Start-Up Allyve
Es geschah in einer Sommernacht

Soziale Netzwerke, Suchmaschinen und Shoppingportale gibt es inzwischen so viele, dass es mühsam ist, jede Seite im Blick zu behalten. Es müsste doch möglich sein, alle Seite auf einer Startseite zusammenzufassen, dachte sich darum die Hamburger Wirtschaftsingenieurin Julika Bleil - und erfand Allyve.

BERLIN. Es ist bereits stickig und warm in dem kleinen Raum in der Berliner Hardenbergstraße, als Julika Bleil endlich anfängt. Obwohl es erst Mitte Mai ist, ist der Tag schon so heiß, dass die Zuhörer am Abend die Fenster öffnen, um die Luft und die Straßengeräusche ins Erdgeschoss der TU Berlin hineinzulassen. Während die Trägheit des vergangenen Tages durch die Fenster kriecht, und der bereitgestellte Wein warm wird, wirken die Zuhörer schon müde und unkonzentriert. Das Thema der Veranstaltung, zu der die 27-Jährige spricht, lautet "Getting Started", eine Workshop-Reihe zu Unternehmensgründungen.

Etwa 25 Menschen sind der Einladung der Gründerwerkstatt der TU gefolgt: Sie tragen T-Shirt und Jeans und wollen wissen, wie die drei Frauen an das nötige Startkapital gekommen sind, welche Hindernisse sich aufgetan haben und was sie für eine Geschäftsidee hatten. Was wartet auf der anderen Seite, wenn man mal den Sprung gewagt hat, ein Unternehmen zu gründen? Die zwei Frauen vor Bleil erzählten von ihren Unternehmen und ihren Ideen. Es ging um Handy-Accessoires und eine Online-Plattform für Designer. Die Präsentationen sind zum Teil lustig, zum Teil aber auch so wirr und unsicher, dass man später nicht so genau weiß, ob es wirklich eine gute Idee ist, ein Unternehmen zu gründen.

Als Julika Bleil also anfängt, beginnt sie mit einem alten und effektiven Trick, bevor sie ihre Powerpoint-Präsentation startet: Sie macht alles mit einem Lächeln. Lächelnd stellt sie sich vor und lächelnd fängt sie die Zuhörer ein. Es erscheint seltsam leicht, aber sie stellt einfach nur die Fragen, die sich jeder stellt, der vielleicht Unternehmer werden möchte: Wie bekomme ich Investoren? Wie motiviere ich mich? An wen kann ich mich bei Problemen wenden? Und vor allem zu allererst: Wie, verdammt nochmal, komme ich auf die richtige Idee? Vielleicht fällt es ihr deshalb so leicht, weil Bleil und ihr Geschäftspartner Philipp Spethmann sich noch vor knapp einem Jahr genau dieselben Fragen gestellt haben.

Es war genau der Abend des 26. Juni 2007, als sie in einem Hotel in Münster saß, und er "irgendwo anders, ich glaube, in Nürnberg", wie sie am Nachmittag vor dem Vortrag erzählt. Die beiden kannten sich schon seit ihrem ersten Semester beim hochschulübergreifenden Wirtschaftsingenieursstudiengang in Hamburg Da war es Bleil und Spethmann zwar relativ schnell klar, dass sie gerne Unternehmer wären, nur fehlte ihnen die richtige Idee, so lange sie an der Uni gemeinsame Projekte verfolgten, gemeinsam lernten und sogar gemeinsam bei der Boston Consulting Group als Unternehmensberater anfingen. Da waren sie beide 25 Jahre alt.

Bleil ist wohl das, was man allgemein als Überfliegerin bezeichnen dürfte. Sie studierte Wirtschaftsingenieurwesen, organisierte den Protest gegen den Hamburger Senat, als dieser den Studiengang einstellen wollte, hält bereits zwei Patente, ist unter anderem eine extrem gute Kletterin und engagiert sich beim Think Tank 30, dem jüngeren Ableger des Club Of Rome, der es sich zum Ziel gemacht hat, kluge Gedanken und vor allem gute Ideen für die Zukunft der Menschheit zu formulieren. Denn auch wenn ihr Lebenslauf sehr zielstrebig wirkt, und Bleil stets mit Ehrgeiz versucht, ihre Ziele zu erreichen, wirkt es ein bisschen entschuldigend, wenn sie sagt, dass sie eigentlich "vor allem etwas bewegen will", etwas hinterlassen möchte, was die Welt besser macht.

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