Start von Rofin Sinar am Neuen Markt
Licht und Schatten bei Laser-Spezialisten

Die Hersteller von Laser stemmten sich lange mit Kraft gegen den Negativtrend an den Technologiebörsen. Zuletzt gerieten auch sie in den Abwärtsstrudel. Die Ausnahme Rofin Sinar startet in Kürze am Neuen Markt und präsentiert sich als Alternative zu den dort bereits notierten Laser-Anbietern.

HB FRANKFURT. Die Branche der Laserhersteller am Neuen Markt bekommt Nachwuchs. Das deutsch-amerikanische Unternehmen Rofin Sinar Technologies Inc., Hamburg/Plymouth, plant für die nächsten Tage neben der Notierung an der US-Technologiebörse Nasdaq das Zweitlisting in Frankfurt.

Eine Kapitalerhöhung oder ein Bookbuilding ist nicht geplant. Daran, dass die Branche weiterhin deutlich wachsen wird, hat niemand Zweifel. Seit Jahren sind die Raten zweistellig und nach Angaben der US-Fachzeitschrift "Laser Focus World" erreichte der Markt im vergangenen Jahr ein Volumen von 8,8 Mrd. $. In diesem Jahr sollen es erstmals mehr als 10 Mrd. $ werden. Da Rofin Sinar im Vergleich zum Wettbewerb ein breit gefächertes Angebot hat, ist der Wert gegen Branchenschwankungen stabiler.

Gleichwohl rechnet auch die Göttinger Lambda Physik AG im Geschäftsjahr 2000/2001 (zum 30.9.) mit einem Umsatzplus von 40 bis 45 % und die LPKF Laser & Electronics AG aus Garbsen bei Hannover erwartet im Gesamtjahr 2001 einen Zuwachs von 42 %. Allerdings gibt es auch Schatten: Letztlich handelt es sich bei den Laserherstellern um Zulieferer. Analysten verweisen deshalb auf die zum Teil hohe Abhängigkeit von bestimmten Branchen. So will Lambda seinen Marktanteil im Bereich der Mikrolithografie ausbauen, die vor allem bei der Produktion von Halbleitern zum Einsatz kommt.

LPKF setzt große Hoffnungen auf Microlinelaser, mit deren Hilfe kleinste Schaltungen etwa für Handys oder Laptops produziert werden. Beide Abnehmerbranchen stehen zurzeit unter Druck und mit ihnen der Kurs der Laser-Hersteller. So eilt LPKF mit seiner Fokussierung auf die Halbleiterindustrie von Tiefst- zu Tiefststand und der Titel hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 80 % an Wert eingebüßt, einen Großteil davon seit Anfang Mai. Lambda dagegen notiert zwar noch immer fast auf dem Niveau aus dem Sommer 2000, gab aber allein am Montag zweistellig nach. Trotz des jüngsten Kursverlustes hält beispielsweise Malte Schaumann von SES Research die Aktie für weiterhin überteuert und traut ihr noch Verluste von mehr als 10 % zu.

Abhängigkeit von einzelnen Branchen ist gering

Rofin Sinar zeigt sich deutlich stabiler: Das 1975 gegründete Unternehmen produziert Laserstrahlquellen und laserbasierte Lösungen, die in zahlreichen Branchen verwendet werden. Die Abhängigkeit von konjunkturellen Zyklen ist geringer als bei der Konkurrenz, zu der in einigen Bereichen auch die im M-Dax notierte Jenoptik zählt.

Welches Potenzial einzelne Sparten von Rofin Sinar haben, zeigt das Beispiel der Mainzer Tochter Dilas Diodenlaser GmbH. Das 1994 als Start-up gegründete und 1997 mehrheitlich an Rofin Sinar verkaufte Unternehmen ist spezialisiert auf Hochleistungs-Diodenlaser. Sie werden als Strahlquelle für andere Laser, aber auch direkt für das Löten oder Schweißen von Materialen genutzt. "Unsere Kunden kommen aus der ganzen Welt und aus allen Branchen", erklärt Dilas-Geschäftsführer Bernhard de Odorico. So liefere Dilas an die Automobil- und Elektroindustrie ebenso wie an Firmen der Medizin- oder Messtechnik.

Gerade im Bereich der Materialbearbeitung stellen laut de Odorico immer mehr Firmen auf Laser um, die auf der Diodentechnik basieren. Eine Aussage, die die Arbeitsgemeinschaft Laser im Verband des Deutschen Maschinen- und Anlagenbaus (VDMA) bestätigen kann. "Die kompakten und nahezu wartungsfreien Laser werden immer mehr eingesetzt", heißt es dort. Entsprechend ehrgeizig sind die Marktprognosen für dieses Segment. Experten gehen von einem Umsatzplus von satten 60 % aus.

Analysten sind optimistisch

Damit kann das Wachstum in dieser Sparte die von den US-Analysten von Jesup & Lamont befürchtete Nachfrageschwäche bei Lasern für die Halbleiterindustrie kompensieren. Auch die Analysten der A & A Actienbank verweisen bei ihrem Kaufurteil für Rofin Sinar unter anderem auf die starke Nachfrage nach Diodenlasern.

Auch die Analysten von M.M. Warburg empfehlen die Aktie von Rofin-Sinar mit einem Kursziel von 20,50 Euro zum Kauf. Momentan notiert das Papier bei knapp 15 Euro. Das Unternehmen könne das Wachstum des Lasermarktes übertreffen. Im Geschäftsjahr 1999/2000 (zum 30. September) hatte die Gesellschaft den Angaben zufolge einen Umsatz von 171,2 (Vorjahr: 124) Mill. $ bei einem Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 17,2 (5,9) Mill. $ erwirtschaftet. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres sei ein Umsatz von 112,1 Mill. $ und ein Ebit von 14,5 Mill. $ erzielt worden.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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