Steigende Preise bieten Anlegern Chancen
Ölaktien: Wie geschmiert

Ein steigender Ölpreis bremst zwar die Wirtschaft, kann spekulativen Anlegern aber Geldsegen bescheren - wenn sie ein gutes Händchen für das Timing haben.

DÜSSELDORF. Erst wenn sich Israel aus den Palästinensergebieten zurückzieht, werden die Ölexporte wieder aufgenommen." Iraks Präsident Saddam Hussein scheute nicht davor zurück, die Ölwaffe im Nahostkonflikt einzusetzen. Und prompt zog der Ölpreis am Montag an - die Nordsee-Sorte Brent sprang vorübergehend über 26,50 Dollar je Barrel. Zusätzlich trieb noch die Unterbrechung von Öllieferungen aus Venezuela die Preise.

Während sich Ökonomen um das Wirtschaftswachstum sorgen, ist ein steigender Ölpreis für spekulativ orientierte Anleger kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Sie können auf vielerlei Weise daran verdienen, etwa mit Kaufoptionsscheinen (Calls) auf Ölfutures, mit Scheinen auf Ölwerte - oder mit den jeweiligen Aktien - sowie mit Zertifikaten auf Ölindizes. Und falls der Ölpreis sinken sollte, fließen den Investoren Gewinne zu, die die entsprechenden Verkaufsoptionsscheine (Puts) im Depot haben.

Wenn es darauf ankommt, die Preisentwicklung vorauszusagen, wollen sich viele Analysten nicht allzu weit vorwagen. Denn zurzeit seien die Preise politisch bestimmt. Das macht auch die aus fundamentaler Sicht überzogene Preisreaktion auf Husseins Ankündigung deutlich: Mittelfristig jedenfalls dürfte sich der irakische Exportstopp kaum auf den Brentpreis auswirken, weil die Exportmenge nur bei 1,8 Millionen Barrel täglich liege, während weltweit 77 Millionen Barrel gefördert würden, erklärt etwa Carmen Weber, Fondsmanagerin bei Metzler Investment. Zudem könnte ja Russland seine Exporte - bislang eine Menge von 9,2 Millionen Barrel täglich - erhöhen.

Und Wolfgang Häuser, Volkswirt bei der BHF-Bank, ergänzt, er könne sich nicht vorstellen, dass die gesamte Opec ein Ölembargo als Waffe einsetzte. Das liege zum Beispiel nicht im Interesse Saudi-Arabiens - und aus diesem Land komme ein Drittel der Opec-Ölförderung. "Außerdem fällt das irakische Öl häufiger aus", zieht Häuser Bilanz. Abgesehen davon lägen laut den vielbeachteten US-Statistiken Rohöl- und Benzin-Vorräte signifikant über den Vorjahresniveaus. Statt des aktuellen Preises hält Häuser derzeit einen Preis von 22 bis 23 Dollar je Barrel für fundamental gerechtfertigt; dazu komme eine politische Prämie von 2 oder 3 Dollar.

"Noch ist nicht klar, ob diese Prämie so schnell wieder verschwindet, wie sie vor einigen Wochen entstanden ist", meinen sowohl Häuser als auch Frédéric Lasserre, Volkswirt bei Société Générale in Paris. Momentan gehen viele Experten davon aus, dass der Ölpreis kurzfristig noch leicht anziehen wird - bei dramatischen Eskalationen im Nahen Osten könnte der Ölpreis sogar "schnell einmal über 30 Dollar je Barrel springen", sagt Häuser. Danach dürfte der Preis zunächst wieder nachgeben, um ab Herbst in einer konjunkturellen Aufschwungphase wieder zuzulegen, meinen Beobachter.

Für eine zwischenzeitliche Beruhigung spreche unter anderem, dass der Einfluss der USA groß genug sein sollte, um den schwelenden Nahostkonflikt zu beruhigen - "auch wenn die akuten Spannungen noch ein paar Wochen andauern dürften", wie es Weber formuliert. Die Fondsmanagerin weist darauf hin, dass die Erwartung sinkender Kurse bereits am Terminmarkt abzulesen sei: Futures an der Nymex in New York mit Laufzeitende Dezember notieren derzeit bei etwa 25,00 Dollar je Barrel, während die Kontrakte mit Laufzeitende Mai bei fast 26,20 Dollar stehen. Das heißt: Der Markt rechnet bereits einen Preisrückgang ein.

Doch wenn der Konjunkturmotor ab Herbst wieder brummt, sollte die Nachfrage nach Öl und damit auch der Preis steigen. So erwartet Lasserre für das dritte Quartal dieses Jahres einen durchschnittlichen Preis von 26,50 Dollar je Barrel und für das vierte 27,50 Dollar. J. P. Morgan sagt für das dritte Quartal einen Durchschnittspreis von 25,60 Dollar je Barrel voraus und für das vierte Quartal 26,10 Dollar.

Auf kurze Sicht sollten Öl-Spekulanten also erst auf einen weiteren Ölpreisanstieg und dann auf eine Abschwächung setzen. Derzeit ist hier zu Lande mit der Société Générale nur ein Anbieter auf dem Markt, mit dessen Scheinen man - zumindest fast - direkt auf den Brentölpreis setzen kann. Die Franzosen bieten nämlich Calls und Puts auf Rohöl-Futures mit verschiedenen Laufzeiten, etwa Juni und September, an der International Petroleum Exchange in London an. Doch momentan sind die Volatilitäten (erwarteten Schwankungsbreiten der Kurse) in den Papieren hoch, "die Scheine sind daher recht teuer", gibt Yann Stoffel von der Société Générale zu; wenn die Volatilitäten sinken, fallen die Optionsscheinpreise, was für die Besitzer ärgerlich ist.

Ölfutures: "Gewagtes Investment"

Doch momentan ist nicht abzusehen, ob sich die Volatilitäten abschwächen könnten. Ölfutures-Scheine seien jedenfalls ein "gewagtes Investment", sagt Stoffel. Wichtig zu wissen: Der Preis der Papiere ist nicht direkt auf den Ölpreis bezogen, sondern auf den Futureskurs. Möglich sei, dass der Futureskurs durch Leerverkäufe belastet werde, so dass er deutlich unter dem Erdölkassakurs liege. "Da gab es bislang bei Anlegern einige Missverständnisse", sagt Stoffel.

Wer kurzfristig wetten und den Einfluss der Volatilitätsschwankungen niedrig halten will, sollte Scheine kaufen, die weit "im Geld" liegen, rät Dirk Heß von der Citibank. Bei einem Call liegt der Basispreis des Scheins "im Geld" unter dem aktuellen Kurs des Futures oder der Aktie, bei einem Put notiert der Basispreis dann über dem aktuellen Kurs.

Diese Strategie können Anleger auch mit Optionsscheinen auf einzelne Ölaktien verfolgen; erst zu Wochenbeginn hat sich wieder gezeigt, wie prompt die Werte auf Ölpreisveränderungen reagierten, also bei steigenden Preisen anzogen. Weber weist allerdings darauf hin, dass die Aktien bereits gut gelaufen sind und den Markt daher künftig nicht mehr so stark überbieten dürften. Der Dow-Jones-Stoxx- Öl-Index hat die Börse seit Ende 2001 um rund zehn Prozent übertroffen.

Beim Vergleich der Analysteneinstufungen fällt auf, dass Exxon Mobil u.a. mit der Note "Übergewichten" von Morgan Stanley und "Add" (Hinzufügen) von der Dresdner Kleinwort Wasserstein gut abschneidet, während Royal Dutch und Totalfina vorsichtiger gesehen werden. So erwarten Lehman Brothers, Goldman Sachs und die Deutsche Bank bei Royal Dutch eine marktdurchschnittliche Entwicklung, und bei Totalfina rät UBS Warburg zum "Halten". Auch andere Branchen sind von der Ölpreisentwicklung betroffen: So belasten steigende Ölpreise Flugzeug- und Chemieaktien, weil sich die Kosten für die Unternehmen erhöhen. Doch sollten Anleger weiter unternehmensspezifische Faktoren berücksichtigen, bevor sie zu Puts auf die Titel greifen. Mit Vorsicht zu genießen ist auch der Tipp der Société Générale, Dollar-Calls zu kaufen, weil der Nahostkonflikt die Nachfrage nach der wichtigsten Öl-Währung steigere. Der Dollar hängt nicht nur vom Ölpreis ab.

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