Statoil schöpft Preisrahmen nicht aus
Harte Zeiten für Neuemissionen: Zentaris sagt ab

Der Börsengang des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport galt als Prüfstein für Neuemissionen. Sein schwaches Debüt und auch die neuerliche Talfahrt an den Aktienmärkten haben europaweit für neue Verunsicherung bei Anlegern und Emittenten gesorgt. Mit Besorgnis schaut der Markt nun auf Essanelle und Nordsee.

STOCKHOLM/FRANKFURT/M. Nach den flauen Börsendebüts des Flughafenbetreibers Fraport und des Lebensmittelkonzerns Kraft bleibt die Lage für Neuemissionen weltweit angespannt. Während die Zentaris AG, eine Biotechnologie-Tochter des Degussa-Konzerns, am Wochenende überraschend ihren für heute geplanten Gang an den Neuen Markt absagte, gelang es dem norwegischen Öl- und Gaskonzern Statoil offenbar trotz einer dreifachen Überzeichnung nicht, den Preisrahmen für seine Emission voll auszuschöpfen. Mit 69 norwegischen Kronen liegt der am Sonntag veröffentlichte Ausgabepreis im unteren Drittel der von 66 bis 76 Kronen reichenden Bookbuildingspanne. Das Börsendebüt gibt Norwegens größter Konzern heute an den Aktienmärkten in Oslo und New York. Der Erlös aus der Ausgabe von insgesamt 383,2 Mill. Aktien beläuft sich umgerechnet auf knapp 3,4 Mrd. Euro. Im Rahmen der Teilprivatisierung gehen zunächst 17,5 % des Konzerns in den Streubesitz. Nach einer mehrjährigen hitzigen Debatte im Parlament war der Verkauf von 15 bis 25 % der Anteile beschlossen worden.

Auch der französische Außenwerbungsspezialist JC Decaux, dessen Papiere morgen an der Euronext in Paris debütieren sollen, wird nach Einschätzung von Experten den von 21 bis 24,50 Euro reichenden Preisrahmen für seine Aktien nicht voll ausschöpfen. Konsortialführer Goldman Sachs wollte sich am Wochenende noch nicht einmal dazu äußern, wann die Preisfindung für JC Decaux abgeschlossen sein wird - angesichts der angespannten Marktlage könnte dies ein Indiz dafür sein, dass der im vergangenen Herbst bereits einmal verschobene Börsengang des auf Werbung an Bus- und U-Bahn-Haltestellen spezialisierten Unternehmens erneut auf der Kippe steht. Das Angebot bewertet das Unternehmen mit mehr als 5 Mrd. Euro, was dem Dreifachen des letzten Jahresumsatzes entspricht. Die bereits gelisteten Unternehmen der Branche, etwa die Cordiant-Gruppe, werden an der Börse im Schnitt mit dem Doppelten des Jahresumsatzes bewertet. Angesichts des Einbruchs auf dem Werbemarkt ist es fraglich, ob das Unternehmen seine Preisvorstellungen durchsetzen kann.

Oft mussten die Investoren in den vergangenen Monaten mit ansehen, dass der Aktienpreis sowohl bei größeren Emissionen wie Fraport als auch bei kleineren Börsengängen an den Neuen Markt innerhalb weniger Tage unter das Emissionsniveau rutschte. So verlor die Aktie des Medizintechnikunternehmens WOM World of Medicine in nur drei Tagen fast 15 % ihres Wertes, den die Konsortialbanken allerdings auch am oberen Ende der Preisspanne festgelegt hatten. Stefano Bellavita, der bei der Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney für das Emissionsgeschäft mitverantwortlich ist, spricht von einem Käufermarkt. Die Investoren griffen nur dann zu, wenn die Story hinter der Aktie besonders interessant und der Preis niedrig sei. Von den 16Emissionen die Deutschlands Börsen in diesem Jahr gesehen haben, notieren inzwischen nur noch drei über dem Emissionspreis. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg werden rund die Hälfte der europäischen Neuemissionen dieses Jahres unterhalb des Ausgabepreises gehandelt. In diesem Umfeld musste die Friseurkette Essanelle ihre Preisspanne senken und die Zeichnungsfrist verlängern. Im Graumarkt, in dem Aktien vorbörslich gehandelt werden können, sind auch die Papiere der Imbisskette Nordsee unter das obere Ende der Preisspanne gerutscht.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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