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Staudt (IBM): "Deutschland darf Internet-Boom nicht verschlafen"

Deutschland könnte bei Internettechnologien in zwei bis drei Jahren in der Spitzengruppe mitmischen - vorausgesetzt "wir machen es uns nicht im Speise- oder Schlafwagen bequem, wir Deutschen müssen auf die Lok", sagte Erwin Staudt, Vorsitzender der Geschäftsführung der IBM Deutschland GmbH, Stuttgart, im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten.

vwd FRANKFURT. "Wer bei dieser Entwicklung nicht dabei ist, versündigt sich an künftigen Generationen", betonte Staudt und regte das Coaching von Kindern und Schülern an. Sie sollten an die neuen Technologien herangeführt werden.

Damit alleine lassen dürfe man sie jedoch nicht, warnte er. Weder Fernsehgerät noch PC seien als Babysitter geeignet. Zufrieden zeigte sich der IBM-Topmanager mit der Aufholjagd Deutschlands in der Elektronik. Vor nicht allzu langer Zeit habe Deutschland im Vergleich mit anderen Nationen bei allen wichtigen Kennzahlen abgeschlagen im unteren Drittel gelegen.

Das habe sich mittlerweile geändert. Er glaube auch fest an den weiteren Vormarsch des Computers. "Pervasive Computing ist der Trend, um ihn wird sich auf dem IBM-Stand auf der CeBIT alles drehen", verriet Staudt.

"Der Computer dringt verstärkt in alle Gegenstände des Alltags ein, er wird im Katalysator ebenso sitzen wie in den Bremsscheiben unserer Autos. Die Waschmaschine wird ebenso mit uns sprechen wie der Kühlschrank." Nach Prognosen von Marktforschern wird sich die Anzahl der Computer in den kommenden drei bis vier Jahren auf 600 Mill. verdoppeln. Als den eigentlichen "Knaller" der nächsten Jahre bezeichnete Staudt jedoch das Mobiltelefon. "Übertragungsgeschwindigkeiten und die Kosten dafür werden entscheidend für den Erfolg des nächsten Booms - M-Commerce", sagte der Manager, der sich als "begeisterten Techie" sieht.

Gleichwohl lehnte er für IBM als Hersteller ein direktes Engagement im Endkundengeschäft ab. "Wir wollen unsere Geschäftskunden mit unseren Produkten in die Lage versetzen, am Boom teilzuhaben", sagte Staudt. Kompetenz bei Servern, das Management komplexer Systeme sowie Servicedienstleistungen seien gefragt. Er sei stolz darauf, dass IBM Jahr für Jahr sechs Prozent des Umsatzes in Forschung & Entwicklung stecke. Das sichere dem Unternehmen jährlich rund 3 000 Patente, "mehr kann kein anderes vorweisen". Damit sei Big Blue in der Lage, flexibel auf Markt- und Kundenanforderungen zu reagieren.

"Nicht big lips, sondern big facts zählen", sagte Staudt. Er räumte ein, dass die PC-Verkäufe über Internet bei IBM noch "keine nennenswerten Umsätze" erbringen. "Wir würden gerne zehn Prozent unserer PCs über das Internet verkaufen", sagte Staudt. Das Internet sieht er trotz des Debakels so manchen jungen Unternehmens aus der New Economy noch nicht am Ende. "Es ist gut, dass wir so viele junge Leute haben, die sich als Unternehmer versuchen".

Die New Economy wandle sich zur Real Economy: "Zur Fantasie gesellen sich Fakten. Wachstum und Profit, die Eckpfeiler der Old Economy, setzen sich auch bei Startups durch". Andererseits übernehme die Old Economy auch Anregungen des unternehmerischen Nachwuchses.

Das zeige sich an den Mitteln, die Unternehmen wie Siemens oder verschiedene Großbanken in die Hand nähmen, um sich für E-Business fit zu machen. "Wir müssen den Tatsachen ins Auge sehen: Deutschland spielt weder bei Hard- noch bei Software eine Rolle. Wenn wir die dritte Welle - das Internet - auch noch verpassen, müssen wir auf die vierte Welle warten. Ich weiß aber nicht einmal, ob und wann diese kommt".

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