START-UP
Ein neues Portal will helfen, wo Banker versagen

Weil er als Privatanleger meist wenig Glück hatte, gründete der Mietwagenkönig Erich Sixt ein neues Aktienportal. Stockflock will die Schwarmintelligenz der User nutzen und bessere Anlagetipps liefern als professionelle Banker.

Sie sind Börsenfan, wissen aber in diesen turbulenten Zeiten nicht, wo Sie investieren sollen? Dann finden Sie vielleicht bei Stockflock eine Investmentidee. Das frisch gegründete Aktienportal versucht mit ein paar ganz einfachen Tricks, den Kapitalmarkt transparenter zu machen. Die Seite bietet Wertpapieranalysen und Finanznachrichten. Alle Infos sind kostenlos, ein großer Teil des Wissens kommt von den Nutzern. Analysten und Anleger sollen hier beide zu Worte kommen. Stockflock könnte also eine Art Wikipedia für Aktien werden.

Im einzelnen funktioniert das Portal so: Wer sich für ein bestimmtes Papier interessiert, kann sich nicht nur dessen Performance anschauen. Jedes Chart zeigt auch die Empfehlungen und Prognosen anderer Nutzer. Das Spannende daran: Hier kann jeder sehen, wer Recht hatte oder sich geirrt hat. Die Seite merkt sich das und verteilt Punkte für gute Investment-Tipps. Wer oft genug richtig liegt, kann vom "Investor" bis zum "Insider" aufsteigen. Stockflock zeigt aber nicht nur die Tipps der Nutzer, sondern auch die Profi-Prognosen der Analysten.

Das Start-up wurde Anfang 2008 gegründet und gehört zur Internetsparte der Sixt-Gruppe. Die Idee kommt von Vorzeigeunternehmer Erich Sixt, 64, persönlich. Während eines Besuchs bei seinem Hausarzt fiel dem Mietwagenkönig der besonders große Monitor auf dem Schreibtisch des Mediziners auf. Wie Sixt erstaunt feststellte, nutzte der Arzt das Gerät nicht für die Praxis, sondern steuerte damit seine privaten Investments. "Ich habe mir dann von ihm mal ein paar Anlagetipps geben lassen, die sich als gar nicht so schlecht herausstellten", erzählt Erich Sixt vor Besuchern eines Stockflock-Aktiencamps in München. "Mein Unternehmen war zwar erfolgreich, aber als Privatanleger habe ich meist wenig Glück gehabt", erinnert er sich. Banker und professionelle Anlageberater hätten ihm nie wirklich weiter geholfen. "Meine Performance war schlechter als die des DAX", gibt er zu. "Wenn es aber Privatanleger gibt, die bessere Tipps haben als mancher professionelle Finanzberater, dann sollte man dieses Wissen doch allen zugute kommen lassen", erläutert Sixt den Grundgedanken. Wenn Stockflock schwarze Zahlen schreiben will, wird es nicht reichen, den Nutzern guten Service zu bieten. Die Webseite will mit Werbung Umsatz machen. Jedoch: gerade in Krisenzeiten werden auch im Internet weniger Anzeigen geschaltet. Alexander Beyer, 27, der die Stockflock-Webseite mit aufgebaut hat, ist dennoch optimistisch: "Unsere Nutzer sind eine attraktive Zielgruppe. Besonders Anzeigen für exklusive Produkte erreichen auf Stockflock genau die Richtigen." Wer möchte, kann sich auf der Seite ein virtuelles Depot einrichten und dessen Performance testen. Die besten Depots steigen im Ranking auf. Ob sie ihre Käufe und Verkäufe auch real nachvollziehen, können die Nutzer selbst entscheiden. Datenbanken mit Informationen über Unternehmen und Manager runden das Angebot ab. Auf die Frage, was die Stockflock-Macher anderen Gründern empfehlen, antwortet Geschäftsführer Konstantin Sixt - er ist der Sohn von Erich Sixt - augenzwinkernd: "Uns bitte nicht nachmachen." Ernster fügt der 26-jährige dann hinzu: "Imitieren hat für Start-ups keinen Sinn. Man muss etwas eigenes schaffen." Erich Sixt, der Senior, rät Gründern, auch in schwierigen Situationen nicht aufzugeben. "Geht nicht, gibt's nicht", urteilt der erfolgreiche Unternehmer. Das junge Stockflock-Team scheint das längst beherzigt zu haben. "Als wir anfingen, auf unserer Seite Analysten zu bewerten, gab es tüchtig Gegenwind", erinnert sich Stockflock-Mitbegründer Beyer. "Da riefen bekannte Geldhäuser bei uns an, die nicht wollten, dass wir ihre Leute beurteilen", erzählt er. Doch Stockflock blieb hart. Das Konzept blieb tabu. Mark Fehr

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