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Stasi-Vorwürfe: PDS-Politiker Porsch als Professor gekündigt

Der mit Stasi-Vorwürfen konfrontierte sächsische PDS-Spitzenkandidat Peter Porsch darf nicht mehr als Hochschullehrer arbeiten. Das sächsische Wissenschaftsministerium hat Porsch fristlos gekündigt, sagte ein Sprecher des Ministeriums der dpa am Freitag.

dpa DRESDEN/LEIPZIG. Der mit Stasi-Vorwürfen konfrontierte sächsische PDS-Spitzenkandidat Peter Porsch darf nicht mehr als Hochschullehrer arbeiten. Das sächsische Wissenschaftsministerium hat Porsch fristlos gekündigt, sagte ein Sprecher des Ministeriums der dpa am Freitag.

Porsch, der seine Partei in die Landtagswahl am 19. September führt, kündigte in einer ersten Stellungnahme juristische Schritte an. Er bestreitet eine Spitzeltätigkeit für das DDR-Ministerium für Staatssicherheit.

Das Ministerium sei mit der fristlosen Kündigung einer Empfehlung der Personalkommission der Universität Leipzig gefolgt, hieß es. Diese sieht nach Auswertung neuer Unterlagen der Stasi-Unterlagenbehörde den Professor für Dialektologie und Sprachsoziologie Stasi-belastet. Das Ministerium habe die Unterlagen vor seiner Entscheidung selbst nochmals geprüft, sagte der Sprecher.

Dem 59 Jahre alten, 1973 in die DDR übergesiedelten Österreicher wird vorgeworfen, unter dem Decknamen "IM Christoph" für die Stasi gearbeitet zu haben. Nach Medienberichten soll er unter anderem 1984 über eine Lesungen von DDR-Autoren berichtet haben. Er selbst bestreitet dies, schließt aber nicht aus, über einen vorgeblichen Kripo-Mitarbeiter von der Stasi ausgehorcht worden zu sein.

"Ich wundere mich, dass ich die Entlassung über die Medien erfahren habe", sagte Porsch der dpa am Rande des offiziellen Wahlkampfauftaktes seiner Partei in Leipzig. "Ich glaube, solche Dinge sollte man zunächst dem Betroffenen mitteilen." Sein weiteres Vorgehen wolle er mit seinen Anwälten besprechen. "Am 19. September sind Wahlen. Ich gehe davon aus, dass wir danach einen anderen Hochschulminister haben, der vielleicht manches anders sieht."

Porsch hatte schon in den vergangenen Woche keinen Zweifel daran gelassen, dass er trotz der Vorwürfe weiter als PDS-Spitzenkandidat um Stimmen werben will. Die PDS ist seit 1999 zweitstärkste Fraktion im Sächsischen Landtag, deren Chef Porsch ist. Er sieht die Vorwürfe gegen sich als gezielte Wahlkampfattacke.

Der Politiker kam 1973 an die damalige Karl-Marx-Universität-Leipzig und arbeitete zunächst als wissenschaftlicher Assistent. 1988 übernahm er eine ordentliche Professur.

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