den Internet-Vertrieb erwerben. Dafür müssen diese laut Bertelsmann Lizenzkosten an MusicNet zahlen. Den Künstlern garantiere MusicNet eine sicheres Medium für den Vertrieb ihrer Musik.

Ähnliche Pläne hatte die Bertelsmann eCommerce Group ursprünglich auch mit der bisherigen Gratis-Musiktauschbörse Napster, die im Juli in ein kostenpflichtiges Angebot umgebaut werden soll. Ziel von Bertelsmann war es ursprünglich, möglichst alle großen Musikkonzerne ins Boot zu holen. Vivendi Universal und Sony Music hatten aber bereits Ende Februar das Gemeinschaftsunternehmen Duet ins Leben gerufen und Napster damit de facto eine Absage erteilt. "Das ist der Durchbruch für Napster", sagte der Sprecher der Bertelsmann eCommerce Group (BeCG), Frank Sarfeld, zur Gründung von MusicNet. Napster mit über 60 Mill. Nutzern könne bei MusicNet die Lizenzen für sein eigenes Abo-Angebot erhalten.

"Napster hat die Zusage, dass mit dem neuen Geschäftsmodell (von Napster) ab dem 1. Juli die drei Plattenfirmen ihre Musikkataloge lizenzieren werden", sagte Sarfeld. Mit dem neuen Geschäftsmodell sei der Schutz der Urheberrechte sichergestellt. Die Tauschbörse soll bis zum 1. Juli mit einem Kredit der BeCG in einen kostenpflichtigen Abo-Dienst umgewandelt werden.

Zu den möglichen Auswirkungen des Gemeinschaftsunternehmens MusicNet auf das in den USA gegen Napster anhängige Gerichtsverfahren äußerte sich Sarfeld nicht. Napster war im Dezember 1999 von den fünf großen Musikkonzernen Sony, Universal, Warner Music und der Bertelsmann-Tochter BMG verklagt und wegen Urheberrechtsverletzungen verurteilt worden. Bertelsmann war im Herbst 2000 aus der Reihe der klagenden Unternehmen ausgeschert.

Die drei Musikkonzerne werden den Angaben zufolge jeweils eine Minderheitsbeteiligung an MusicNet halten. Die Musiktöchter EMI Recorded Music, BMG Entertainment und Warner Music Group sollen ihre Musikkataloge MusicNet jeweils separat zur Verfügung stellen, können ihr Angebot aber weiter über andere Vertriebswege im Internet an die Kunden bringen.

Der zu AOL Time Warner gehörende Online-Anbieter America Online (AOL) mit 27 Millionen Kunden wird den Angaben zufolge auf der Basis von MusicNet sein eigenes Musikangebot einführen. Daneben ist an dem Joint-venture auch die Softwarefirma Realnetworks beteiligt, die Programme für das Herunterladen und Abspielen von Musik- und Videodateien erstellt. Für die Auswahl des Partners habe vor allem die Verlässlichkeit der Software RealSystem iQ eine Rolle gespielt, die vollen Schutz für Urheberrechte biete, betonten die beteiligten Unternehmen. Hier hatten die Plattenfirmen bei Napster Zweifel angemeldet. Seit Monaten streitet Napster mit den Musikanbietern darüber, wie Urheberrechte beim Musiktausch über seine Website sichergestellt werden können.

Der MusicNet-Katalog werde Lieder von Künstlern wie Björk, Eric Clapton, Madonna, Carlos Santana und Robbie Williams enthalten, teilten die Unternehmen weiter mit. MusicNet werde sich auch um Lizenzen anderer Plattenfirmen bemühen.

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