Start kurz vor Jahresende
Reiseriesen gehen online

Mit dem nahezu zeitgleichen Start von zwei leistungsstarken Internetportalen tritt der Onlinemarkt der europäischen Flug- und Reisebranche kurz vor Jahresende in eine neue Phase. Nach den Neulingen aus der New Economy wie Ebookers, Travelocity, Expedia oder Travel24.com nehmen jetzt die angestammten Marktführer den Verkauf per World Wide Web selbst in die Hand.

Reuters HANNOVER. Die traditionellen Reisebüros schlagen - wie zu Beginn der ersten Online-Reise-Euphorie vor gut einem Jahr - wieder einmal Alarm. Denn hinter den neuen Portalen Opodo und T Travel-Online stecken Kooperationen mit Marktmacht. Mit Opodo und T Travel-Online wollen sie den Online-Markt von Deutschland aus, dem wichtigsten europäischen Reisemarkt, aufmischen.

Nach dem US-Vorbild Orbitz haben sich in Europa neun Fluggesellschaften unter der Führung von Lufthansa, Air France und British Airways zum Portal Opodo zusammengeschlossen. Mit 150 000 Sonderangeboten geht Opodo nach eigenen Angaben in den Markt, und das Unternehmen verweist auf um 25 % niedrigere Kosten als bei Reisebüros. Ebenso sind die beiden größten europäischen Touristikkonzerne Preussag und Thomas Cook mit dem größten deutschen Internet-Anbieter T-Online ein Bündnis eingegangen und betreiben seit zwei Wochen das Portal T Travel. -Online Beide wollen binnen weniger Jahre europäischer Marktführer für Online-Reisen werden.

Dieser Markt hat sich zumindest in Europa bislang nicht so entwickelt wie noch vor einem Jahr erhofft. Auch für den schon größeren Online-Markt in den USA hat das Institut PhoCus Wright nach den Anschlägen vom 11.  September seine Prognosen für das Online-Geschäft in der Touristik für die Jahre 2001 bis 2003 um zwölf bis 16 % nach unten korrigiert. Gleichwohl sehen die Forscher weiterhin zweistellige Zuwächse von gut 20 Mrd. $ in diesem Jahr auf rund 34 Mrd. $ in 2003.

Online bisher nur ein bis zwei Prozent des gesamten Reiseumsatzes

Für Europa hat das Institut Forrester Research frühere Prognosen leicht nach unten korrigiert. Für dieses Jahr wird europaweit ein Onlineumsatz in der Touristik von 4,5 Mrd. ? erwartet, im Jahr 2006 aber immerhin schon von 38,7 Mrd. ?. Opodo-Chef Giovanni Bisignani und sein Deutschland-Chef Frank Riecke sagten, immer mehr Menschen würden das Internet für ihre Buchung "ganz oder teilweise" nutzen. Doch der in Deutschland unter dem Strich nach wie vor geringe Umsatzanteil von einem bis zwei Prozent des gesamten Reiseumsatzes belegt auch: Noch gilt im Internet vor allem der Grundsatz "suchen statt buchen". Die Lockangebote von Opodo sollen jetzt Abhilfe schaffen.

Immerhin will das US-Vorbild Orbitz, eine im Sommer gestartete Plattform von fünf Airlines, schon Mitte nächsten Jahres schwarze Zahlen schreiben. Die britische Online-Reisebüro Ebookers, dem die beiden Newcomer in Europa die Marktführerschaft streitig machen wollen, musste dagegen gerade seine erste Gewinnmeldung um drei Monate auf das erste Quartal 2002 verschieben. Die Gründe dafür sind nach den Angaben Buchungsrückgänge nach dem 11. September und Kosten für einen Stellenabbau.

Die Opodo-Eigner haben bislang 128 Mill. ? investiert. Gewinne sollen erstmals 2004 fließen. T Travel-Online hält sich mit Informationen noch bedeckt, kalkuliert nach Branchenangaben aber auch für 2002 und 2003 noch Verluste ein. "Unsere Investitionen liegen im überschaubaren zweistelligen Mill. DM-Bereich", sagt Vorstandschefin Christel Anna Brechtel. Mit rund 30 Beschäftigten sei das Unternehmen "schlank aufgestellt". Anders als bei den Wettbewerbern der ersten Generation sei jetzt mehr Kostenbewusstsein im Internet gefragt.

Die T Travel-Chefin-Online gibt sich auch gelassen mit Blick auf die von Opodo angekündigten günstigen Flugtarife. "Das sehe ich ganz entspannt", sagte Brechtel. "Wenn Opodo Flüge zu günstigeren Tarifen bekommt, dann wollen wir diese Preise auch." Sonst gebe es kartellrechtliche Probleme. T Travel-Online setzt vor allem auf Pauschalreisen und bereitet zusätzliche Kooperationen mit allen wichtigen Veranstaltern vor. Vor allem die Reisebüros schlagen nun Alarm. So wirbt T Travel-Online damit, jeder könne sich bequem zu Hause am Computer Reisen aus Angeboten verschiedener Veranstalter zusammenstellen. Gerade das galt bislang als Domäne der Reisebüros. Besonders kritisch bewerten die Online-Experten des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalterverbandes (DRV) die Pläne von Opodo für Sonderangebote und konkurrenzlos günstige Preise. Schon jetzt hätten einzelne Fluggesellschaften unter Hinweis auf Opodo schlechtere Konditionen für die Reisebüros angekündigt, die seit langem klagen, sie würden am Verkauf von Flugtickets kaum noch etwas verdienen, sagte ein DRV-Sprecher.

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