Steigende Gewinne und hohe Dividendenrendite locken Anleger
Versorger bringen Stabilität ins Depot

Die Baisse verleiht den defensiven Versorgern neue Energie. Genau das könnte die frohe Botschaft für die börsennotierten Branchenvertreter des Alten Kontinents sein. Schon seit Anfang des Jahres hat der Sektor einen Aufschwung hingelegt und andere, breiter gefasste Marktsegmente überflügelt.

Fragt man die Branchenoptimisten, dann warten sie mit einer ganzen Reihe von Argumenten dafür auf, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird: Zum einen suchten die nervösen Anleger angesichts der sich weiter verschlechternden Wirtschaftslage, dem drohenden Krieg in Irak und der anhaltenden Angst vor neuen Terroranschlägen mehr und mehr nach defensiven Aktien. Zum anderen könnte - selbst wenn der Krieg in Irak kurz wäre, und die Börsen deshalb abheben würden - eine Abwendung der Investoren von defensiven Werten nur von kurzer Dauer sein, wenn sich die Unternehmensgewinne insgesamt nicht verbessern. Die Qualität von Ertrag und Cash Flow bei vielen Versorgern könnte die Anleger dann immer noch interessieren, wenn andere Branchen weiter verlieren.

"Die Ertragsbasis bei den Versorgern ist unserer Meinung nach sicherer, die Wahrscheinlichkeit, dass die Kreditwürdigkeit herabgestuft wird, ist in diesem Sektor viel geringer", sagt Jeremy Podger, Fondsmanager für europäische Aktien bei Investec Asset Management. Auch die Strategen von Merrill Lynch unterstreichen die Stärken der Branche: Solides Gewinnwachstum, gute Dividendenrenditen und freier Cash Flow - kurzum genau die Kennzahlen, auf die die Anleger derzeit am meisten Wert legen. Die Investmentbank geht für die Versorgungsindustrie von einer durchschnittlichen Dividendenrendite von 5,3 Prozent für 2003 aus. Das wären 50 Prozent mehr, als der Gesamtmarkt wahrscheinlich aufweisen wird. Zudem sei der Sektor wenig von einem sich abschwächenden Dollar betroffen. Merrill bevorzugt Eon, die britische National Grid Transco und Fortum aus Finnland. Podger von Investec empfiehlt neben Fortum die spanische Endesa.

Die Risiken bei spanischen Versorgungsunternehmen wegen ihrer engen Verbindungen zu Krisenmärkten in Lateinamerika seien in den Kursen - nach den empfindlichen Verlusten im vergangenen Jahr - mehr als eingepreist, argumentiert er. Auch wenn Endesa die Belastung durch Verbindlichkeiten erst noch genau sondieren müsse, spiegele der Aktienkurs immer noch nicht den Wert der internationalen Geschäfte des Unternehmens und zukünftige Projekte zur Energiegewinnung wider.

Fortum habe in der Vergangenheit zwar schlechte Renditen abgeworfen, aber die Aussichten für den Versorger dürften sich verbessern. Die skandinavischen Regulierungsbehörden würden sich aller Wahrscheinlichkeit nach dazu durchringen, Tariferhöhungen bei den Strompreisen zuzulassen. Sonst würden sich Reinvestitionen für die Unternehmen nicht mehr rechnen.

Ganz wasserdicht ist die Kette der Argumente aber dennoch nicht. Auch wenn Versorger besser abschneiden als der Gesamtmarkt - sie könnten immer noch verlieren, nur langsamer. Dazu kommt, dass der Sektor im Vergleich zum Markt ziemlich nahe an den historischen Spitzenwerten gehandelt wird, die zuletzt Ende 1998 verzeichnet worden waren, schreibt Merrill Lynch.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Investoren wegen der Finanzkrise in Asien und dem Zusammenbruch des Hedge Funds Long-Term Capital Management in defensive Titel geflüchtet. Als dann der Boom um Hochtechnologie- und Telekom-Aktien einsetzte, führten Versorger eher ein Mauerblümchen-Dasein.

Es muss sich erst noch zeigen, ob die Branche die Hürde von 1998 nehmen kann. Optimist Podger meint allerdings, es sei zu früh, dem Sektor auf diesem Niveau einen Deckel überzustülpen. Viele Anleger seien jetzt auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten, bei denen die Dividendenrendite die Rendite von Anleihen übertrifft. Die Investoren wollten den "soliden" Ertrag, den die Versorgungsindustrie biete. "Man hat eine sehr reale Chance auf ein wirkliches Dividendenwachstum", sagt Podger. "Und das ist mehr als man von den meisten anderen Aktien im Markt derzeit sagen kann."

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