Steigende Arbeitslosigkeit verdirbt Stimmung
Einzelhandel hat schwaches Jahr hinter sich

Der deutsche Einzelhandel hat im Jahr 2001 nach ersten Schätzungen des statistischen Bundesamtes real 0,5 % mehr umgesetzt als im Vorjahr. Im November seien die Umsätze zum Vorjahresmonat real 0,4 % gesunken, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Analysten hatten im Schnitt sogar mit einem Minus von 1,0 % gerechnet.

Reuters FRANKFURT. Volkswirten zufolge verdeutlichen die Daten die Kaufzurückhaltung der Deutschen im vergangenen Jahr, die teilweise auf die steigende Arbeitslosigkeit zurückzuführen gewesen war. Für die im Jahr 2001 mit 2,5 % höchste durchschnittliche Inflationsrate seit sieben Jahren machten die Analysten vor allem Sondereffekte verantwortlich.

Im Jahr 2000 hatte der Einzelhandel noch ein reales Umsatzplus von 1,4 % verzeichnet. Das Statistische Bundesamt schätzte den nominale Umsatzzuwachs der Einzelhändler für das Gesamtjahr 2001 auf 2,0 bis 2,5 %. Der nominale Umsatzanstieg zum Vorjahresmonat betrug im November 1,0 %. Im Vergleich zum Oktober setzten die Einzelhändler nominal 1,7 % und real 1,6 % mehr um. Analysten hatten dagegen mit einem realen Umsatzrückgang zum Vormonat um 0,8 % gerechnet.

Volkswirte sahen trotz der etwas besser als erwartet ausgefallenen Novemberzahl in den Daten die Bestätigung eines schwachen Jahres für den Einzelhandel. Die überraschend starken Umsatzzahlen für November seien teilweise saisonal bedingt, sagte Ulla Kochwasser, IBJ Deutschland. Zudem hätten bereits im November viele Menschen Anschaffungen vor dem Wechsel zum Euro-Bargeld vorgezogen. Dieser Effekt werde auch in der Dezember-Statistik erkennbar sein.

Dresdner-Bank-Volkswirt Harald Jörg erwartet nach dem "relativ gut gelaufenen Weihnachtsgeschäft" ebenfalls steigende Umsätze für Dezember. Grund für die Schwäche des Einzelhandels im Jahr 2001 war Jörg zufolge vor allem die steigende Arbeitslosigkeit, die zu Kaufzurückhaltung geführt habe. "Die aktuelle Preisentwicklung sollte dem entgegenwirken", sagte Jörg mit Blick auf die sinkende Inflationsrate.

Das Statistische Bundesamt bestätigte am Dienstag seine Schätzung für die deutsche Jahresteuerungsrate im Dezember von 1,7 % und die durchschnittliche Jahresteuerung von 2,5 %. Dies war den Angaben zufolge der höchste Jahresdurchschnitt seit 1994. Dies liege vor allem an Sondereffekten wie den höheren Lebensmittelpreise auf Grund der Tierseuchen und dem Ölpreisanstieg 2001, sagte Jörg. Seit dem höchsten Stand der Inflationsrate im Mai von 3,5 % hat sich die Teuerung nach und nach abgeschwächt. In den kommenden Monaten werde sich der Trend rückläufiger Jahresteuerungsraten fortsetzen. "Unsere Prognose liegt bei 1,0 % für 2002", sagte Jörg.

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