Startauflage unter 100 000 Exemplaren<p>
FR kommt Gratis-Konkurrenz mit Billig-Zeitung zuvor

Mit der Mittagszeitung "City" tritt die Frankfurter Rundschau gegen den norwegischen Schibsted-Verlag an, der sich seit einigen Monaten in Köln einen erbitterten Kampf mit zwei deutschen Verlagshäusern liefert.

dpa FRANKFURT/MAIN. Mit ihrer neuen Mittagszeitung "City" will die "Frankfurter Rundschau" (FR) von Montag an die bisherige "Rundschau am Abend" ersetzen und neue Leserschichten gewinnen. Gleichzeitig hat die Zeitung damit ein Mittel gegen eine mögliche Gratiszeitung der norwegischen Schibsted-Gruppe in der Hand. Schibsted überlegt nach ihrem Erfolg in Köln, auch in anderen deutschen Ballungszentren Gratisblätter anzubieten. Nach Angaben von "City"-Redaktionsleiter Jörg Reckmann ist Schibsted auch schon in Frankfurt "vorstellig geworden".

"City": bunt, knapp und günstig

"City" soll "gedrucktes Radio, und zwar in Farbe" sein, kündigte Reckmann an. 13 Mitarbeiter füllen montags bis freitags zwölf bis 16 durchgehend farbige Seiten, die mittags um 12.00 Uhr in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet erscheinen. Neben einer "Schnelllesespalte" soll "City" für 50 Pfennig knappe Berichte aus Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur sowie einen umfangreichen Veranstaltungskalender bieten. Dazu gibt es Hinweise auf ergänzende Informationen im Internet, auf Bücher oder Filme zum jeweiligen Thema. "Leitfarben" sollen die Leser durch die Seiten lotsen.

"City ist gedacht für schnelle Leser, die sich in der Mittagspause auf den neuesten Stand bringen wollen", beschreibt Reckmann die Zielgruppe. "Das sind mobile, junge Leute, die mit einer normalen Abo-Zeitung nicht mehr viel anfangen können." Dabei werde auch an die 300 000 täglichen Pendler gedacht, deren Zahl immer größer werde. Mit welcher Auflage "City" an den Start geht, will Reckmann nicht verraten. Indirekt bestätigt er lediglich, dass es unter 100 000 Exemplare sein werden.

Für die FR ist "City" nach dem neuen, Ende April gestarteten Samstags-Magazin die zweite große Veränderung in diesem Jahr. Die Zeitung wirbt derzeit mit einer Image-Kampagne massiv um neue Leser. Mit Erfolg: Die verkaufte Auflage, die 1998 und 1999 zum Teil unter 190 000 Exemplare gerutscht war, lag im zweiten Quartal dieses Jahres mit 194 769 (montags bis samstags) so hoch wie seit langem nicht mehr. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) kam zuletzt auf 407 772 verkaufte Exemplare, die "Frankfurter Neue Presse" (FNP) mit ihren Töchtern "Höchster Kreisblatt", "Taunus-Zeitung" und "Nassauische Neue Presse" auf 106 750.

Die "Rundschau am Abend" sei "unbefriedigend" gewesen, sagt Reckmann. Im Prinzip sei es die Zeitung desselben Tages mit lediglich zwei neuen Seiten gewesen. Zwar werde auch "City" größtenteils am Abend zuvor produzierte Seiten enthalten, räumt er ein. Nur zwei Seiten werden zwischen 6.00 und 10.45 Uhr morgens mit tagesaktuellen Meldungen gefüllt, zusätzlich werden auf den am Vortag vorbereiteten Seiten Fenster freigehalten, um auf aktuelle Entwicklungen reagieren zu können. Dennoch gebe es in Optik und Aufmachung große Unterschiede zwischen beiden Zeitungen. "City" soll flotter und bunter daherkommen, aber die journalistische Qualität der FR beibehalten.

Seriöses Infotainment als Antwort auf Gratiszeitungen

Das Ergebnis nennt Reckmann "seriöses Infotainment". Damit hofft er, Schibsted das Leben schwer zu machen: "Wenn City erfolgreich ist, dann würde es für jemanden, der hier auf den Markt will, sehr sehr schwierig werden." Die Schibsted-Gruppe mischt seit einigen Monaten mit der Gratis-Zeitung "20 Minuten Köln" den Kölner Zeitungsmarkt kräftig auf. Axel Springer Verlag ("Bild") und der Verlag DuMont Schauberg ("Express") versuchten vergeblich, Schibsted vor Gericht zu stoppen. Sie reagierten mit eigenen Gratisblättern auf die Konkurrenz.

Die FR-Konkurrentinnen FAZ und FNP haben nach eigenen Angaben derzeit keine Pläne, um einem möglichen Engagement von Schibsted in Frankfurt Paroli zu bieten. "Wir sehen keinen Handlungsbedarf", sagt FAZ-Herausgeber Hugo Müller-Vogg. "Eine Gratiszeitung ist für uns keine Konkurrenz". Zudem sei ihm noch nicht bekannt, dass Schibsted auch in Frankfurt auf den Markt wolle. Zwar knabbere jede neue Zeitung, die Anzeigen drucke, am Anzeigen-Volumen der übrigen Blätter. "Aber der Durchschnitts-FAZ-Leser wird nicht wegen einer Gratiszeitung auf die FAZ verzichten", ist Müller-Vogg überzeugt.

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