Statistischen Bundesamt: 2003 gingen mehr als eine halbe Millionen Arbeitsplätze verloren
Ein schwarzes Jahr für den Arbeitsmarkt

Im Hinblich auf den deutschen Arbeitsmarkt folgte im Jahr 2003 eine Hiobsbotschaft der anderen. Statistisch gesehen war es das schlimmste Jahr seit der Krise 1997. Mit voraussichtlich rund 4,38 Millionen Erwerbslosen im Jahresdurchschnitt - knapp 320 000 mehr als 2002 - erreichte die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt einen neuerlichen Tiefpunkt. Trotzdem geben sich die Verantwortlichen in der Öffentlichkeit optimistisch.

HB NÜRNBERG. Auch für 2004 erwartet BA-Vorstandschef Chef Florian Gerster keine durchgreifende Besserung. Erst im Jahre 2005 werde der anspringende Konjunkturmotor den Arbeitsmarkt ankurbeln, schätzte er unlängst. An solchen Impulsen fehlte es auch 2003. Im zweiten Stagnationsjahr in Folge strichen viele Unternehmen ihre Belegschaften weiter zusammen. Neue Arbeitsplätze entstehen nach Einschätzung von Volkswirten erst jenseits des Wachstums von 1,5 bis 1,7 Prozent, mit dem die Wirtschaftsweisen für nächstes Jahr rechnen. Viele Unternehmen hatten zusätzlich die Folgen des Irak-Kriegs, der Lungen-Krankheit Sars und den starken Euro zu verkraften, der die Exporte der deutschen Industrie merklich drosselte.

Angesichts der Dauer-Tristesse auf dem Arbeitsmarkt sieht die Bundesanstalt inzwischen selbst in kleinsten Verbesserungen Hoffnungsschimmer. Immerhin hat sich seit April der Abstand der Arbeitslosenzahlen zu denen des Vorjahres kontinuierlich verringert - von 471 100 im April auf 158 700 im November. Hoffnungsvoll stimmt Gerster auch die Entwicklung der saisonbereinigten Arbeitslosenzahlen: Der um jahreszeitliche Sondereinflüsse bereinigte Wert war von Mai bis Oktober um durchschnittlich 10 000 gesunken. Auch entwickelte sich der Arbeitsmarkt zumindest in der zweiten Jahreshälfte etwas günstiger als in 2002.

Experten warnen gleichwohl vor einer Überbewertung solcher "Erfolge". Wirtschaftsforschungs-Institute und Banken-Volkswirte sehen darin vor allem eine Folge der erhöhten Anforderungen an Arbeitslose und die damit verbundene Bereinigung der Statistik. Auch nutzten in 2003 mit 424 000 Arbeitslosen knapp 28 Prozent mehr Erwerbslose die neuen Instrumente der Existenzgründung. Dennoch bleibt die Lage auf dem Arbeitsmarkt unverändert dramatisch: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind im abgelaufenen Jahr mehr als eine halbe Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen - einen Rückgang, den es nicht einmal als Folge der Rezession von 1993 gegeben hatte.

So sind Wissenschaftler denn auch bei Prognosen für die Entwicklung der Arbeitslosigkeit für 2004 zurückhaltend. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die Denkfabrik der Nürnberger Bundesanstalt, erwartet - bei einem Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent - im Jahresdurchschnitt 2004 allenfalls einen Rückgang der Erwerbslosenzahl um 20 000, eher aber eine Stagnation. Das Kieler Weltwirtschaftsinstitut hält hingegen einen leichten Anstieg der Erwerbslosenzahl für wahrscheinlicher.

Bis die Konjunktur auf den Arbeitsmarkt durchschlage, werde es wohl 2005 werden, schätzen viele Arbeitsmarkt-Fachleute. Daran dürften nach Einschätzung von Rainer Schmidt vom Kieler Weltwirtschaftsinstitut auch die Hartz-Reformen vorerst kaum etwas ändern. Die Umsetzung solcher Reformen brauche viel Zeit. "Was unter dem Strich rauskommt, werden wir erst in zwei bis drei Jahre sehen", meint der Volkswirt, der damit den Optimismus von BA-Chef Gerster keineswegs teilt. Dieser ist unterdessen fest davon überzeugt, dass vor allem die Personal-Service-Agenturen (PSA) bald schon nach dem Anspringen der Konjunktur ihre volle Wirkung entfalten werden.

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