Startups
Neue Gründerzeit

Sechs Jahre nach dem Platzen der Dotcom-Blase herrscht bei Jungunternehmern wieder Goldgräberstimmung. Und wieder stehen High-Tech-Startups im Mittelpunkt der neuen deutschen Gründerwelle. Doch die nächste Generation kann mehr als Internet und Biotech.
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Frank Böhnke entscheidet darüber, ob Träume wahr werden. Er ist Partner der Risikokapitalfirma Wellington, und die Träume kommen in der Regel per E-Mail: Menschen schreiben ihm darin, wie sie ein Unternehmen gründen wollen, und bitten darum, die Idee zu finanzieren.

Solche Post erhält Böhnke neuerdings immer öfter. "Seit der New Economy haben wir nicht so viele interessante neue Projekte gesehen wie heute", sagt er. Zwar ist die Zahl der Gründer derzeit noch geringer als zu Zeiten des Dotcom-Hypes. Doch der Anteil "hochwertiger Projekte", sagt Böhnke, sei so groß wie noch nie. Vor allem Online-Ideen sind wieder stark vertreten: Bei Wellington gingen in diesem Jahr 40 Prozent mehr Businesspläne von Internet-Firmen ein als im gleichen Zeitraum 2006.

Es herrscht wieder Goldgräberstimmung. Überall basteln kleine Teams an neuen Geschäftsmodellen. Sechs Jahre nach dem Crash der New Economy überhäufen Investoren Hochschulabsolventen wieder mit Summen, für die andere ein Leben lang arbeiten müssen. Wieder machen Startups Schlagzeilen, und wieder stehen junge Internet-Firmen im Mittelpunkt.

Beispielsweise das Hamburger Startup OpenBC: Der Betreiber des Kontaktnetzes Xing erlöste mit seinem Börsengang im Dezember rund 75 Millionen Euro. Die Anshe Chung Studios setzten in der Online-Welt Second Life über eine Million Euro mit dem Verkauf virtueller Häuser um. Und vor wenigen Wochen ging die Studentenplattform StudiVZ für etwa 85 Millionen Euro an die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, zu der auch die WirtschaftsWoche gehört.

Internet-Firmen sind aber nur die auffälligsten Vertreter der neuen Gründerzeit. Investoren berichten auch von einer wachsenden Zahl interessanter Startups aus Energie und Umwelt, Telekommunikation, Medizintechnik und sogar der lange schwachen Biotechnologie.

Im internationalen Vergleich sind die Deutschen zwar Gründungsmuffel. 2006 ist die Zahl der Firmenanmeldungen hierzulande sogar gesunken. Grund dafür waren aber vor allem Auswirkungen des Strohfeuers der 2003 eingeführten Existenzgründerförderung ("Ich-AG"). Als der Zuschuss gekürzt wurde, sackten prompt auch die Gründerzahlen zusammen. Dieser Effekt überdeckt den positiven aktuellen Trend: In wissensintensiven Branchen wie erneuerbare Energie, Medizintechnik und Multimedia "sehen wir deutlich mehr Gründer als noch vor einigen Jahren", sagt Holger Junge vom VDI Technologiezentrum. Das ist bemerkenswert, weil gerade diese Sektoren Innovationsmotoren moderner Volkswirtschaften sind.

Gleichzeitig ist heute vieles anders als zu Dotcom-Zeiten. Dafür sind vor allem drei Entwicklungen verantwortlich: Die Gründer sind professioneller und haben bessere Geschäftsmodelle, der Markt ist gereift und hat sich zugunsten von High-Tech-Startups entwickelt und die Investoren wählen ihre Investments besser und gezielter aus.

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