Startups
Neue Gründerzeit

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Wenn Felix Petersen nach San Francisco reist, um dort mit großen Konzernen Kooperationen zu verhandeln, dann weiß das die ganze Welt. 2006 gründete der 30-Jährige mit seinem Kompagnon Stefan Kellner, 37, das Startup Plazes. Die Idee: Mitglieder von Plazes können mit einem Fähnchen auf einer virtuellen Weltkarte zeigen, wo sie sich gerade aufhalten. Im Büro, im Café, bei Mutti - oder eben in San Francisco. Freunde wie Fremde können sie dann mit lokalen Tipps versorgen oder ihnen Bekannte vorstellen, die auch gerade dort sind.

Die Idee kommt an. Jeden Monat klettern die Nutzerzahlen von Plazes im zweistelligen Prozentbereich - ein Jahr nach Unternehmensgründung sind es fast 100 000. Und die Gründer basteln seit Monaten in den gelben Backsteingebäuden des Berliner Szenetreffs Kulturbrauerei an neuen Werbeformen. Einige Web-Größen sind ganz entzückt von den Ideen: Knapp drei Millionen Euro Risikokapital gab es vor wenigen Wochen von Netscape-Erfinder Marc Andreessen, dem Gründer der Wireless-Community Fon, Martin Varsavsky und der Risikokapitalfirma Doughty Hanson Technology Ventures. Auch weil Plazes nicht von einem amerikanischen Vorbild abgekupfert ist, sondern eine originäre Idee ist. Dafür stellen Amerikaner längst die größte Nutzergruppe. Und deswegen wollen die Großen der Internet-Wirtschaft inzwischen mit Petersen Geschäfte machen.

Doch anstelle von Größenwahn behalten die Plazes-Gründer ihre Kennzahlen im Auge. Sie sprechen von "Marktanteilen", "Controlling", "Cash-Flow". Petersen ist kein unbeschriebenes Blatt. Schon zu Zeiten der New Economy haben er und sein Kompagnon Stefan Kellner in anderen Internet-Firmen gearbeitet. Petersen war unter anderem Manager bei der Web-Agentur Antwerpes. Damit sind die beiden typische Vertreter der neuen Gründerwelle: Sie haben Erfahrung in anderen Startups gesammelt, sind gut verdrahtet und bewahren trotz der Euphorie für ihre Idee einen kühlen Kopf.

Manche bauen auch gerade ihr zweites Unternehmen auf. Zum Beispiel Alexander Artopé, 37, der 1999 den Softwarehersteller Datango mitgründete. Vor wenigen Tagen ging der Berliner mit seiner zweiten Firma Smava an den Start, einer Art Ebay-Bank. Bei Smava können Privatleute Geld leihen und verleihen. Smava regelt Bonitätsprüfung und Mahnungen, wenn ein Schuldner nicht zahlt. In den USA und Großbritannien gibt es mit Prosper und Zopa bereits erfolgreiche Vorbilder. Artopé zufolge geht es vor allem um die richtige Idee. Er selbst habe von früher gelernt, sich "auf die wirklich wichtigen Dinge zu fokussieren: den Kunden und das Team". Damals ging es viel zu schnell um Expansion, Übernahmen und Börsengänge. Davon ist heute erst viel später die Rede - wenn überhaupt.

Dass viele Gründer besser auf das Wagnis Unternehmertum vorbereitet sind, zeigt schon die Qualität ihrer Businesspläne. Viele Startups gingen Ende der Neunzigerjahre mit unfertigen Ideen an den Start. Realisiert wurden dann anstelle der visionierten Umsätze oft nur die ebenfalls großzügig angesetzten Kosten. "Heute sind die Businesspläne professioneller", sagt Michael Brandkamp, Chef des High-Tech-Gründerfonds.

Diese Professionalität hat vor allem drei Ursachen: Erstens holen sich die Jungunternehmer wertvolle Tipps und Kontakte bei den erfahrenen Gründern der ersten Welle. Zweitens binden sie frühzeitig erfolgreiche Vorbilder als Investoren an ihre Unternehmen. So vermeiden sie typische Anfängerfehler. Und drittens sind die Gründer schlichtweg erfahrener. Sei es, weil sie vorher in einem Startup gearbeitet haben oder selbst bereits Unternehmen gegründet haben. "Wer als Praktikant zu McKinsey geht, ist nicht im richtigen Umfeld, um auf Ideen zu kommen", sagt Spreadshirt-Gründer Lukasz Gadowski. Er muss es wissen. Er war Praktikant in einem Startup.

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