Steigende Kosten belasten Erträge
Fondsmanager üben Selbstkritik

Experten liefern ein düstere Bestandsaufnahme ab: Das Werben um die Kunden wurde von der Branche lange vernachlässigt - und wird jetzt zur Überlebensfrage.

NIZZA. Die Lage in der Investment-Branche bleibt angespannt. Sinkende Einnahmen und steigende Kosten belasten die Erträge. Experten fordern deshalb neue Strategien. Dabei spielt die Beziehung zum Kunden eine zentrale Rolle, sagten Branchenexperten am zweiten Tag der Fondskonferenz in Nizza, auf der sich über 1 000 Branchenexperten trafen.

Eine kritische Bestandsaufnahme kommt beispielsweise von Huw van Steenis. Der Aktienanalyst für Finanzwerte bei Morgan Stanley sieht sogar noch düsterere Zeiten auf die Anlagebranche zukommen: "Wir rechnen auch über die kommenden Jahre mit weiteren Gewinneinbußen." Nur wenige Gesellschaften hätten sich heute schon zukunftsfähig ausgerichtet - und auch das nur in Teilbereichen. Die Anforderungen an eine Asset-Management-Gesellschaft der Zukunft erfülle heute beispielsweise schon die US-Firma Blackrock beim Thema Kostenkontrolle. Beim Stichwort Vertrieb stellt van Steenis die schweizerische UBS als Vorbild vor. An der amerikanischen Gesellschaft Franklin Templeton gefällt ihm dagegen die für alle Börsenphasen geeignete Produktpalette. Fidelity ist für ihn die Nummer eins sowohl im Bereich technologischer Infrastruktur als auch beim Bekanntheitsgrad. Die Allianz Dresdner Asset Management sieht der Experte im Geschäftsfeld Altersvorsorge sehr gut positioniert.

Auch andere Fachleute orten die Asset-Management-Gesellschaften erst in einem frühen Stadium der Anpassung auf ein zukünftig härteres Wettbewerbs- und Kapitalmarktumfeld. Das belegte auch eine in Nizza vorgestellte internationale Studie der Unternehmensberatung KPMG und der Research-Gesellschaft Create zur Lage der Branche. Danach stufen die Vermögensverwaltungsgesellschaften die steigenden Anforderungen der Investoren an ihre Asset-Manager als die größten Herausforderungen ein.

Der Umgang mit dem Kunden ist der Schlüssel zum Geschäftserfolg in den kommenden Jahren. Das sagte Marketing-Guru Bob Pritchard, Chef der US-Marketingfirma Marketforce One. Entscheidend ist seiner Meinung nach, den Kunden zu kennen, mit ihm zu kommunizieren und "ihm ein emotionales Erlebnis zu bieten". Aber, so sagt Pritchard, "die Anlagebranche ist so mit sich selbst beschäftigt, dass sie ihren Anlegern gar nicht zuhört und seine Interessen gar nicht erkennen kann". Die Folge dieser Ignoranz durch die Branche sei der Verlust vieler Kunden.

Pritchards Ansichten werden von den Vermögensverwaltern nur ansatzweise geteilt. Seine Kritiker weisen beispielsweise darauf hin, dass ein Anlageprodukt zum Thema Emotionalität kaum mit Konsumgütern wie beispielsweise einem Auto oder einem Softdrink vergleichbar sei. Joachim Faber, Chef der Allianz Dresdner Asset Management, räumt zwar die Enttäuschung vieler Kunden über schlechte Anlageleistungen ein. Er geht sogar noch einen Schritt weiter: "Bei Institutionellen hat die Branche sicher einiges falsch gemacht und teilweise versagt." Bei den Privatkunden sieht er dagegen kaum Möglichkeiten einer Einflussnahme durch die Investment-Gesellschaft. Verkauft werden die Anlageprodukte schließlich überwiegend von Beratern und Vermittlern, nicht von der Investment-Gesellschaft.

Auch Pritchards Kritik an hohen und seiner Meinung nach unsinnigen Ausgaben für Werbung beispielsweise im Rahmen von Anzeigenkampagnen stieß auf Kritik. Der Marketing-Guru glaubt, dass Werbung kaum ins Bewusstsein potenzieller Anleger und Kunden dringt. Volker Kurr, bei SDB Invest unter anderem verantwortlich für die Kundenbetreuung, glaubt dagegen, dass Anlagegesellschaften den Wert eines Markennamens immer noch unterschätzen und daher auf diesem Gebiet zu wenig investieren. "Die Branche muss Geld in die Hand nehmen, um Verwechslungen zu vermeiden", sagt der SDB-Invest-Mann. Er argumentiert mit den Ergebnissen einer Umfrage. Danach verwechselten die Befragten beispielsweise Invesco und Erasco, Deka mit Dekra oder Activest mit Actimel.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%