Startschuss für BMW-Werk in Shenyang erfolgt in den nächsten Wochen
BMW will in China Autos bauen

Bald werden die ersten Chinesen chinesische BMW fahren. Der Münchener Autokonzern steht kurz vor dem Abschluss der Verhandlungen über ein Gemeinschaftsunternehmen.

SHENYANG/PEKING. Der Münchener Automobilhersteller BMW erhält voraussichtlich in Kürze von der staatlichen Planungskommission in China die Genehmigung für sein Joint Venture mit dem führenden chinesischen Minibus-Hersteller Brilliance. Die Verhandlungen über das Gemeinschaftsunternehmen, an dem BMW und die Chinesen jeweils 50 % der Anteile halten werden, stehen kurz vor dem Abschluss. Das bestätigte Lloyd Xing Hong, der Vizepräsident von Brilliance, dem Handelsblatt. "In den beiden vergangenen Wochen haben wir mit BMW sehr intensiv gesprochen," sagte Hong. Ein BMW-Sprecher wollte die Aussage des Brilliance-Managers indessen unter Hinweis auf die laufenden Verhandlungen nicht kommentieren. Laut Hong sollen die Machbarkeitsstudie und der Joint Venture-Vertrag fast zeitgleich erteilt werden. "In den nächsten ein bis zwei Wochen - das steht unmittelbar bevor," präzisierte Hong.

BMW und Brilliance wollen ab Herbst 2003 im nordostchinesischen Shenyang 3er- und 5er-BMW-Modelle bauen, zunächst für mindestens ein Jahr. Von den 200 Lieferanten, die man für die Kernkomponenten der Luxusautos braucht, sind laut BMW Asien-Pazifik-Chef Lüder Paysen bisher aber erst 40 vor Ort. Die Startkapazität für das Gemeinschaftsunternehmen, in das 450Mill. Euro investiert werden, soll bei 30 000 Fahrzeugen liegen. Von 2004 an sollen auch 5er-Modelle gefertigt werden, zunächst etwa 16 000 pro Jahr.

Weil Chinas Automarkt so riesig sei, sagte Hong, wolle man mit BMW darüber sprechen, auch seine übrigen Modelle in China zu fertigen. Im ersten vollen Produktionsjahr 2004 soll bereits die Gewinnschwelle erreicht werden. Brilliance verfolgt laut Hong eine zweigleisige Strategie: Eine langfristige Beziehung mit BMW zu pflegen und eigene Marken aufzubauen.

Damit hat Brilliance bereits begonnen. Unter Anleitung von 50 BMW-Ingenieuren wird derzeit die Fertigung für den Zhonghua aufgebaut, das Einsteigermodell, mit dem Chinas führender Minibushersteller - Marktanteil über 60 % - in das Pkw-Segment expandieren will.

Die Minibusproduktion des Konzerns ging indessen im ersten Halbjahr 2002 um knapp 8 % zurück, der Nettogewinn sank um 41 %. Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) hat harte Preiskämpfe ausgelöst und die Erträge der Auto-Branche unter Druck gesetzt.

Der Zhonghua wird bereits seit September 2000 produziert. Doch erst im August 2002 wurde er offiziell in den Markt eingeführt. Bisher hat das Unternehmen dem stellvertretenden Fabrikdirektor Zhang Guo Sheng zufolge 2000 Zhonghua verkauft, 1500 wurden bestellt und bereits bezahlt. 2002 will Brilliance von seinem Pilot-PkW 8000 Stück produzieren, 2003 schon 30 000. Das Werk ist auf 100 000 Fahrzeuge ausgelegt. Das 168000 Yuan (22000 Euro) teure Auto, dessen Design sich stark am amerikanischen Geschmack orientiert, wird vor allem von höheren Beamten und Parteifunktionären gekauft. 90 % der Komponenten stammen aus China, etwa 10 % - darunter die Armaturen sowie das Brems- und Lenksystem - kommen aus Deutschland.

Das Presswerk, die Lackiererei und die Roboter am Fließband wurden von Ausrüstern aus der Bundesrepublik geliefert. Die vier Werkshallen liegen direkt neben jenen beiden Hallen, in denen ab Ende 2003 die 3er- und später die 5er-BMW gebaut werden sollen.

Hong schaut indessen schon nach vorne. Er will ab März 2003 ein zweites Zhonghua-Modell fertigen. Er will auch, wenn die Produktion der BMW-Autos gut anläuft, bis 2007 mit dem deutschen Partner über eine Ausdehnung der Produktion reden.

BMW will bis 2005 führender Hersteller von Luxuswagen in China werden. "Da gibt es nur einen ernsten Konkurrenten," meinte Hong, und deutet an, dass der Kampf um Chinas Luxussegment ein deutsch-deutsches Wettrennen zwischen BMW und Daimler wird.

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